Neulich wies mich der User BHF1/4 auf die Currybude Taunus 25 hin, die ich bis dato gar nicht kannte. Gelegen dort, wo Frankfurt am widersprüchlichsten scheint, im Bahnhofsviertel.  War noch vor einigen Jahren die Kaiserstraße der Inbegriff des Verruchten, so haben sich mit den Tagen die Banken ins Viertel gefräßt und dazu ein Wochenmarkt etabliert, dass  hier der Mercedes der Nitribitt nur bedingt auffallen würde. Parallel verläuft die ausgestoßene Schwester, die Taunusstraße. Bevölkert von Buden und Bordellen, von Junks und leichten Mädchen verbreitet die Taunusstraße noch immer das Flair, das bis in die Neunziger hinein ein Raunen verursachte, wenn man das Frankfurter Bahnhofsviertel auch nur erwähnte. Verewigt im Fußball-Schlachtruf Nutten, Crack und Spielautomaten.

Curry Taunus 25 Hot & Spicy verkündet die Reklame. Zwei Stehtische warten auf uns, denn ich habe Pia in der Mittagspause abgeholt. Der Blick Richtung Stadtmitte zeigt die Altbauten auf der Taunusstraße und wandert an der ehemaligen Dresdner Bank und dem Skyper nach oben. Blauer Himmel. Nebenan vor der Pizzeria hocken die Crackjunkies auf dem Boden, ich ordere bei der freundlichen Bedienung eine Rindscurry mit Pommes, dazu ein Spezi und bezahle insgesamt 5,80 – ein klassischer Preis für ein klassisches Gedeck. Optional kann ich den Schärfegrad auf einer Skala zwischen 1 und 10 wählen. Auf meinen Hinweis, dass ich zwar gerne scharf esse, aber vom Rest der Wurst durchaus etwas spüren möchte, empfiehlt die Bedienung Schärfegrad 1. Dazu gibt es Zwiebel auf die Pommes. Ich finde ja den Popanz mit den Schärfegraden völlig überflüssig. Scharf oder nicht scharf, mehr braucht es eigentlich nicht. Brot hätte ich haben können, lehne ich aber dankend ab. Ihr wisst: Es ist das Brötchen, dass die Sache abrundet und nicht das Brot. Best-Worscht-Habitus allenthalben

Wenig später ist die Wurst fertig. Sie lagert kleingeschnitten in einem Pappschälchen neben den Pommes, eine Serviette und einen Holzpiecker gibt’s dazu. Ungewöhnlich sind kleine Zwiebelchen in der Soße, aber der erste Blick ist ok, die Menge überschaubar. Nebenan plaudern die Crackies.

Die Pommes sind kräftig, vernünftig gewürzt und frisch, da kann ich nicht meckern. Die Wurst ist durchgebraten, schmeckt aber durch die wohl selbstgemachte Soße durch – und das gar nicht mal schlecht. Die Soße wiederum ist leicht scharf, aber nicht beißend – strenger muss es nicht sein; der Hinweis war also goldrichtig. Einmal habe ich zwei Stückchen Wurst aneinander hängen, diese mit dem Piecker zu trennen ist nicht einfach. Während ich achtgebe, mein Hemd nicht zu versauen, hält ein Polizeiauto am Straßenrand. Einer der Crackies hat seine Pfeife noch in der Hand, auf dem Boden liegt ein Crack-Steinchen, das von einem der Polizisten in ein Tütchen gepackt wird. Die Stimmung ist insgesamt gelassen, auch als die Personalien aufgenommen werden, Alltag in Frankfurt.

Ich futter meine Wurst, die mit der Soße und den Pommes harmoniert. Es ist alles da, was man von einer Currywurst erwarten kann – es ragt aber auch nichts heraus. Der VW Golf unter den Curry-Würstchen sozusagen

Fazit: Wer im Bahnhofsviertel Lust auf eine Currywurst hat, kann bedenkenlos zu Curry Taunus 25 marschieren – und sogar eine Lammcurrywurst ordern. Ein wenig Luft nach oben ist noch – aber weitaus mehr nach unten, so dass im Bahnhofsviertel lässig

3,5 von 5 Cupos

vergeben werden. Das ist in diesem Falle prima und völlig verdient; Erlebnisfaktor inklusive. Auffällig bei allen bisherigen Tests ist, dass alle Bedienungen bislang, ob alt ob jung, ob Männlein ob Weiblein, ungezwungen freundlich waren. Das ist nicht selbstverständlich und verdient mal ein Sonderlob. Vielen Dank.

Hier gibt es die anderen Tests.

Mahlzeit.