Mit langsamen Schritten nähert sich die Regenzeit, nach dem Donnerwetter von vorgestern brachte die Flut einige Mitbringsel von Land an den Strand, Blätter, ein halber Baumstamm und einiges an Kleingeraffel. Nach einigen Tagen hier, zeigt sich auch deutlich die Wandlung des Strandes bei Ebbe und Flut.

Der entscheidende Unterschied ist der Wasserstand. Zwar zieht sich das Wasser im Gegensatz zum südlichen Teil der Bucht nur wenige Meter zurück, legt dabei aber etliche Steine frei, die bei Flut verborgen bleiben. Und diese Steine können dem unbedarft Badenden unangenehm werden, so er zu dicht darüber schwimmt oder seinen Fuß darauf absetzt. Einige Seeigel sind hier zuhause und deren Stachel können das Reiseerlebnis unangenehm trüben.

Ob ich meinen Plan nach Ko Chang zu fahren, in die Tat umsetze, steht in den Sternen. Einige der wenigen Resorts dort haben bereits geschlossen, individuelles Vorwärtskommen geht nur per Pedes und die Abreise scheint sich auch nicht so einfach zu gestalten. Zudem tummeln sich Sandfliegen an den Stränden. Hier auf der Insel habe ich bereits einiges gesehen und muss sagen, dass der tollste Platz in der Tat die Anlage ist, in der ich derzeit lebe. Da ist natürlich auch der kleine Bungalow direkt am Wasser Gold wert. Mr Trip hat seine Polierarbeiten am Speedboot beendet, es ist wieder Ruhe eingekehrt. Aber natürlich schwindet mit den Tagen die Magie des jeweils ersten Momentes, was tun? Hier bleiben und in eine Art Urlaub gleiten, das Essen, das Meer, die Insel genießen und in eine Art Alltag verfallen, der eigentlich traumhaft ist oder wieder die Entdeckerschuhe anziehen, wissend, dass ein Platz wie dieser, von dem ich immer geträumt habe, so nicht zu finden sein wird. Aber er wird andere Plätze geben und wollte ich nicht Orte sammeln.

Am frühen Morgen nehme ich ein Bad und laufe anschließend zum nördlichen Ende der Bucht, in der Hippy Bar ists ruhig. Muscheln gibt es am Strand nicht sehr viele, dafür einige kleine Felsen, um die ein Trampelpfad herum führt. Strandkrebse sausen seitlich um mich herum, ab und an sonnt sich ein Reisender, es ist ruhig wie fast immer. Übrigens habe ich neulich keinen Tukan gesehen, sondern einen Hornbill, einen Nashornvogel. Man lernt ja nie aus. Später am Nachmittag werfe ich meinen Roller an und rolle an die größere Bucht, vielleicht finde ich einen schönen Platz, um den Sunset zu beobachten. Der Long Beach ist eigentlich traumhaft, ich laufe durch eine Anlage und lande am Strand, der langgezogener ist als der Buffalo Beach, ideal für Jogger, aber so recht finde ich keine Stelle, um mir den Sonnenuntergang nach meinem Gusto anzuschauen, es ist warm und so roller ich wieder gemächlich nach Hause, setze mich an den Strand. Zwei Pärchen spielen in einem mit Flip Flops abgetrennten Feld Volleyball, später Frisbee, der unruhige Geist will sich beschäftigt wissen. Ich sitze, sehe, wie die Sonne hinter Wolken zur Nacht verschwindet. Zwei Adler umkreisen mich. Der Mond ist fast voll, nachts gehe ich bei Flut ins Wasser. Ich bin alleine im Meer, langsam verlöschen die Lichter der Anlagen. Pia sitzt knapp 10.000 km entfernt von mir, macht bald Feierabend, ich trockne mich ab und blicke in die Sterne. Nachts wache ich auf, es ist kühl, nehme mir eine Decke und schlafe wieder ein. Wohin wird mein Weg mich führen? Ich weiß es nicht. Und das ist vielleicht auch gut so.