Der Frankfurter Stadtteil Gallus, volkstümlich auch Kamerun genannt, ist ein ganz spezieller Stadtteil. Er kommt nicht snobistisch daher wie Sachsenhausen, obgleich Anzug und Krawatte im Straßenbild ebenso präsent sind, wie der Blaumann oder das Kopftuch. Er kommt auch nicht so adrett daher, wie das frisch gekämmte Nordend – dieses Bullerbü für Erwachsene; nein unfrisiert scheint es, das Gallus, obgleich an der Nahtstelle zur Messe hin die Großbaustelle darauf hinweist, dass demnächst hier ein anderer Wind wehen könnte. Noch mischen sich hier die Nationen und die Welten; der Gemüsehändler grüßt ebenso freundlich wie die Graffitis von den Wänden, in den Cafés und Kneipen hocken Angestellte, Müßiggänger und Arbeiter Seit an Seit, während die Sonne ein Viertel bescheint, in welchem der Flaneur Nischen entdecken kann, in denen das ganz normale Leben lebt. In den Grünstreifen der Siedlungshäuser wird gegrillt, nebenan trocknet die Wäsche. Kamerun. Die Rundschau schrieb dazu vor Jahren: Seit das Gallus von Menschen aus rund 30 Nationen bewohnt wird, sieht mancher im Kamerun eine Kolonie der Gegenwart. Die Kameruner stehen dazu. Stadtspaziergänger Wendelin Leweke hat es 1990, bei der Übertragung eines Fußballspiels Kamerun-Argentinien in einer Gallus-Kneipe, erlebt. Als die Mannschaft von Kamerun den Sieg errungen hatte, „drang der Ruf auf die Straße: ,Mer hawwe gewonne!'“

Aber dies nur am Rande, denn jetzt geht’s um die Wurst. An der Ecke zur Frankenallee wartet in der Speyerer Straße das Worscht Körbsche auf Kundschaft – und wer jetzt stöhnt: Scho widdä son Worschteventtembel, den muss ich leider oder besser Gott sei Dank enttäuschen. Das Worscht Körbsche ist eine Mischung aus Eckmetzgerei und Imbiss und verströmt das Flair der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Vor dem Laden glänzen ein paar Stehtische in der Sonne, zwei Frauen hinter dem Tresen sind emsig beschäftigt, die Kundschaft zu versorgen; sie wissen, was zu tun ist, hier sitzt jeder Handgriff.

Ich bestelle eine Rindscurry mit Pommes und eine Cola – 5,20 Euro sind hierfür zu berappen, ein humaner Preis. Auf Nachfrage ob ich eine normale Rindswurst nehme oder eine etwas schärfere, entscheide ich mich für die Chilli-Variante, nur wenig später erhalte ich meinen Teller inklusive Messer und Gabel und stelle mich nach draußen. Am Tisch neben mir geht’s um die Eintracht.

Die Pommes sind reichlich und sie schmecken genau so, wie sie früher geschmeckt haben, als sie in eine papierne Tüte gesteckt und oben mit einem Klecks Ketchup und einer Plastikgabel versehen wurden; das gibt schon mal die ersten Pluspunkte. Die Rindswurst ist ordentlich geschnitten und perfekt erhitzt, nur zwei Stückchen hängen leicht an der Haut zusammen – doch das Echtmetallmesser schafft ruckzuck Abhilfe. Die Soße kommt dezent erwärmt daher, leicht glasig und schmeckt rund. Die Wurst ist gar nicht mal so scharf, eher pikant und zusammen mit den Pommes fällt einem die arg abgestandene Sentenz Futtern wie bei Muttern ein, obwohl meine Mutter niemals Currywurst gemacht hat und wenn, dann habe ich einfach nur Ketchup genommen und Curry darüber gestreut. Soße für Currywurst zu komponieren ist eine der schwierigsten Aufgaben der Welt – erst neulich habe ich einen Ansatz gefunden, eine vernünftige Soße zu zubereiten. Balsamicocreme und Honig sind dabei von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Einen Ansatz!.

Hier im Worscht Körbsche wird die Welt zwar nicht neu erfunden, aber sie wird gelebt; ohne Firlefanz, ohne Trallala und ohne Schlagzeilen – und  genau das ist die Schlagzeile wert.

Fazit: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein; die Wurst, die Pommes, die Soße – ein rundes Programm feat. ökologischem Teller und Besteckservice. Falls die Rindswurst mal aus sein sollte, bekommt man hier auch eine Currywurst aus Krakauer – und dazu die letzten Meldungen der Eintracht, die derzeit froh wäre, auch nur ansatzweise am Niveau des Worscht Körbsches schnuppern zu dürfen, denn

4 von 5 Cupos

hat es sich verdient, diese Bastion des Unaufgeregten. Allemal.

Mahlzeit.