Buffalo Bay, wie die Bucht hier von Nichtthais genannt wird, weist schon eine seltsame Eigenschaft aus. Bei Ebbe ist im südlichen Teil nicht an baden zu denken, das Wasser zieht sich zurück, hier im nördlichen Teil macht sich die Flut zwar auch leicht bemerkbar, bei Ebbe ragen einige Felssteine aus dem Meer, die eben noch bedeckt waren, doch mit wenigen Schritten bist du jeweils im Wasser.

Ihr habt ja gestern die Bilder des Sonnenuntergangs gesehen, sie wurden alle am selben Abend aufgenommen, an nahezu jedem Abend bietet sich ein verschiedenes Bild, zwischen Prospekt-Postkartenmotiven und verschwommenen impressionistischen Bildern. Ich werde euch am Ende des Beitrages noch einmal mit einer Serie von gestern quälen, aus einem ganz besonderem Grund. Dann ist aber auch gut mit: Guckmalwietoll, schließlich sitzt ihr ja in der eher nasskalten Heimat und wollt selbst raus in den Frühling.

Natürlich sind wir Menschen nicht alleine auf der Insel, eine ganze Menge Mitbewohner tummeln sich unter uns, angefangen von der gemeinen Stubenfliege, die hier eher eine Freiluftfliege ist. Ameisen gehören zum Repertoire, Krebse in einigen Varianten, jede Menge Hunde, die frei laufen und sich manchmal zu einem gesellen, wenn man irgendwo rumlungert, Katzen, Geckos und Eidechsen, die vielleicht auch anders heißen, Schmetterlinge, kleine Vögel, Krähen, eine Art Riesengrashüpfer, Tukane, zwei, drei Hühner, Fische (Dortmund und Schalke), und als einer von zwei Höhepunkten kreiste gestern ein Adler über mir. Freunde der Eintracht, macht euch keine Sorgen, alles wird gut – sagt mir dieses Zeichen aus der Heimat. Habt ihr Attila eigentlich in letzter Zeit gesehen?

Eine für Europäer eher ungewohnte Attraktion lebt im Dschungel des nördlichen Teiles der Bucht. Von mir aus fahre ich einige Minuten mit dem Roller, bis ich die betonierte Piste verlasse und auf einem Sandweg weiter fahre. Kurz vor dessen Ende parke ich und laufe zu Fuß links in den Dschungel. Ich brauche dazu keine Machete, der Weg führt zu einer Anlage am Rande des Urwaldes nah am Wasser. Schon auf dem Weg weisen Schilder auf die umtriebigen Mitbewohner hin. Look animals steht hier. Oder: Don’t follow the monkeys. Affen, genau. Und diese sollen, wie ihr ja schon wisst, nicht gefüttert werden, doch wo sind sie?

Der sandige Weg wird durch Palmwedel überdacht, es ist warm, noch nicht heiß. Ich nehme zur Sicherheit stets eine Wasserflasche mit, doch die ist eigentlich nicht nötig, es sei denn, man läuft durch völlig verlassenes Terrain und verirrt sich. Ansonsten ist die Insel so klein, dass man früher oder später auf einen Ort stößt, an dem es etwas zu trinken gibt. An vielen Stellen kann man seine Vorräte auch auffüllen lassen, das kostet meist zwischen nichts und wenig und verhindert Plastikmüll.

Dort, wo ich die Affen vermutet habe, kann ich keine entdecken, bald habe ich den Eingang zur Dschungelanlage erreicht, als es knackt. Und da entdecke ich sie. Keine Gorillas oder Schimpansen, eher so eine Art größerer Herr Nilson. Ich bleibe brav auf dem Weg und sehe ihnen zu, auch die Affen bleiben in sicherer Entfernung und beobachten den großen pelzlosen Affen, der sich ihnen da nähert. Sie rennen umher, sitzen auf einer Anhöhe, man hört die Palmwedel von Zeit zu Zeit rascheln. Leider sind sie für scharfe Bilder meiner Kamera zu weit entfernt, es ist dennoch ein drolliges Schauspiel, die Kerlchen zu beobachten. Mit jedem Moment, den ich verweile, entdecke ich mehr von ihnen. Überraschender Weise tummeln sich die meisten von ihnen recht nah am Eingang der bewirtschafteten Anlage. Gleich und gleich gesellt sich gern. Junge Äffchen kloppen sich um eine Plastikflasche, kaum hat sie einer ergattert, wird er von seinen Kameraden gejagt, ein Muttertier wandert gemächlich seines Wegs, der Nachwuchs klammert sich unten am Bauch fest. So ich mich bewege, werden sie vorsichtig. Sie überqueren die sandige Straße, um den gegenüberliegenden Teil des Waldes zu erreichen, und lassen mich in Frieden, wie ich sie in Frieden lasse.

Ich wandere runter ans Wasser, die Bäume des Urwaldes gehen fast bis zum Sandufer. Auch hier macht sich die Ebbe bemerkbar, der Baum, der neulich noch im Wasser stand, steht heute zwischen Steinen. Aber nur wenige Meter entfernt rauschen die Wellen sachte an den Strand. Dies ist der letzte bewirtschaftete Ort der Bucht, nachts kann ich die wenigen Lichter sehen.

Auf einem Holzpodest am Strand mache ich ein Päuslein unter Palmen, ich rauche, trinke einen Schluck Wasser und blicke auf die Andamanische See. Es dauert auch nicht lange, bis sich ein Gast hier her verirrt und wenige Meter von mir entfernt auf einen kleinen Felsen klettert, um dahinter zu verschwinden. Es ist ein Ling, ein Monkey, ein Äffchen.

Der Abend nähert sich betulich, der Sonnenuntergang kündigt sich durch das Glitzern im Wasser langsam an, ich gehe baden und habe den Eindruck, dass es sich ein bisschen zuzieht. Und tatsächlich höre ich in der Ferne einen Donnerschlag. So verlasse ich das warme meergrüne Wasser und dusche, ein Wind kommt auf es donnert regelmäig, aber es ist warm und die frische Brise ist gar nicht unangenehm. Zur Sicherheit lege ich meine im Winde wehenden Klamotten in den Bungalow. Bewaffnet mit Sarong und Kamera lege ich mich an den Strand. Dunklere Wolken mengen sich mit lichtblauem Himmel, die Sonnenstrahlen dazwischen beleuchten die Inszenierung mit abwechselndem Licht, je nachdem wieviel Sonne von den Wolken bedeckt ist. Weiter hinten Richtung See blitzt es zum Donnerschlag, es ist ein erneut atemberaubendes Naturspektakel, die Spieldauer beträgt 90 Minuten plus Nachspielzeit. Noch bevor es ganz nachtdunkel ist, schleiche ich in meinen Bungalow, und kaum erreiche ich ihn, fallen die ersten Regentropfen. Hatte ich zuerst überlegt, heute ausnahmsweise mal am Long Beach zu speisen, so bleibe ich doch hier. Zum einen weiß ich nicht, wie sich die Wetterlage entwickelt, zum anderen ist es hier spannend genug. Aber das Wetter beruhigt sich bald, der Wind lässt nach, die Wärme kommt zurück, nur der Mond ist nicht ganz so klar wie sonst, einige Wolken haben sich wohl davor geschoben.

Nach dem Essen liege ich in meiner Hängematte, ich habe neue Nachbarn, ein deutsches Pärchen ist eingezogen, macht sich aber gleich wieder auf den Weg. Später mache auch ich mich noch einmal auf den Weg, werfe meinen Roller an und tucker langsam über die Nachtinsel, in kaum einer Bar am Wegesrand sitzt Kundschaft. Auch ich werde kein Kunde werden, ich möchte fahren, der Fahrtwind kühlt angenehm, die Yamaha bremst gut und mein Scheinwerferlicht reicht aus, um bei langsamer Fahrweise die Schlaglöcher frühzeitig zu entdecken. Der Abendwind hat einige Palmwedel auf die Wege geweht, ich räume ein paar zur Seite. Nur ab und zu kommt mir ein Scooter entgegen, wenn es mir zu wacklig erscheint, bleibe ich stehen, ansonsten fahre ich langsam weiter. Selbst die Taxiroller fahren weitaus behutsamer, als dies je in Bangkok denkbar wäre. Nach wenigen Minuten erreiche ich die Ostküste der Insel, dort, wo auch die Boote von Ranong anlegen. Der Weg führt nicht weit vom Meer enfernt an Restaurants vorbei, an der direkten Küste gibt es wenige bis keine Anlagen wie auf der westlichen Seite, dafür etwas mehr Müll. Die Mönche haben Feierabend, einige Meter dahinter führt ein Pier ans Wasser. Man kan mit dem Roller bis ans Ende fahren, neulich war ich schon einmal tagsüber hier. Jetzt treffe ich auf einige Thais, die fischen, ein Hello, ein Sawadeh krahp, ich setzte mich an den Rand und schaue aufs Wasser und auf die Inseln und die wenigen schaukelnden Boote. Später rolle ich Richtung Long Beach, das kleine Dorf ist bis auf wenige Lichter dunkel, auch die Bars abseits des Strandes warten verlassen auf Gäste, ab und an dringt Musik an mein Ohr.

Ich fahre noch eins, zwei Wege, lande im Inneren sackgassig an einem Resort und kehre um Richtung Heimat. Es ist ruhig, nur meine Nachbarn sitzen leise auf ihrer Veranda, eine Cigarette später liege ich vor meinem offenen Fenster, der Nachtschlaf kann kommen. An der Wand hängt eine selbsgebastelte Muschelkette am blauen Band.