Über 40 Jahre lang war er bei der Eintracht, erlebte 23 Trainer und Hunderte von Spielern – und hat sogar seinen eigenen Fanclub. Toni Hübler.  In Ungarn geboren aber im Alter von sieben Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland ausgewandert, erzählte im Museum der Eintracht freimütig aus seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt. Der Vorraum war proppenvoll, Eintracht-Reporter-Legende Wolfgang Avenarius war ebenso erschienen, wie der langjährige Eintrachtfan und Riederwald-Architekt Karl Heinz Fleckenstein samt Gattin oder der Vorsitzende des Fördervereins des Museums, Hans-Peter Griesheimer. Natürlich waren auch Mitglieder des Fanclubs Kommando Anton Hübler zu Gast; auch Eintracht-Onlive-Archivar Frank Gotta schaute vorbei und mit ihm der Mann für alle Geschichten, Kid Klappergass. Und als Toni Hübler zu erzählen begann, zog er alle in seinen Bann.

Begonnen hatte alles 1954, das Arbeitsamt in Langen hatte zwar keine Arbeit für den gelernten Gärtner, der in Urberach wohnte, aber einen guten Rat: Versuchen sie es doch mal in Frankfurt. Und so stellte sich Toni auch beim Arbeitsamt in Frankfurt vor. Und wie es das Schicksal wollte, standen zwei Mitarbeiter des Amtes auch als Kassierer in Diensten der Frankfurter Eintracht und diese wussten vom Vorsitzenden des Spielausschusses Balles, dass der Verein für sein nagelneues Vereinsgelände einen Gärtner suchte. Da kam ihnen der gebürtige Ungar gerade recht. Schon Tags drauf macht sich Toni erneut auf den Weg in die große Stadt. Da er zu spät dran war, musste er sein Ticket im Zug lösen – und darob sogar Strafe zahlen. Dadurch war seine Barschaft aufgebraucht – und er musste in Frankfurt angekommen zu Fuß zur Eintracht marschieren. Der ehemalige Handballer ließ sich am Schauspiel von einem Passanten den Weg erklären und marschierte schnurstracks über die Mainbrücke durch Sachsenhausen ins … Waldstadion. Dort angekommen klärten ihn Mitarbeiter ob des Missverständnisses auf und schickten ihn erneut durch die Stadt, diesmal zur Heimat der Eintracht, zum Riederwald. Stunden später kam er dort an – und hatte Glück, dass der Vorsitzende des Platzausschusses Fritz Becker ob des schönen Wetters noch auf dem Sportplatz weilte. Er verabredete sich mit Toni für den nächsten Tag zu einem Vorstellungsgespräch, Toni kam pünktlich, überzeugte und erhielt einen achtwöchigen Probevertrag, der nach sechs Wochen in einen Arbeitsvertag umgewandelt wurde. „Weil ich fleissig war … und scheinbar gut“.

Der Riederwald war noch Jahre nach seiner Eröffnung 1952 eine Baustelle, die Umkleidekabinen waren noch nicht richtig ausgebaut – doch für den jungen Gärtner war der Riederwald seinerzeit ein Prachtbau. Doch nicht alles lief reibungslos, so auch beim Spiel gegen den großen 1.FC Kaiserslautern mit den Weltmeistern Walter oder Eckel. Menschenmassen drängten sich noch vor den Kassenhäuschen obgleich das Stadion schon recht gut gefüllt war – um eine Panik zu verhindern, ließ Hübler die Tore öffnen und die Fußballfans strömten hinein, verteilten sich auf der Aschenbahn und konnten das Spiel unversehrt anschauen. Später gastierte auch die Amateurnationalmannschaft am Riederwald – unter den Zuschauern auch Bundestrainer Sepp Herrberger, der nach einer Weile zu Toni meinte: „Ich hab kalde Fieß“. „Da müsse mer was mache“ erwiderte Hübler und führte den Bundestrainer zu einem Raum mit Heizung, woran er die Füße erwärmen konnte.

Den ersten Trainer der Eintracht, den Toni Hübler erlebte war Kurt Windmann. Eines Tages kam dieser zu ihm und fragte, ob er am einzigen Telefon am Riederwald einen Zettel weggenommen habe, was Toni verneinte. Da auch dessen direkter Vorgesetzter, der Herr Donges, den Zettel nicht gesehen haben wollte, war dem Trainer gar nicht wohl, schließlich handelte es sich um dessen Lohnzettel. Doch als sich kurz darauf  Tonis Vorgesetzter Donges an Fritz Becker mit dem Hinweis wandt, dass es ja ungerecht sei, wenn er, der Tag für Tag am Riederwald arbeitet nur 450 Mark verdienen würde, während der Trainer, der nur an zwei Tagen die Woche anwesend ist 1800 Mark bekommt, platzte die Bombe. Kollege Donges musste sich einen neuen Job suchen, während Hübler die Frage, ob er sich von nun an die Verantwortung für das Gelände zutrauen würde mit einem glasklaren „Ja“ beantwortete.

Fortan war Hübler der Herr über die Sportanlage, pflanzte die wasserziehenden Pappeln gegen die Versumpfung und pflegte den Rasen der beiden damals vorhandenen Spielfelder.

Doch Hübler war nicht nur Gärtner. Er wurde Chauffeur und durfte den langjährigen Präsidenten Rudolf Gramlich in dessen Lincoln chauffieren, er wurde Mädchen für alles, hörte sich die Sorgen und Nöte der Akteure an und erhielt 1963 sogar einen Profivertrag. Als Zeugwart. Mit Gründung der Bundesliga war Toni Hübler  vom ersten Tag an dabei, dabei, dafür hatte der Präsident gesorgt.  Gramlich fragte ihn sogar bei wichtigen Entscheidungen immer wieder nach Rat – den der mächtige Mann ab und an auch befolgte. Als Chauffeur durfte sich Hübler mit dem Lincoln auch auf große Reise begeben, so bei den Gruppenauslosungen zu internationalen Spielen nach Genf. Und anschließend machten sie erst einmal zwei Tage Urlaub in der Schweiz: „Die daheim können machen was sie wollen.“ erklärte Gramlich, der dem jungen Zeugwart großes Vertrauen entgegen brachte. Toni zeigte sich verschwiegen, dies sicherte ihm auch die Anerkennung der Spieler: „Ich trage nichts in die Kabine hinein und nichts aus ihr heraus“ war sein Motto, an das er sich lebenslang gehalten hat.

Im zweiten Teil folgen wir der Eintracht nach Südkorea und Kenia und erfahren zudem, was es mit den Trainern Pattek, Ribbeck, Weise und Lorant so auf sich hatte. Und weshalb eine Partie in Viareggio für einen Mitarbeiter des Museums noch heute von überragender Bedeutung ist.

Das Foto von Hübler und Gramlich entstammt Franks Eintracht Archiv.