„Diamonds on the Water, music in the air“ singen die Oysterband und in der Tat kündigt sich der Sonnenuntergang mit der Spiegelung des Lichtes im Wasser an, wie eine Straße voller Diamanten auf der See.

Es ist ein nahezu irreales Spektakel, das sich jeden Abend vor meinen Augen hier offenbart. Ich sitze am Strand und staune mit offenem Mund, der Sonnenuntergang ist sicherlich einer, wenn nicht gar der Höhepunkt des Tages auf der Insel, die ich jeden Tag ein bisschen besser kennen lerne. Wie das so ist, wenn man länger an einem Ort verweilt, man dringt etwas tiefer in die Plätze ein, entdeckt neue und andere Orte Seien es kleine Lädchen, die doch immer andere Dinge anbieten, sei es eine andere Bucht. Heute war ich erstmals in der Monkey Bucht, die kleinste Bucht ganz im Norden. Um dort hin zu kommen rollert man den befestigten Weg bis zum Ende, eiert dann über die Sandpiste, bis es recht steil bergab geht und parkt den Roller dann auf einer Freifläche. Zu Fuß geht es dann in der Hitze einige Schritte durch einen Dschungelgarten bergab, man passiert das einzige Resort am Strand und erreicht den Strand.

Das Resort ist etwas größer als meines, einige Hütten stehen auf hohen Stelzen,, Urlauber sitzen auf Stühlen im Schatten, man kann einen Strandstuhl leihen, im Restaurant essen oder schlicht nur das Wasser betrachten. Einige Familien scheinen hier untergebracht zu sein, es geht etwas urlaubiger zu als bei „uns“. Ruhig ist es dennoch, bis mir Eon später erzählt, dass die Longtailboote hier durchtuckern. Ein Thai wirft eine Angel ins Wasser, ich trinke im Schatten einen Schluck Wasser und freue mich, als ich meinen Roller wieder erreiche.

Gerne würde ich einmal mit solch einem Longtail Boot fahren, aber sie verkehren zwischen Ko Payam und Ko Chang nur in der Hochsaison, jetzt müsste ich alleine eines Chartern, was wohl einiges zu teuer ist. Um nach Ko Chang zu gelangen, bietet sich, wer möchte, jetzt das Speed Boot an, welches auf dem Weg nach Ranong kurz auf der kleinen Insel stoppt. Eigentlich möchte ich mir Ko Chang gerne einmal ansehen, aber das Speedboot schreckt mich ab.

Nicht zuletzt, da das direkt Nachbarresort allem Anschein nach ein solches besitzt. Mr. Trip steht in großen Lettern darauf geschrieben, es liegt in der Nacht in der Bucht sehr nah am Strand vor Anker, das rote Warnlicht blinkt nervös. Tagsüber wird der Lack poliert und die Farbe ausgebessert, das elektrische Geräusch der Poliermaschine fräst sich in den Tag und will nicht so ganz mit dem Wellenklang und den Geräuschen der Natur korrespondieren. Wie das etwas zu helle Licht der Nachtbeleuchtung; es scheint, als residiere neben uns der einzige, der in einer Reihe von VW-Käfern seinen großen Mercedes parkt, dessen Pflege und Unterhalt etwas teurer und etwas lauter ist. Die Poliermaschine kreist.

Sobald die Sonne untergeht, laufe ich die paar Schritte zum Strand und tauche in die leichten Wellen ein, als das Farbenspiel beginnt. Es ist das schönste Licht des Abends, vom Wasser aus sehe ich die kleinen Muschellichter unserer überschaubaren Anlage.

Nachts kämpfe ich mit einer Ameisenarmee, die auf meiner Veranda einmarschiert ist und über meine Füße krabbelt. Ich fege sie über Bord, sie kommen wieder. Manchmal pickst es leise, irgendwann ist Ruhe. Am nächsten Morgen sind sie verschwunden. Zumindest von der Veranda, sie sind jetzt im Bad. Das ist etwas unglücklich, da sie genau dort entlang wandern, wo das Wasser bei Benutzung des Waschbeckens abläuft. Der Ameisentsunami spült die emsigen Tierchen den Abfluss hinunter. Sorry, aber es geht nicht anders.

Die Tage ähneln sich und sind doch so verschieden, die Himmelsbilder ähneln sich und sind doch so verschieden. Der Umzug in die Hütte am Strand brachte zwar einen fantastischen Blick auf das Meer mit sich, das Gartenleben aber spielt sich weiter hinten ab, so konnte ich seit Tagen außer meinem Mitbewohner keinen Gecko mehr entdecken. So hat jede Hütte einen eigenen Blick und einen eigenen Reiz. Ich genieße die nächtlichen Bewegungen und Töne des Meeres. Manchmal habe ich sogar wifi in meiner Hütte, für WhatsApp reicht es, ein komfortables Leben will ich meinen. Es macht vor allem die Kommunikation mit Pia leicht, die mir fehlt. An sie denkend, schlafe ich bei offenem Fenster ein.