Unter der Woche hatte ich ja noch überlegt, kurzfristig nach Ingolstadt zu fahren – da Pia aber arbeiten musste, blieb ich doch zuhause. Soll die Eintracht ohne mich klarkommen, in Gedanken bin ich ja eh bei ihr.

Sonntagmittag, eher zufällig fiel mein Blick auf die angesetzten Paarungen des 13. Spieltages, die Eintracht in Golstadt, 1860 beim MSV und Fortuna Düsseldorf beim FSV Frankfurt. Na sieh mal einer an, das könnte doch eine Idee sein. Und da ich in der Nacht zuvor ein wenig gelumpt hatte, kann frische Luft nicht schaden. Da es zudem draußen trocken war, schwang ich mich aufs Rad und radelte an der Eissporthalle vorbei Richtung Bornheimer Hang. Düsseldorfer strömten auf den Parkplatz, ab und zu auch ein Schwarzblauer und da ragten auch schon die Flutlichtmasten in die Höhe.

Die Stimmung war recht entspannt, ein paar Polizisten lungerten vorm Stadion herum, Fortunen und Bornheimer mengten sich und ich stellte mich ans Kassenhäuschen um wenig später für neun Euro ein Stehplatzticket in der Hand zu halten. Och jo, es kann ja alles schön werden. die Eintracht fidelt Ingolstadt ab, während tapfere Bornheimer Schützenhilfe leisten und Düsseldorf versenken. So habe ich es mir  gewünscht. Kam natürlich ganz anders, hätte ich mir aber auch denken können.

Außer mir entdeckte ich noch ein paar andere Eintrachtler, die wohl auf ähnliches gesetzt hatten, die Gästetribüne aber war gut gefüllt, später wurde die offizielle Zuschauerzahl mit 7.719 durchgegeben, davon sicherlich die Hälfte Fortunen, die sich mit dem Anpfiff lautstark bemerkbar machten. Auf Bornheimer Seite ging`s hingegen eher gemütlich zu, ein Vorsänger und ein Trommler mühten sich redlich – für einen Dauersingsang-Geplagten wie mich war die relative Stille eher eine Wohltat, wobei so ein bisschen Anfeuern, Gegnerbeschimpfen und Beimeckballpfeifen hätte es schon sein dürfen. Kaum jemand hat die Mannschaftsaufstellung mitgerufen und selbstverständlich war kein Gästespieler Herr Arschloch. Es gab während der gesamten 90 Minuten keine leise Huren, auch keine Hurensöhne – und ehrlich gesagt hat mir dabei auch nichts gefehlt. Und da die Düsseldorfer ebenfalls keine pubertäre Beschimpfungen vom Stapel ließen, sondern sich konsequent auf Support ihrer Mannschaft beschränkten, war die Stimmung ganz ordentlich.

Und dann macht der FSV tatsächlich das 1:0; Yelen hatte einen Freistoß über die Mauer und den Torhüter hinweg aus 18 Metern ins Netz geballert – während ich minütlich auf die Meldung der Eintracht-Führung wartete. Und als ich da so warte, schlupft Rösler aus zig Meter die Kugel zum Ausgleich ins Bornheimer Tor. Kaum hatte ich dies verkraftet, geht der FSV erneut in Führung, Chrisantus war`s diesmal gewesen. Immer noch 0:0 in Golstadt.

Die Zwoeins-Führung hatte auch zur Pause Bestand, das Nullnull allerdings auch. Ich schaute mich ein wenig um – und traf Hans, die gute Seele des Eintracht-Archivs, der gleichfalls die Gelegenheit genutzt hatte, den Bornheimern die Daumen zu drücken, derweil im Stadion ein Song von Thees Ullmann gespielt wurde; Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf; so etwas findet natürlich meinen Beifall. Zweite Halbzeit, auf geht’s Eintracht, schieß ein Tor.

Beim FSV unten kickten mit Huber, Klandt und Stark drei ehemalige Eintrachtler und die zogen sich bislang ganz ordentlich aus der Atmosphäre (Edgar Endress). Manchmal schien Schiedsrichter Cortus Freude am Spiel zu haben, er ließ es laufen, wo ein anderer gepfiffen hätte – so auch bei einem Foul im Strafraum der Fortuna. Wenig später lag Rösler im Sechzehner des FSV und diesmal entschied Cortus – wohl zu Recht – auf Strafstoß. Der gefoulte schnappte sich die Kugel und ballerte sie humorlos zum Ausgleich ins Netz. Dies freute natürlich den Düsseldorfer Anhang.

Fortan übernahm die Fortuna immer mehr die Initiative und folgerichtig ging sie mit 3:2 in Führung – und hatte damit die Eintracht überholt. Der FSV fand kaum noch ins Spiel zurück, während 1860 mittlerweile mit 2:0 in Duisburg führte. Bei der Eintracht hatte sich noch immer nichts getan. Düsseldorf konterte und erhöhte auf 4:2 und dann fiel auch das Tor in Golstadt – allerdings nicht für die Eintracht. Düstere Wolken zogen in Bornheim auf, die Fortuna traf zum 5:2 – ein Ergebnis, welches bis zum Ende Bestand hatte. Gedanklich verfluchte ich die Eintracht, die sich mal wieder beim Tabellenletzten das Fell über die Ohren ziehen ließ, während die Konkurrenz um den Aufstieg vor meinen Augen fünf Tore erzielt hatte.

Ich marschierte übellaunig zum Fahrrad und schob mich durch die abmarschierende Menge. Plötzlich klingelte mein Telefon – Pia war dran und sie teilte mir mit, dass die Eintracht doch noch den Ausgleich geschafft hatte – in der 96. Minute. Puh, immerhin. Da sah die Welt dann doch schon ein bisschen besser aus. Ich nahm meine Verwünschungen zur Hälfte zurück und radelte über die Berger Straße ins Nordend. Dort las ich dann, dass Gekas von Beginn an gespielt hatte. Leise schimpfend fuhr ich den Computer hoch und begann zu tippen, im Hintergrund sang Thees Ullmann …