Vor ziemlich genau zwanzig Jahren wurde ich durch einen Song auf dem Romantic Sound Sampler III auf eine Band aufmerksam, die seit 1979 existiert und mich bis heute in ihren Bann gezogen hat; And Also The Trees. Auf dem Sampler präsentierte die Truppe um das Brüderpaar Simon Huw und Justin Jones das Lied Anchor Yard. Und da hätten wir auch schon den ersten Kandidaten für den Soundtrack meines Lebens, doch gemach.  Bei keiner anderen Band, fällt es mir dermaßen schwer, einen einzigen Titel für die Reihe auszuwählen. Natürlich kaufte ich mich seinerzeit die bisherigen Platten – und erlebte, wie diese es mit Ausnahme der allerersten durchgehend schafften, mich der Jetztzeit zu entheben – zumindest für Momente. Wessen Kopf dauernd rast, immerzu denkt, der weiß, was dies bedeutet. Unvergessen eine Autofahrt durch den verschneiten Odenwald, weiße Landstraßen, gedämpfte Stille außen und die Musik dazu. And there where no bounds, Jack, Shantell, Shaletown, Slow Pulse Boy – scheinbar aus der Zeit gefallen trafen die Lieder einen Nerv, der sich nach der illusionären Schönheit des Vergangenen sehnt und doch nicht lamentiert. 1992 erschien das Album Green is the sea und mit ihm weitere Klassiker der Bandgeschichte; Red Valentino, Jacob Fleet, The Dust Sailor, The Fruit Room, melancholisch schöne Lieder, die ohne in selbstzerstörerische Verzweiflung abzugleiten zeitlos erscheinen. Für mich der Beginn wieder mit dem Produzieren von Literatur zu beginnen, während des Studiums der Germanistik hatte mich die Lust dazu verlassen.

Jahre später als wir im Rahmen des Eintracht-Forums eine CD für uns zusammen stellten, wählte ich aus einer endlos langen Liste von Songs Jacob Fleet aus, obgleich ich bis heute nicht genau weiß, wie ich den Text zu deuten habe. Im Laufe der Jahre sind noch einige Alben dazu gekommen, The Klaxon mit dem wunderbaren Dialogue, Silver Soul mit The Cyclone oder Further From The Truth mit The Willow oder 21st York Street. Auf (Listen for) The Rag And Bone Man sind meine Lieblinge Domed oder Stay Away From The Accordeon Girl, genug Material also für den Soundtrack meines Lebens.

Die Konzerte von And Also The Trees im Frankfurter Raum fanden während der Jahre fast immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt; egal ob in der Batschkapp, im Sinkkasten, KUZ Mainz oder im Nachtleben – nur wenige fanden sich ein, um sich live verzaubern zu lassen. Das war für die Band sicherlich schade, für den Besucher aber, der genügend Raum zur Verfügung hatte aber war dies gar nicht mal schlecht. Die Intensität der Musik wirkte, ohne dass ein Rempler, Gequassel oder Bewegung dich in die Realität zurück holen konnte. Um so erstaunter war ich vor ein paar Tagen, als das Konzert der Trees im Frankfurter Bett nahezu ausverkauft war, obgleich seit der fast menschenleeren Veranstaltung im Nachtleben 2009 nichts Spektakuläres geschehen war.

Für die Band ist dies natürlich großartig, für denjenigen, der sich der Musik hingeben möchte allerdings ist eine Menschenmenge natürlich so eine Sache – vor allem in Zeiten mobilen Fotografierens. Ich selbst machte einige Bilder zu Beginn und packte dann die Kamera weg, dennoch hatte ich permanent ein Handy vor dem Gesicht. Der Sänger beugte sich über die Bühne, intensiv seine Arbeit und selbst diese besonderen Momente wurden distanzlos eingefangen; Blitze zuckten und jederzeit verhinderte ein kleiner bunter Monitor das Einlassen auf die Musik, verhinderte das Verschmelzen mit dem Dargebotenen, das für mich all die Jahre wesentlicher Bestandteil der Konzerte gewesen ist. Zu allem Überfluss verhinderte penetranter Schweißgeruch in meiner unmittelbaren Nähe das Abgleiten bei geschlossenen Augen, just als ich die Welt vergessen wollte, kroch diese in meine Nase und holte mich zurück in ihre Wirklichkeit. Selig die Tage als Rauch dies verhindern konnte. Dennoch ist das Bett ein toller Veranstaltungsort.

Am Rande saß ich dann, starrte auf Publikum und Band und auf einmal war alles normal. Ich trank ein Bier, dachte an die Vergänglichkeit alles Irdischen und daran, dass das Besondere eben das Besondere ist, nicht wiederholbar und wenn doch, dann bleibt die Dankbarkeit dafür.

Für euch aber gibt es jetzt den Song Red Valentino von einer Band, die mit Fug und Recht beanspruchen darf, meine Lieblingsband zu sein. Lieblingsband – ein tolles Wort, vor allem in meinem Alter. In my stone solemn head. I chase the paradise. Gute Reise.

And Also The Trees – Red Valentino

In my stone solemn head
I chase the paradise
Beyond the streets
where my eyes cannot reach,
I follow you
Past the neon sign
Red Valentino
In sick heart paradise,
Red Valentino
How I could reel to your music
Red Valentino

In my stone solemn head
I chase the paradise
You bend and sway
Through mirror-hall wheel-arches
Down the chrome parades.
You know the truth
Of the errant night
Red Valentino
In sick heart paradise
Red Valentino
How I could reel to your music
Red Valentino

In my stone solemn head
I chase the paradise,
The velvet dark soft beating of your heart.
I follow you
Through the shameless night
Red Valentino
In sick heart paradise,
Red Valentino
How I could reel to your music
Red Valentino

In my stone solemn head
I chase the paradise, I see the trains
And wonder where they go
And from where they came
I see them come and I see them go
But the light still flashes
Red Valentino
I see you in your shark suit
With your high collar high
Switchblade paradise

And all I feel are the veils of rain on my face
Switchblade paradise
And the veils of rain on my face
I follow you
Past the neon sign
Red Valentino
In sick heart paradise
Red Valentino
How I could reel to your music
Red Valentino

Soundtrack meines Lebens; bislang erschienen:

1971 – Barry Ryan – Zeit macht nur vor dem Teufel halt

2004 – Gayatri Mantra
1992 – And Also The Trees – Red Valentino