Zunächst möchte ich mich einmal bei euch bedanken, die ihr seit nunmehr drei Wochen mit nahezu täglichen Berichten von meinem Trip konfrontiert werdet und mir jede Menge Feedback zukommen lasst, sei es hier, über Facebook, mail oder WhatsApp. Viele fühlen sich an eigene Reisen erinnert, andere bekommen Sehnsucht auf den nächsten oder übernächsten Flieger. Nehmt ihn, es wird sich lohnen.

Der Tag, an dem ich Pia am Flughafen in Frankfurt sehe, rückt langsam näher. Auf diesen Moment freue ich mich, seit die U-Bahn in Bornheim Mitte uns heute vor drei Wochen trennte. Gestern ging der letzte Montagabend für mich auf der Insel zu Ende, von nun an, wird jeder Abend ein Letzter sein. Den Tag begann ich als Kurier. Meine Nachbarn, Miriam und Anton, verließen nach einigen Tagen ihr Domizil und brachen auf Richtung Norden. Ich packte zuerst einen riesigen Rucksack auf meinen Roller, dann Miriam, die ebenfalls einen großen Rucksack schulterte und so rollten wir zum Pier. Auf dem Rückweg gabelte ich Anton auf, und brachte ihn gleichfalls zur Bootsanlegestelle. Vielleicht sehen wir uns noch einmal in Bangkok, ihr Heimflug geht am gleichen Tag. Eisern.

Neben Claudia, die kommenden Freitag nach Bali weiterreisen wird und eine unkomplizierte Nachbarin ist, wohnt derzeit nur noch eine weitere Frau auf dem Gelände, die jedoch grußlos an Allem vorbei spaziert. Nun denn, dies will respektiert werden. In den vergangenen Wochen war es hier so, dass man sich beim Frühstück oder Abendessen im Restaurant trifft, dort, wo auch der Wifi-Empfang am stärksten ist. Jeder hat was zu erledigen, man schwätzt zwischendurch und ansonsten geht jeder seine eigenen Wege, ein sehr sympathischer Umstand. Man ist nicht alleine, lässt sich aber die Ruhe. Leider schwächelte in den letzten Tagen das Wifi, es ist mühsam, den im Office vorbereiteten Text im Dashboard des Blogs zu formatieren. Aber es wird.

Gestern gab mir Cha eine kleine Einweisung zum Thema „Kokosnüsse“. Eines der Highlights hier ist mein nahezu tägliches Coconutshake, serviert in der grünen äußeren Hülle. Ein alter Brauch sagt: One Coconutshake the day send the devil away. Okay, der ist nicht ganz so alt. Aber das Interessante ist, das es eine Menge unterschiedlicher Arten der Kokosnuss gibt. Die Nüsse, die wir kennen, wachsen hoch oben in den Palmen, enthalten Fruchtfleisch und Fruchtwasser und sind hart und braun. Daraus wird Kokosmilch oder Seife hergestellt. Die Früchte, die wir als Shake genießen, wachsen an einer anderen Art, brauchen andere Erde. Sie wachsen in Knie- bis Kopfhöhe und nicht hier auf der Insel. Innerhalb eines Jahres haben sie sich aufgelöst und sich der Natur zurück gegeben, sie sind nicht so hart wie die bekannte Kokosnuss. Leider wird es in unserem Garten zu kalt dafür sein, ich hätte sie gerne.

In den letzten Tagen hat die Flut einen schon von menschlicher Hand bearbeiteten Holzblock angespült, ich hatte ihn aufgesammelt und getrocknet. Nun entferne ich mit meinem Leatherman einen Nagel und hieve den Gesellen auf die Veranda, stelle in neben die fest verbaute Holzliege – und schon habe ich einen prima Tisch, für den Kokosnussschalenaschenbecher, Tabak und Handy.

Rot blüht der Hibiskus. Rund um die Uhr brausen oder rollen die Wellen an den Strand , der je nach Tide mal kaum zu sehen ist, mal zwanzig Meter tief ans Wasser ragt. Ich bemühe mich, soviel Zeit wie möglich mit diesem Geräusch zu verbringen, die unterbewusste permanente Beruhigung. Dies bringt mich auf goldene Regeln, die dabei geflüstert werden, Zeit zum Nachdenken bleibt reichlich.

Goldene Regeln – bis sie hinfällig werden

Nimm dich nicht so wichtig.

Hast du zugehört?

Respektiere den Kreislauf der Natur.

Sei langsam und bedächtig. Aber präzise.

Wisse, wann du schnell sein musst.

Achte auf die kleinen Dinge.

Sei vorsichtig, wenn du auf unbekanntem Terrain unterwegs bist. Sieh hin.

Sei offen und freundlich.

Lass die Dinge auf dich zukommen. Sie werden kommen.

Wenn sie nicht kommen, soll es so sein.

Sei geduldig und sieh, was geschieht.

Lächle, wenn du nicht weiter weißt.

Über dich selbst, Narr, der du bist.

Ich fahre durch die Dunkelheit, ab und an kommt mir ein Rollerlicht entgegen, der Wind kühlt angenehm, die Nacht ist warm. Nach einigen Kilometern erreiche ich den Long Beach, parke den Roller und achte darauf, dass er auf sicherem Untergrund steht, ein beschädigter Scooter kann teuer werden, auch bei meiner alten, verschrammten Yamaha. Die Lichtlein der Bars scheinen freundlich, als ich am Strand entlang laufe, nur wenige sind und schon gar nicht voll besetzt. Nach drei Wochen Thaifood, steht mir heute der Sinn nach etwas anderem, im Peacock Tree wird indisch serviert. Ich liege auf einem Podest, schaue Richtung Horizont, die Bucht ist größer als die gewohnte, Lichter der Boote blinken in die Ferne. Ein Mango Lassi und Butter Chicken Masala später roller ich zurück, es ist dunkel, die Sterne funkeln und das fahle Licht des Rollers weist mir den Weg. Später, in der Hängematte, betrachte ich die Sterne, den Mond sehe ich nicht. Ein Hund schleicht vorbei, ein Gecko macht sich bemerkbar, die Adler schlafen, ich tue es ihnen gleich.