Früher Morgen in Bangkok, ich sitze am Fluss und schreibe. Später, beim Verlassen des Guesthouses in Richtung Frühstück bin ich zunächst vorsichtig, ob das Wasserfestival jetzt tatsächlich zu Ende ist- und in der Tat: Es bleibt trocken, das ist doch mal ein gutes Zeichen.

Da aus meinen Einkäufen gestern nicht das geworden ist, was es werden sollte, ziehe ich noch einmal los, frühstücke und wander durch Bangkok. Heute scheint eine Art Feiertag, es ist verhältnismäßig ruhig, einige Geschäfte haben immer noch geschlossen, so auch mein altes Frühstückscafé. Ein anderes zu finden, fällt nicht schwer. Menschen reinigen ihre Dinge, die gestern in Mitleidenschaft gezogen wurden, langsam erwacht die Stadt.

Wenn es nach mir ginge, könnte auch heute schon der Flieger gehen, die Eindrücke sind vielfältig, aber ich bin gesättigt, nach knapp fünf Wochen unterwegs sein und ehrlich gesagt ist mir der Trubel in der Hitze einfach zuviel nach den Tagen der Ruhe in Little Paradise. Aber ich halte die Augen auf und denke daran, dass ich morgen keine Gelegenheit mehr haben werde, dies alles zu sehen. Die Suppen und Fische der Garküchen, den Müll in den kleinen Straßen und Gassen an den Klongs, die Tuk Tuks und schlecht angezogenen Traveller in einfachen, quietschbunten Hosen, und ärmellosen Hemden, worunter, ein BH hervorlugt, die röhrenden Busse und die allseits geschäftigen Thais, die binden, schnippeln, brutzeln, was der Tag hergibt.

Ich laufe hinunter zu einer Fähranlegestelle, durchquere ein Travellerviertel unterhalb der Khao San, es gibt einige bunte Sachen, doch ich ziehe weiter. Mein Ziel ist ein Markt am gegenüberliegenden Ufer, da die Fähre gerade lostuckert, warte ich einen Moment und gehe über die Brücke, die zwar auf die andere Seite, aber nicht ganz zum Ziel führt. So suche ich einen Weg am Ufer entlang, aber ich werde abgeleitet, laufe auf schmalen Pfaden an kleinen Häuschen vorbei. Eine Gruppe muslimischer Kinder, hübsch, doch unpraktisch zurecht gemacht, marschiert singend in die Schule oder ähnliches und ich lande mehrfach in Sackgassen. Mal ist ein Kanal im Weg, mal ein Verwaltungsgebäude, einen geraden Weg gibt es nicht. Immerhin habe ich den Kanal überquert, jetzt befinde ich mich in einem riesigen Krankenhausgelände, ein Polizist pfeift einige Autos zurecht, Schwestern, Ärzte, Pfleger, eilen umher, andere besuchen Angehörige oder sind selbst krank, ein Moment des etwas anderen Thai-Alltags. Immerhin, sobald ich das Krankenhaus verlasse, stoße ich auf den Markt.

Welch ein Gewimmel, obgleich nicht alles offen hat, Mango, Ananas und tausend andere Dinge sind im Angebot, Lebensmittel, Kleidung, Schuhe, Diesunddas, es geht um Ecken und Eckchen, die Thais probieren dies und jenes an und aus, ich lasse meinen Blick schweifen und stelle fest, dass es auch hier nicht einfach sein wird, etwas zu finden. Das ist nicht ungewöhnlich, schließlich suche ich und wer suchet, der nicht findet.

Eine Kleinigkeit, immerhin. Hier steht nicht das Kaufen im Vordergrund, hier sollte man herkommen, um zu gucken. Manche Händler stehen gelangweilt hinter ihren Waren, andere sind genau so unsicher wie ich, wenn es ans Bezahlen geht und überall sitzen Thais und essen. Hier sind die Beschriftungen alle auf Thai, ich bestelle ein Shake, nachdem ich einen Mönch gleiches tun gesehen habe und zeige auf eine Limone, die aber in Wirklichkeit eine Art Mandarine in grüner Schale ist, was auch kein Beinbruch darstellt. Viele Thais tragen lila Hemden.

Overdose, mir wird alles zuviel, ich verlasse den Markt, hüpfe auf die Fähre und setze über, laufe am Ufer entlang und entdecke einen kleinen Markt, der unzählige Buddha Devotionalien anbietet, mancher der Händler und Kunden tragen kleine Lupenmonokel, um die Gravuren der Miniaturen zu erkennen. Auch hier sind die Thais unter sich. Ich kaufe ein paar Figürchen, bekomme eines noch dazu und verabschiede mich freundlich. Später erreiche die Universität, ein Ort der Ruhe am Chaio Phraya. Unter der Brücke etwas weiter hinten entdecke ich an einem Straßenstand etwas, das ich haben möchte, eine Gruppe Chinesen rempelt mich fast über den Haufen. Der Preis ist mir relativ egal, die Händlerin geht ungefragt um ein Drittel runter, ich sage ja und ziehe weiter.

In einer Traveller Road lande ich wieder an einem Stand, der Hemden anbietet, wie ich sie gerne trage, ich weiß, sie sind teuer hier, aber was solls. Der Startpreis liegt höher als auf Ko Payam, ich handele routiniert und lachend, zahle immer noch zuviel, bin aber zufrieden und wandere weiter, hoch Richtung Khao San Road, klappere die Stände ab, doch weder Decke noch Hose fallen mir ins Auge und auch sonst nichts, was mir zusagt, wie mir die ganze Gegend nicht zusagt. Wenigstens ein paar Ananasstücke wandern in meinen Mund.

Ich bin groggy, ziehe ins Guesthouse, lege meine Sachen zurecht, betrachte einen letzten Sonnenuntergang am Fluss, und breche erneut auf in die gleichfalls anbrechende Dunkelheit. Eine Reisende hatte mir noch einen Tipp gegeben, ein Laden auf der Khao San sollte das im Angebot haben, was ich suche. Unterwegs esse ich eine Tom Yum Kung Suppe in einem netten Restaurant, die Bedienung ist freundlich, die Suppe gut, besser ist sie nur noch bei Thai Art im Oeder Weg. Leider ist der kleine Teestand heute nicht anwesend. Nachdem es gestern zu nass war, muss ich wohl diesmal auf die nette Gewohnheit verzichten, die mir während des ersten Aufenthalts hier ein kleines Vergnügen geworden ist. Man kann die Zeit nicht wiederholen, was war ist längst vergangen.

Auf dem Weg an der Hauptstraße entlang, sind viele Rollläden unten. Falls ihr mal zwischen dem 12. und 18. April in Thailand sein solltet, nehmt euch nichts groß vor. Sucht vorher einen Ort, reist nicht und genießt Songkran in all seinen Facetten. Aber bemüht euch nicht, es erinnert ein bisschen an Weihnachten, den Trubel zuvor und die Stille danach.

Besinnlich ist auf der Khao San gar nichts, die ich erstmals bei Nachtlicht so richtig wahrnehme, buntbeleuchtet die Straße, große Restaurants, best Phad Thai in town, Livemusik aus jeder Stube, irrlichternde Traveller sitzen in den Kneipen, drei Thaimädchen liegen nebeneinander, lassen sich die Füße massieren und starren auf ihre Handys. Ein bisschen Reeperbahn, von Traveller Romantik keine Spur. Immerhin entdecke ich den Laden, den ich gesucht habe, entdecke, was ich gesucht habe, zumindest einen Teil. Die Dinge sind teurer als auf der Insel, nach einigem Hin und her zahle ich wenigstens das Gleiche. Eine Hose und die Decke aber finde ich nicht.

Die Preisunterschiede in Euro gesehen sind nicht gigantisch, aber hier macht es schon einen Unterschied, ob du mit ein bisschen Handeln das Abendessen dazu bekommst. Nächstes Mal werde ich Dinge dort kaufen, wo ich sie sehe und für gut befinde – solange sie noch Platz in meinem Rucksack finden. Denn der Plan sah eigentlich vor, solange ich reise, dies so leicht, wie möglich zu tun. Aber die Sucherei hier gestaltete sich weit schwieriger als gedacht, also: Suche nicht, finde und wisse, wann du schnell sein musst.

Jetzt bin ich langsam, schlurfe Richtung Unterkunft und gönne mir zum Abschied noch eine Fußmassage, ich bin alleine, eine Stunde lang werden meine Füße und Waden geknetet, weiteres lehne ich dankend ab, mir reichts. Leicht fühlen sich die Füße an, sauber und rein, was nach ein paar Metern in Flip Flops auch schon wieder Geschichte ist. Als ich das Restaurant passiere, wo ich vorhin zu Abend gegessen habe, winken mir die Leute fröhlich zu, aber mir fehlt die Kraft und die Lust, mich dazu zu setzen, wobei Lust hätte ich eigentlich schon, aber ich bin müde und muss meinen Kram noch sortieren und vernünftig packen.

Der Ventilator surrt, die Hitze ist erträglich. Erstaunlicherweise passt alles in meinen Rucksack und die Umhängetasche, auf den ersten Blick fehlt nichts und so gehe ich noch einmal runter an den Fluss. Leise Musik der Bar nebenan klingt an mein Ohr, direkt neben mir trinken sich ein paar Thais einen, ich sitze, trinke ein Bier und rauche und sage dem Nachtfluss auf Wiedersehen, der Nachtstern leuchtet, ich bin müde.

Später, als ich noch einmal zum Rauchen runter gehe, gibt es eine kleine Aufregung, zwei ältere Australier kommen an, sie ist völlig neben sich, der Flug hat sie aus der Spur gebracht, wir finden einen Platz und ein Glas Wasser, es geht schon wieder. Ich drücke die Cigarette aus, lasse oben den Ventilator laufen und lege mich hin. Eins, zwei Moskitos beißen mich, wie immer schlafe ich ohne Netz. Ich lasse Moskito Moskito sein, sehe aus dem Fenster die Fackelspitze der Brücke und gleite in meine letzte Nacht.

Frankfurt wartet, der Abschied aus Ko Payam war ein melancholischer, der Abschied aus Bangkok wird ein fröhlicher, ich freue mich, heim zu kommen, ich freue mich seit fünf Wochen darauf, Pia am Flughafen zu sehen. Hoffentlich geht alles glatt.