Dinge oder Elemente, dich mich umgeben, sind vielfältig. Wasser, Pflanzen, Sonne, Mond und Sterne, Tiere, Menschen. Und Sand. Der Meeresboden, also auch der Strand, so er bei Ebbe sich sonnt, bestehen aus Sand. Der Boden des Gartens besteht gleichfalls aus Sand. Sand ist immer.

Meist scheint er blassgold bis ocker, durchsetzt von schwarzen Elementen, die Wellen fräsen ein Wirrsal von kleinen Kanälen in den Sand, eine Miniaturwelt entsteht, die einen Wimpernschlag später Geschichte ist. Sandige Füße gehören zum Alltag, um die Stube sandfrei zu halten, gibt es ein feines System. Zunächst steht eine Schüssel mit Wasser vor dem Treppenaufgang zur Veranda, dort werden die Füße vom gröbsten Sand befreit. An der Veranda hängt ein Besen, um die Holzplanken zu fegen und vor der Tür liegt ein Barfußabstreifer, so dass man halbwegs sauber ins kleine Bad kommt. Dort gibt es neben der herkömmlichen Brause noch eine Handbrause, die zur Toilettenspülung gedacht ist – aber auch zur Fußbrause taugt. So wird der letzte Sand abgespült, die Füße auf einem am Boden liegenden Handtuch getrocknet und man gelangt sauberen Fußes in die Stube oder ins Bett, solange auch der Holzboden im Raum von Zeit zu Zeit gefegt wird. Ich nutze die Brause häufig und spüle damit den Sand und manchmal auch einen Mitbewohner durch den Abfluss in Freiheit. Ein anderer Mitbewohner hat sich als Familienmensch entpuppt. Als ich den Gecko hinter meinem Spiegel fotografiere, entdecke ich auf dem Foto noch zwei weitere, die in kleinen Absätzen der Wand leben. Zumindest phasenweise. Mietfrei.

Es ist derzeit praktisch, dass die Flut ihren Hochstand erreicht hat, so ich mit dem Schreiben für den Morgen fertig bin. Der Sarong gegen die Badehose getauscht und schon spiele ich toter Mann, liege mal bäuchlings, mal rücklings im Wasser und blicke entweder in die Sonne oder ans Ufer. Oder unter Wasser und höre nur das leise Unterwasserwellenrauschen. Schwerelos treibe ich vor mich hin, es gibt wohl nur Weniges, was gleichermaßen entspannend ist. Dabei kommt mir das Wasser gar nicht so salzig vor, meine Augen brennen nie, obgleich ich sie stets unter Wasser offen halte und gerne tauche, ohne jedoch all zuviel zu sehen. Aber das macht nichts, was ich sehe mengt sich mit der Stille und dem Wasser zu einem Gefühl, das ich sehr mag.

Nunmehr habe ich schon einige Lieblingsplätze auf der Insel bei meinen Rollertouren ausbaldowert. Wenn man nicht den geraden Weg zum Pier fährt, sondern einen kleinen Abstecher macht, nähert man sich der Anlagestelle von Norden kommend. Der Weg führt zunächst über eine wenig befahrene Straße durch die Ausläufer des Dschungels. Von dort führt ein Sandweg zu einem versteckten Resort, welches an einer Bucht an der Ostküste liegt. Dort gibt es sogar einen Salzwasserpool. Ich bevorzuge den Großen.

Fährt man die schmale Hauptstraße aber weiter, so macht sie einen Knick und führt vorbei an den Mönchen die Ostküste entlang. Kurz darauf gelangt man an einen breiten Steg auf Betonpfosten, an dessen Ende eine Art Wartehäuschen wartet. Vielleicht ist es das alte Pier. Ich liebe es, auf das Wartehäuschen zu zu rollern, es erinnert ein bischen an Quadrophenia, nur das ich am Ende des Weges brav abbremse. Meist ist dort niemand, ich blicke aufs Meer, rauche eine Cigarette und lasse den Blick über die grünen Inseln schweifen, aus der Ferne nähert sich die Fähre aus Ranong, mit der ich ja auch schon zwei Mal hier angekommen bin. Ich starte den leuchtgelben Roller, um mir die Ankunft aus der Nähe zu betrachten. Vielleicht steigen ja auch diesmal Reisende zum ersten Mal hier aus und harren gespannt der Dinge, die sie erwarten. Mal sehen, was sonst noch passiert. Den Roller parke ich am Straßenrand und laufe das Pier entlang, etliche Roller mit Anhängerkarren überholen mich, die Fähre macht sich mit einem schrillen Pfiff bereit zum Anlegen.

Noch bevor sie vertäut ist, springt der erste von Bord. Touristen kommen nur wenige, sie sind zaghafter beim Aussteigen – und meist blass. Kaum sind sie von Bord und auf dem Weg ins Landesinnere, erhebt sich ein buntes Gewimmel und Gewusel. Arbeiter und Arbeiterinnen in ausgelatschten Flip Flops, in denen Füße stecken, denen man ansieht, dass sie jahrelang Wind und Wetter ausgesetzt waren, entladen das Boot. Auf einem Stuhl sitzt eine Thaifrau, die als eine der ersten von Bord gegangen ist. Das Alter ist schwer zu schätzen, vielleicht ist sie Anfang dreißig. Man könnte meinen, sie sei hübsch, wenn da nicht etwas im Gesicht läge, dass auf anderes verweist. Sie kontrolliert Listen, hält ab und an Geldscheine in der Hand, die schmalen Füße stecken in feineren Flip Flops, die Nägel sind akkurat kirschrot lackiert. Die Sonnenbrille wirkt etwas zu groß.

Manche der Arbeiter tragen Fußballtrikots, ausgewaschen, andere Hüte und Gesichtsschutz. Es sind junge Männer, die schuften und ältere, ausgemergelte Frauen. Die meisten von ihnen sind einiges kleiner als ich. Sie wuchten große Gaskartuschen an Land, bunte, schwere Kisten werden auf die Anhänger gepackt, auch einige Roller verlassen das Boot manuell. Andere scheinen in Ranong für sich oder ein Restaurant eingekauft zu haben, sie tragen Plastiktüten in der Hand, in denen seltsame Sachen schwimmen und machen sich zunächst zu Fuß auf den Weg. Baumaterial verlässt das Schiff genau so wie schwere Säcke, deren Inhalt verborgen bleibt und die auf Schultern gepackt werden. Die Arbeit verläuft unaufgeregt. So ich das Pier zurück laufe, wartet noch eine ganze Rollerarmada auf Ladung. Als ich später in meiner Hängematte liege und den beginnenden Sonnenuntergang sowie die glitzernden Wellen betrachte, joggt ein Pärchen in Turnschuhen und bunter Kleidung am Strand entlang. Es ist ein anderes Bunt.

Später fällt mir auf, dass ich ja gar nicht drei Nächte in oder um Chumphon bleiben kann, eine geht ja für die Nachtfahrt nach Bangkok drauf, wenn ich Montags Ko Payam verlasse. So ist das mit den Plänen. Ich gehe ins Nachtmeer, baden, es hilft ja alles nichts.