Nach nunmehr drei Wochen in Thailand muss ich mal den Frankfurter Thais ein Kompliment machen, viele kochen recht authentisch und es kann dir hier passieren, dass aus Rücksichtnahme auf den Farang die Mahlzeit nicht spicy ist und das heisst dann aber auch nicht spicy.

Auf der Insel habe ich die Vielfalt der Angebote noch gar nicht ausprobiert, ich bin ja noch nicht einmal mit der hauseigenen Speisekarte durch. Es gibt viele Gerichte, die auch in der Heimat zu den Klassikern zählen, aber auch einige andere. Neu für mich war die Tamarindsauce, die zu Fisch oder Shrimps serviert wird, wage aber zu bezweifeln, dass diese woanders auch nur annähernd an das heran kommt, was Aew serviert, die Küche ist durchaus gehoben, frische Cashewnüsse aus dem Garten sind schon etwas Besonderes. Aew hat mir zugesagt, bei meiner Abreise einige getrocknete Chillies mitzugeben, vielleicht ernten wir ja noch in diesem Jahr echte Ko Payam Chillies im Seckbacher Garten. Ob die Cashews angehen, wage ich zu bezweifeln, wenn überhaupt dürften sie im Winter nur in der Wohnung überleben. Hinter dem Wohnhaus von Aew und Cha, neben dem Restaurant, befindet sich der Friedhof der Coconutshakes, hunderte ausgeschlürfte Kokosnüsse, die mit der Zeit die weiche grüne Umhüllung verlieren und das übrig lassen, was der gemeine Westeuropäer unter einer Kokosnuss versteht. Ob die beiden hier mit ihnen etwas anfangen, weiß ich nicht, so man sie schneidet und poliert, ergeben sie aber nette Gefäße. Das ist viel Arbeit.

Erstmals auf der Reise hatte ich Lust zu lesen, Pia hatte mir vor Abfahrt noch zwei Bücher organisiert, die zusammen mit dem Reiseführer ein Drittel des Gepäckvolumens ausmachen, vom Gewicht sogar mehr. Ich begann mit “ Songkran“ von Erik Matti, einem Thriller, der in Bangkok spielt und einen ganz anderen Blick auf Thailand wirft. Wir tauchen ein in einen Dschungel von Korruption, Gewalt und Sextourismus bzw. Prostitution. Durch meinen Aufenthalt in Bangkok konnte ich mit einigen Begriffen und Gegenden schon etwas anfangen, ein unterhaltsamer Kontrast zu meiner Hängemattenvollmonmeereswelt. Hier im Village gibt es einen kleinen Laden, an den eine Bücherei angeschlossen ist, man kann Bücher tauschen und ist somit mit Lesestoff versorgt, wenn man möchte.

Durch die Schattenlektüre bin ich erst spät dazu gekommen, auf meinen Roller zu steigen. Claudia hatte ihren in der Nacht vor einer Bar stehen gelassen und ist zu Fuß nach Hause gewandert, ich bringe sie kurz zu ihrem Gefährt und kann mich somit für das äußerst nützliche Betaisodonna der ersten Tage revanchieren. Dann tucker ich kurz ins kleine Dorf, dass nur aus wenigen Shops rechts und links des Weges zum Long Beach besteht. Noch bevor ich es erreiche, komme ich am kleinen Café Cha Chai vorbei, bunte Schirme, und Liegeflächen laden zum Verweilen. Nebenan ist mein Laden fürs Alltägliche, die Briefmarken sind da, mehr brauche ich nicht und so trinke ich im Cha Chai einen Tee und gönne mir einen Yoghurt mit Honig. Da ich noch vor Beginn des Sunsets im Bungalow sein möchte, rolle ich langsam zurück und lese, bis die Sonne sich anschickt, auf die Nachtreise zu gehen. Am Strand bin ich dann alleine und staune, wie ich jeden Abend staune, bis es fast nachtdunkel ist und die Zikaden zeckern. Strandkrebse sausen um mich herum, Wellen rauschen. Meine Nachbarn reisen heute ab, sie waren auch schon in Chumpon und haben einige Tipps auf Lager. Sie bestätigen auch meinen Plan, von dort an den Strand zu fahren, die 16 km kann man mit dem Sammeltaxi zöckeln, es kostet nicht die Welt nur zurück istves nicht ganz so einfach, aber zumindest ein Taxi wird sich finden. Die gleiche Tour hätten sie auch gemacht und einen sehr ruhigen Ort vorgefunden, kaum Farangs, wenig Thais – außer am Wochenende. So ich dort sein sollte, fällt das buddhistische Neujahrsfest Songkran in diese Zeit. Einst eine feierliche Angelegenheit, scheint es mancherorts nun einem Wasserpistolenspektakel zu gleichen, die Jugend trinkt und feiert. Das halbe Land ist unterwegs, hoffentlich finde ich Platz in den Verkehrsmitteln oder den Unterkünften. Aber ich mache mir keine Sorgen, es wird schon klappen. Wie bislang alles geklappt hat, wie ich es mir gar nicht vorgestellt habe.