We can be Heroes just for one day. Ein Satz für die Ewigkeit; selten hat es weniger Worte für grundlegende Weisheiten gebraucht, als für David Bowies legendäres Zitat. Erstmals das Licht der Welt erblickte Heroes 1977 auf der gleichnamigen Platte, aufgenommen, wie der Vorgänger Low in Berlin. Schon kurz nach Erscheinen entwickelte sich Heroes zu einem der bekanntesten Stücke des Chamäleons der Popmusik und nicht unwesentlichen Anteil daran hatte in Deutschland der Soundtrack zum Film Christiane F. aus dem Jahr 1981.

Schon als ich ein Milchbart war, hatte mich David Bowie bzw dessen Musik schwer beeindruckt; ich glaube, die erste Berührung hatte ich 1977 im Alten Eiscafé in Dietzenbach. Das Taschengeld ging damals vorwiegend für Schallplatten und Spaghettieis drauf – und wanderte in die dortige Jukebox. Vor allem an zwei Titel kann ich mich erinnern, die von uns regelmäßig angewählt wurden. Der eine stammte von der Climax Blues Band, Couldn’t get it right und der andere war Bowies Sound and Vision. Die Singles plumpsten auf den Plattenteller und die Nadel schrappte über die kleinen Scheiben, immer und immer wieder. Ich pubertierte, die Pickel waren größer als die Träume und keine Ahnung hatte ich, wovon die Herren sangen; es war auch völlig egal, es waren meine Lieder. Natürlich hatte ich noch jede Menge anderer Lieder zur damaligen Zeit, in der der Einfluss der Hitparade mit Dieter Thomas Heck vorwiegend durch drei andere Instanzen abgelöst wurde. Die eine war schon seit geraumer Zeit disco mit Ilja Richter, genau: Licht aus, Spot an, die andere war die Hitparade International mit Werner Reincke donnerstag abends auf HR1 mit dem Schnelldurchlauf – ein Wort, das bis heute wie 1976 riecht und das dritte war Pop nach Acht auf Bayern 3 mit Thomas Gottschalk. Und das Dietzenbacher Eiscafé. Der Weg führte über Barry Ryan und Smokie mittenmang zur echten Musik. Uriah Heep, Jethro Tull, Deep Purple oder David Bowie. Ich war Erwachsen. Nunja, fast – mit 13 Jahren.

Fußball; Freunde, Schallplatten – das war mein Leben, der Kampf mit Schule und den Eltern und dem weiblichen Geschlecht die Herausforderung. 1978 erschien als Vorabdruck im Stern die Geschichte der Christiane F. – eine Welt, die ich so bislang noch nicht kannte; Junkies und schmutziger Sex und der Tod dazu; dem allerdings war ich schon begegnet, als beide Großväter binnen 15 Monate starben und die Welt eine andere war. Irgendwie war ich auch ein bisschen ein Kind vom Bahnof Zoo. Zumindest im Kopf.

Ich glaube Heroes war die erste Platte, die ich mir von David Bowie kaufte, später hat sie ein Klassenkamerad im Bus liegen lassen und ich bekam dafür Uriah Heep Live. Auch nicht schlecht, war immerhin eine Doppel LP – aber eben nicht die Heroes, die jedoch schon längst auf Cassette überspielt und damit ständig verfügbar war.

Über Christiane F.s Geschichte kam ich erstmals mit dem Mythos Berlin in Berührung, die Discothek Sound, die eine zentrale Rolle im Leben Christianes spielte, schien ein magischer Ort und den Soundtrack dazu kannte ich schon – We can be Heroes, just for one day. Als ich 1981 auf Klassenfahrt in Berlin weilte, ging die gesamte Schule auf Exkursion; mit ein paar Kameraden setzten wir uns ab und steuerten das Sound an. Zittriger Hand nahm ich den Eintrittsstempel entgegen, den man erst unter UV-Licht wahrnehmen konnte – DAS war die große Welt. Ich war 16 und wir hingen ein paar Stunden sinnlos rum, ob Heroes gespielt wurde, weiß ich gar nicht mehr – aber es war einer der ersten großen Momente des Erwachsenwerdens. Im Sound. In Berlin.

Im Stern erschien nach Christiane F. noch ein weiterer Vorabdruck eines Buches, welches ein ähnliches Kaliber aufwies, die Geschichte von Andi Z, der von einem älteren Herrn einfach so erschossen wurde. Andi war Heimkind, kein braves, älter als ich und bezahlte mit seinem Leben, weil ein Spießer durchdrehte. Ich war auch kein Braver, nicht ganz so unbrav wie Andi und die Spießer waren neben den Kaufhausdetektiven die ärgsten Feinde. In dem Zusammenhang fällt mir auch noch Die große Flatter ein, ein großartiger Film über zwei Jungs, die vom Leben mehr wollten, als einfach nur älter werden. Richy Müller spielte Richy und Jochen Schröder spielte Schocker – beide so ne Art ältere Brüder, die ich nie hatte. Und natürlich nahm die Geschichte um Richy und Schocker keinen allzu glücklichen Ausgang. Später gab’s das Ende aller Illusionen, als Jochen Schröder in der Rolle des Krankenpfleger Mischa in der Schwarzwaldklinik als Bettvorleger endete. Richy war bestimmt schon tot. War eh wilder als Mischa.

Heroes aber war immer dabei, später an der Uni tanzten wir zu den heißesten Scheiben von New Model Army oder Anne Clark – doch als Bowie aufgelegt wurde, schien die Welt für Minuten magisch. Ska, Punk, Indie, Grunge, Techno, Drum’n’Bass, House, die Trends kamen und gingen – David Bowie aber blieb und mit ihm seine Helden für einen Tag, die er sogar auf deutsch besungen hat. Einmal aber hat er mich bitterlich enttäuscht – es muss 1996 gewesen sein. Für sündhaft teuer Geld kaufte ich mir ein Ticket für die Festhalle und freute mich tierisch auf das Konzert zur Platte Outside, mit dem Opener des Films Lost Highway, I’m deranged. Es war Bowies elektronische Phase und er spielte selbst Klassiker in einem seltsamen elektronischen Gewand. Nur Heroes, das spielte er nicht. Und darauf hatte ich nun 20 Jahre gewartet. Scheiße.

Ihr habt es besser, hier kommt Heroes vom gleichnamigen Album in voller Länge.


David Bowie – Heroes

I, I will be king
And you, you will be queen
Though nothing will drive them away
We can beat them, just for one day
We can be Heroes, just for one day

And you, you can be mean
And I, I’ll drink all the time
‚Cause we’re lovers, and that is a fact
Yes we’re lovers, and that is that

Though nothing, will keep us together
We could steal time, just for one day
We can be Heroes, for ever and ever
What d’you say?

I, I wish you could swim
Like the dolphins, like dolphins can swim
Though nothing, nothing will keep us together
We can beat them, for ever and ever
Oh we can be Heroes, just for one day

I, I will be king
And you, you will be queen
Though nothing will drive them away
We can be Heroes, just for one day
We can be us, just for one day

I, I can remember (I remember)
Standing, by the wall (by the wall)
And the guns, shot above our heads (over our heads)
And we kissed, as though nothing could fall (nothing could fall)
And the shame, was on the other side
Oh we can beat them, for ever and ever
Then we could be Heroes, just for one day

We can be Heroes
We can be Heroes
We can be Heroes
Just for one day
We can be Heroes

We’re nothing, and nothing will help us
Maybe we’re lying, then you better not stay
But we could be safer, just for one day

Und nun: Nach dreißig Sekunden Vorlauf: Sechs Minuten Musik für die Ewigkeit: Film ab:

Soundtrack meines Lebens; bislang erschienen:

1971 – Barry Ryan – Zeit macht nur vor dem Teufel halt
2004 – Gayatri Mantra
1992 – And Also The Trees – Red Valentino

1977 – David Bowie – Heroes