Ein Sammelsurium aus dem angebrochenen Leben

Der große Frankfurter Currywurst-Test: Heute: Teil IV – Worscht Company – Schwanthaler Str. 38

Die Sonne lacht, es ist ein schöner Tag, Zeit für einen Ausflug – über den Main hinweg nach Sachsenhausen. Im Museumspark flammender Protest der Freunde des Museumsparks gegen die geplante Abholzung von vierzig Bäumen zu Gunsten eines überdimensionalen Museumsneubaus; dahinter verläuft die Schweizer Straße – und liegt im Schatten. Kurz hinter dem Schweizer Platz – oder vor, je nachdem woher man kommt, überquert die Schwanthaler Straße die Schweizer. Altbauten reihen sich dicht an dicht, früher gab es hier an der Ecke Stegstraße das Cafe Gaggia – eine Oase der Langhaarigen, heute bietet dort eine Versicherung ihre Dienste an. Kurz vor Ecke zur Schweizer, der hochmütigen aber in die Jahre gekommenen Diva der Stadt, hat sich die Worscht Company etabliert.  Auch hier dreht sich alles um die Currywurst, oder besser Worscht. Sichtbar das Bemühen, originell zu sein – und deutlich sichtbar auch die Anlehnung an das große Vorbild von Best Worscht in Town. Sowohl in den Begrifflichkeiten, als auch im Angebot und der Inszenierung kopiert die Worscht Company deutlich das Konzept des Imbisses am Grüneburgpark, der mittlerweile als Franchiseunternehmen fungiert. Auf der Speisekarte ist von Scoville die Rede – und wenn ein Bude mit wahnwitzigen Schärfegraden und entsprechenden Events punkten will, geht dies meist auf Kosten der Wurst. Der erste Eindruck: sagt mir: Das ist alles nur geklaut.

Der junge Mann, der uns aus dem Fenster heraus bedient ist freundlich und hat ne Menge zu tun; eine Order folgt der nächsten. Ich bestelle eine Rindscurry mit Pommes. Brat oder Rind kommt die Nachfrage gewohnheitsmäßig und ich präzisiere Rind. Wir warten eine zeitlang bis wir unsere Bestellung erneut konkretisieren können: Die Pommes, ich nehme sie mit Ketchup und Zwiebeln, Pia mit Mayo, die Currwurst ein bisschen scharf antworten wir auf Nachfrage. Das Gesamtangebot lautet Worscht-Pack, beinhaltet eine Currywurst mit Pommes rotweiß (Pommes Schranke heißt das hier, was ich ungefähr so originell finde, wie das Wort Äppler, nämlich gar nicht) sowie ein Kaltgetränk und kostet 6,20 Euro. Beim Original Snack Point heißt das Snackers-Combo und kostet 50 Cent weniger.

Das Gericht kommt ökologisch fragwürdig auf einem Pappteller dazu gibt es ein Plastikgäbelchen, wer möchte kann auch Bauernbrot dazu haben. Wie beim Original gibt es auch hier keine Brötchen, die für mich zu einer Currywurst ohne Pommes zwingend dazu gehören, obgleich so eine Scheibe Bauernbrot sicher etwas feines ist.

Die Portion ist nicht gigantisch aber ausreichend; die Wurst ist sauber geschnitten und frisch ohne Liegeverhärtung. Die Pommes sind ebenso wie die Wurst perfekt in der Hitze, handwerklich kann man nicht meckern. Die Soße für die Currywurst scheint mir aus erhitzem Ketchup zu bestehen, darauf wird ein Curry gestreut und ein Pulver zwecks Schärfung. Das Curry ist lecker, insgesamt ist mir die Wurst aber für ein bisschen zu scharf – und der Ketchup schmeckt mir zu säuerlich, der Geschmack der Wurst ist nur zu erahnen, vor allem in Verbindung mit Gewürz, und Ketchup. Die Pommes sind lecker, die Zwiebelchen sind das I-Tüpfelchen, sollte es mich wieder hierher verschlagen, würde ich sie ohne Ketchup nehmen. Die Fritten.

Fazit: Das Konzept und die Inszenierung von Best Worscht ist bis ins Detail (Pommes ohne Soße heißen Pommes naggisch, Bauernbrot, Schärfeorgien) kopiert. Dafür ist das Menü 50 Cent teurer als beim Original, immerhin gibt es aber einen Schüler-Pack, der den Nachwuchs günstiger kommt; 5,30 werden dann fällig. Die Bedienung ist freundlich und beherrscht ihr Handwerk, lässt sich auch durch Sonderwünsche wie bei der Kundin vor mir nicht aus dem Konzept bringen. Die Pommes sind vielleicht nicht die Nummer 1 in Frankfurt, wie ein Zettel am Fenster verkündet, aber sicherlich prima. Die Wurst aber war geschmacklich nicht zu verifizieren, zu stark dominierte der Ketchup, der mir nicht wirklich schmeckte, da konnte auch das hervorragende Curry nichts mehr rausreißen. Da die handwerklichen Voraussetzungen stimmten, gibt es für die Worscht Company

3 von 5 Cupos

und der Hinweis, dass ich eine originelle Idee mehr schätze als eine Kopie, die hier immerhin besser abschneidet als das Original – was jedoch auch auf die Tagesform zurückzuführen ist.

Wenn ihr über dem Artikel auf die Kategorie Currytest klickt, dann folgen alle Test hintereinander und ihr könnt in Ruhe vergleichen.

Mahlzeit.

13 Kommentare

  1. Aabeemick

    Schon Wahnsinn, wie dreist das geklaut ist.
    Habe neulich in der Nähe der Zeil mal Werbung für gesehen
    und dachte zuerst, dass „Best Worscht in Town“ ne neue
    Zweigstelle in Sachsenhausen eröffnet hat.
    Aber Pommes mit rohen Zwiebeln (ich nehme noch Mayo dazu)
    ist schon was feines, hätte ich vorher gar nicht gedacht,
    dass das so passt.

  2. pia

    also, ich hatte ja ne bratcurry, kann das mit dem ketchup ebenfalls bestätigen. die pommes fand ich lecker. vielleicht auch nur deswegen, weil sie die nummer 1 in frankfurt und gar die nummer 2 in deutschland sein sollen!?
    optisch gesehen, finde ich das foto in diesem test am ansprechendsten bisher (vom pappteller mal abgesehen). das kann man sehr schön vergleichen, wenn man auf den link „Currytest“ im beitrag oben klickt.

  3. rotundschwarz

    Als ich den Titel der heutigen Henni Nachtsheim-Kolumne gelesen hab (= „Master of Worscht“) dacht ich ja erst: Der Mann schreibt über Beve *g

    Mir sind ja Wurst-„Buden“ mit lustigen Namen von vornherein eher ein bisschen suspekt. „Best Worscht“ und „Worscht Company“ – geht – ähnlich wie „Back Factory“ oder so was – eigentlich ja gar nicht. Wie schlicht und freundlich klingt dagegen doch „Bratwurst Walter“ oder „Meiers Imbiss“ (sogar dann, wenn es „Meier’s“ geschrieben ist ,-).

    Fast noch besser als die geschmacklichen Feinheiten und Nuancen zur Unterscheidung der Worscht-Qualität, gefällt mir bei deiner Currywurst-Reihe übrigens die Einbettung der jeweiligen Wurst-Stationen ins Frankfurter Umfeld – gerne mehr davon!!

    @Aabemick: Pommes mit Zwiebeln klingen für mich nach wie vor befremdlich – aber ihr habt mich überzeugt: Nächstes Mal probier ich’s!

  4. Achim

    Verdammt, da kommt man nach 12 Stunden von der Arbeit. Liest sich hier ein wenig durch und möchte direkt wieder losfahren weil man automatisch Hunger bekommt. :)
    Wenn ich mal ein wenig Zeit habe drucke ich den Currytest aus und mache eine Curryworschttour durch Frankfurt.
    Danke für diesen nächsten Test.
    Gruß Achim

  5. Ergänzungsspieler

    ahhhh – ein neuer Test. Vielen Dank. Livestyle – und dann auch noch geklaut. Kernprodukt sollte doch ansich die Wurst sein. Wenn man die noch nichtmal rausschmecken kann ist das doch albern. Trägermasse für überwürzten aufgewärmten Ketschup-

  6. Sebastian

    So schade es auch ist: Ich habe in Frankfurt bis heute nur mittelmäßige Currywürste gegessen. Da war wirklich keine dabei, bei der man sagen konnte, dass sie etwas Einzigartiges wäre. Die Qualität steht und fällt mit der Sauce. Da ist es für mich höchst unverständlich, warum bis heute jede Currywurstbude einfach billigen, erwärmten Ketchup nimmt, und diesen mit etwas Currypulver „veredelt“. Dabei ist es doch gar nicht so schwer, eine gute und schmackhafte Currysauce herzustellen.

    Meine beste Currywurst habe ich übrigens in Düsseldorf gegessen. Die gibt es im „Curry“ im Medienhafen (http://www.qype.com/place/42241-CURRY-Duesseldorf). Das ist aber schon ein paar Jahre her. Sollte also einer von Euch dort mal vorbeikommen, würde ich mich freuen, wenn er/sie kurz seine Meinung mitteilt.

  7. Andy

    Tja, in der Tat ist die „Buden“-Philosophie leider nur eine Kopie von Lars. Dafür alles etwas langsamer und, wenn die Schule Pause oder fertig ist, einen noch größere Geduldsprobe als zur Mittagszeit im Grüneburgweg. Den Schweizer-Straßen-Preisaufschlag, hast Du ja erwähnt.

    Ich bin allerdings Stammgast dort, da mein Büro kaum 5 Minuten entfernt ist. Wenn ich dann, für rund 7 Euro die doppelte Wurst und ein Kaltgetränk verdrückt habe und von der Mittagspause kommend die Tafel-Angebote am Gemalten Haus sehe, was ich fürs selbe Geld hätte essen können, denkt man schon, wie blöd man eigentlich is(s)t. Aber ich steh dazu… ;-)

  8. Beve

    jaja, die eventbuden – und dann auch noch geklaut und teuer. pommes und zwiebeln ist was feines, haben für mich damals die jugoslawen erfunden – da gabs aber immer noch ajvar zu cevapcici.

    ich bin mal gespannt, wo es mich noch hintreibt und halte euch auf dem laufenden.

    viele grüße

    beve

  9. Schnellinger

    Das wunderbare Wort „Liegeverhärtung der Wurst“, das mir hier in der Testreihe nun schon zum zweiten Mal begegnet, hat es mir ja echt angetan.:-)
    Das klingt wie aus einem medizinischen Bulletäng der Eintracht:
    „$RANDOMSCHLAPPEKICKER hat sich eine Liegeverhärtung in $KÖRPERTEIL zugezogen und droht 6 Wochen/bis Saisonende/Immer auszufallen. Sie wird zunächst konventionell behandelt.“;-)

  10. Fritsch

    Zwiebeln ist eigentlich ein Muss. Klingt modern & nach Event, ist aber old-school. Herrlich. Danke, Beve.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen,
    Fritsch.

  11. Beve

    Die Liegeverhärtung, wer kennt sie nicht. Ein Graus.
    Genau Fritsch: Oldschool. Früher gab es ja sonst nüscht.

  12. BHF1/4

    Eine weitere Bude, die ich zum Testen vorschlagen möchte: Curry 25 (oder 26?) in der Taunusstr. 25 (oder eben 26).

  13. Beve

    Das kenne ich auch nicht – aber im Bahnhofsviertel kann man sich immer mal rumtreiben. Danke für den Tipp und

    viele Grüße

    Beve

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