Freitag Morgen, halb acht, auf die Autobahn rollt ein silberner Golf, zwei müde Gesellen steuern Richtung Süden. Im Gepäck, ein Handtuch, kurze Hosen und die Aussicht auf ein Wochenende mit Meer, Fußball und Erlebnissen. Genova per noi.

Pia bleibt diesmal zuhause, das ist natürlich schade, aber sie ist selbstverständlich bei uns – in Gedanken. Matze und ich tuckern in Matzes Auto zunächst Richtung Tübingen, dort in der Nähe weilt seit ein paar Tagen Flo, den wir nicht nur besuchen, sondern einpacken, um das große Abenteuer zu dritt anzugehen. Wir begrüßen Mama Flo, bewundern Flos altes Zimmer, geschmückt mit unzähligen Eintrittskarten vergangener Eintrachtspiele und einem Zeitungsausriss: Ich verlor meine Frau an Hans Meiser. Das Leben ist voll tragischer Geschichten, voll von schlechten Wegen, Via Mala, wir aber sind auf einem guten Weg. Nach einem kurzem Zwischenstopp bei einem Bäcker in Wurmlingen (dort steht eine in Tübingen weltbekannte Kapelle, die einst von Ludwig Uhland besungen wurde), versorgt mit fantastischen Würstchen, rollen wir erneut auf die schwäbische Autobahn der Schweiz entgegen. Kurz vor der Grenze versorgen wir den Golf mit Öl und Benzin, pappen eine Vignette auf die Windschutzscheibe und sehen nach wenigen Kilometern den Schaffhausener Rheinfall … nicht.

Die große Frage, die uns beschäftigt lautet: Gotthardtunnel oder San Bernardino. Da der kürzere Weg durch den Gotthard mindestens 40 Minuten Wartezeit bedeutet, entscheiden wir uns für den Umweg, eine Entscheidung, die wir nicht bereuen sollten, da wir, soviel sei verraten, bis runter nach Genua ohne Stau durchgekommen sind.

Doch zuvor schrauben sich langsam die Alpen in den Himmel, während sich der Zürichsee über lange Kilometer neben uns breit macht. Wir durchfahren Orte wie Thusis und Medels, staunen an der Viamala über Flos Geschichten über den Film mit Mario Adorf und rauschen in den Tunnel. Kurz zuvor hatten wir noch überlegt, über den San Bernardino Pass zu fahren, aber wenn Italien wartet, du nur zwei, drei Tage Zeit hast, so ist die Zeit im Auto dann doch zu schade für Speränzchen. Aus den Lautsprechern klingt Popmusik der Achtziger, die Jugend im Auto ist begeistert, der ältere Hase schweigt betreten. Wer einmal mit Hall & Oates durch die Alpen reisen musste, weiß was ich meine.

Hinter dem San Bernardino wird es unvermittelt italienisch, die Dörfer hier enden nicht mehr auf -kon oder -ingen sonder mit a oder o und die Straßenschilder und Informationen werden dir ausschließlich auf italienisch vermittelt. Bellinzona, Chiasso, Grenze, Como.

An der ersten Raststätte in Italien halten wir an, trinken einen Cappuccino und spüren, wie es mit jedem Kilometer wärmer wird. Wir passieren Mailand, die eher langweilige Po-Ebene, verlassen das Piemont (ad pedem montium, am Fuß der Berge) und entern Ligurien. Alle naslang füttern wir die Wegelagerer der Autobahn mit Bargeld, dann wird es noch einmal hügelig (Apennin) und wir rollen alsbald durch Serpentinen nach Genua ein, ziemlich genau auf die Minute, die uns das Navigationsgerät vor Stunden angezeigt hat. Nach einigen Kilometern entdecken wir das Hotel, in dem Flo und Matze die erste Nacht verbringen werden, fahren aber weiter, um mich am Fuße des alten Hafens abzuladen. Mein Hotel ist ein Steinwurf von jenem Hafen entfernt. Dort in der Nähe werden Flo und Matze auch die zweite Nacht verbringen.

Ich schnappe meinen Rucksack und wandere eine Gasse entlang. Wenige Italiener sind auf der Straße, Schwarze oder Chinesen spazieren umher, eine halb verschleierte Frau sitzt auf dem Boden und verkauft aus einer Kiste Kleinkram. Mein Navi zeigt mir den Weg an, die Gasse ist nun finster, einen Meter breit und die Häuserwände werden durch ein Gerüst gegenseitig gestützt. Was wird mich nun erwarten? Ich biege um die Ecke und entdecke den Hoteleingang, der mich freundlich empängt. Schon besser. Weniger gut ist jedoch der Moment, als der Portier meine Vorstellung und Zimmerreservierung mit einem knappen No beantwortet. Wenigstens habe ich den Ausdruck der Buchung dabei, aus dem No wird ein Si, ich bezahle, erhalte den Zimmerschlüssel und marschiere in Zimmer Nummer 13, das recht freundlich daherkommt. Reinlich, immerhin. Als ich den Rollladen hoch ziehe, um die Aussicht zu bewundern, blicke ich in einem Meter Entfernung auf die Häuserwand, die von einem Gerüst gestützt wird. Aber gut, ich bin nicht wegen der Aussicht hier. Während ich noch eine Zigarette rauche und vom ersten Stock auf den düsteren Weg nach unten schaue, macht sich ein Mann an kleinen, durch Gitter versperrte Eingängen zu schaffen. Er rüttelt leise hier, prüft ein Fenster dort, greift nach innen, um zu testen, ob sich irgend etwas öffnet. Da er definitiv nicht der Klempner ist, verschließe ich das Fenster, lasse den Rollladen nach unten und verstecke einen Teil meiner bescheidenen Wertsachen. Ob der Hitze rinnt mir der Schweiß, ich verlasse das Hotel und mache mich auf Richtung Hafen. Zwei Stunden habe ich Zeit, bis wir uns treffen.

Unten am Hafen fallen zwei Dinge sofort auf. Oder besser drei. Zum einen hast du in Genua keine freie Sicht auf das Meer, recht verbaut scheint das Ganze. Zum anderen führt zwischen Hafen und Altstadt eine gigantische Autostraße auf Stelzen durch die Stadt. Und zum dritten liegt am Hafen ein altes, hölzernes Schiff, schwer gebaut, mit Luken und Masten und Gallionsfigur. Dachten wir zunächst, es handele sich um ein Schiff von Kolumbus, so wurde ich schnell eines Besseren belehrt: Das Schiff, die Neptune, ist ein Nachbau eines spanischen Linienschiffes aus dem 17. Jahrhundert und es spielte eine gewichtige Rolle in Polanskis Film „Piraten“. Nun liegt es als Touristenattraktion im Hafen von Genua – und ist tatsächlich fahrtüchtig.

Ich schlendere am Alten Hafen entlang, etliche Molen erstrecken sich Richtung Meer, Segelschiffe haben dort festgemacht, Kinder spielen Fußball und in die nördliche Richtung blickend erstreckt sich Genua in die Höhe. Die Stadt umarmt dich nicht auf den ersten Blick, wirkt rau, verbaut, und flüstert dir doch leise zu: Entdecke mich. Viele, die hier her kommen bleiben nicht lange, fahren vielleicht bald mit einer Fähre nach Sardinien. Oder in den Süden, wo es lieblich ist und pastellene Farben dich anlügen.

Ich drehe eine Runde, sehe sündhaft teure Yachten und Schwarze, die illegal Kram anbieten, bis ich am alten Schiff Flo und Matze treffe. Patrick ist auch dabei und so schlendern wir durch die Altstadt bis wir in einer Pizzeria sitzen und futtern und trinken und froh sind, dass wir hier sind. Später hocken wir mit einem Bierchen auf einem Ponton am Wasser, rechter Hand das Piratenschiff, linker Hand das Aquanario und unter uns neugierige Fische. Meine beiden Gesellen begleiten mich noch bis zum Hotel, die Gassen werden mit Wasser abgespritzt und die dunkelsten Gestalten auf der Straße sind wir. Genua schläft.

Am nächsten Morgen bin ich früh draußen und trinke um die Ecke einen Cappuccino. Die Gegend, die ich eben noch als sagen wir eher strange empfunden habe, wirkt nun schon fast als Heimat, ich fühle mich mit jeder Minute wohler. Da Flo und Matze noch das Hotel wechseln müssen, drehe ich meine Runde durch die Altstadt. Die Stadt erwacht, Rollläden werden nach oben gezogen, Krims und Krams auf die Straße gestellt, ich schlendere durch enge Gässchen und Verkaufsstraßen, ab und an erhebt sich eine Kirche oder ein Museum, die Wände voll Graffiti. Unterwegs erstehe ich eine Badehose und ein Badetuch als mir in einem Laden ein Frankfurter entgegen kommt und mir grinsend mein Ticket fürs Spiel überreicht, klein ist die Welt, alles geregelt, alles gut.

Später sitze ich in einem Straßencafé, schreibe Pia eine Postkarte und denke, dass man noch einmal hier her kommen sollte. Dann mit Pia, die ich alleine erst einmal nicht in mein Hotel geschickt hätte. Jetzt sind meine Bedenken verflogen. Mittlerweile haben Flo und Matze eingecheckt, wir treffen uns und beschließen einen Tag am Meer. Schon rollt der Golf die Küste hinauf. Als Sensationstouristen müssen wir natürlich das Wrack der gekenterten Costa Concordia besuchen, immerhin heißt Concordia Eintracht und nicht zuletzt deshalb sind wir hier. Und tatsächlich entdecken wir die Unglücksfähre nach einigen Umwegen, wir suchen einen Platz für den Golf, den Flo spielend erreicht und staunen aus einiger Entfernung auf das einst stolze und nun unglückliche Geschichten erzählende Fährschiff.

Über die Via Aurelia rollen wir nun Richtung Strand, den wir freudig entdecken. Flugs wir geparkt, die Stufen hinab geklettert und schon liegen wir auf unseren Tüchern und blicken bei Sonnenschein auf das offene Meer. Auf der anderen Seite recken sich baumbewachsene Felsen in die Höhe, neben uns spielen Kinder im Wasser, sonnen sich kecke Italienerinnen während ein paar Schritte weiter eine Bude Eis und Kaffee, Wasser und Limo verkauft. Segelboote am Horizont. Wir stürzen uns in die milden Fluten, vertreiben uns die Zeit Wortspielen, während sich die Zeit im Nirgendwo verliert. Flo malt ein Schriftzeichen auf, daneben ein paar Bratpfannen. Was ist das?

Die Antwort folgt auf dem Fuß. Eine Rune. Und ein Bratset. Also Rune Brathset. Wir lachen Tränen.

Die Stunden vergehen im Nu, so langsam merken wir auch die Sonne – und mit einem letzten Blick auf die offene See marschieren wir zum Golf und tuckern via Via Aurelia zurück nach Genua. Das zieht sich, weshalb auch immer rollen Tausende in die Stadt. Wir kämpfen uns tapfer Richtung alter Hafen, wo ich im Hotel verschwinde, um mein Strandtuch gegen die Eintrittskarte einzutauschen. Kurz darauf stehe ich in Flo und Matzes Zimmer mit Blick auf den Yachthafen und Flatscreen TV. Auch nicht schlecht.

Wir entscheiden, Richtung Stadion zu laufen, immerhin trifft im Stadio Luigi Ferraris die Frankfurter Eintracht auf Sampdoria Genua, freundschaftlich in diesem Falle und dennoch weht ein Hauch Europapokal durch unsere Herzen. Es geht hoch und runter, wir entdecken eine mondäne breite Einkaufsstraße, und je weiter wir uns von der Stadt weg bewegen, um so ruhiger wird es. Von Fußballatmosphäre keine Spur, was auch nicht weiter tragisch ist. Immerhin entdecken wir eine Pizzeria, stärken uns für den Abend und wandern weiter. Und dann sehen wir das Stadion, von Fußballatmosphäre noch immer nichts zu spüren und wir fragen uns allen Ernstes, ob wir hier richtig sind. Unten erkennen wir ein paar Ordner in leuchtenden Westen. Wir sind richtig.

Hinter dem Stadion erheben sich die Hügel des Apennin, mächtige Häuser sind dort hinein gebaut, und nun hören wir auch die Gesänge. Hier ist Fußball. Da wir spät dran sind, geht der Einlass unvermittelt schnell, bedauerlich nur, dass uns die Feuerzeuge abgenommen werden. Wir erklimmen die Stufen zu unserer Kurve, natürlich ein Gude hier, ein Gude da, erfahren erste Geschichten und stellen uns im Gästeblock ganz nach oben, nachdem zuvor der Anpfiff des Spieles bengalisch illuminiert wurde. Direkt vor uns steht Yves und gemeinsam beobachten wir den Kick, der für die ganz in weiß spielende Eintracht hoffnungsvoll beginnt – Tor durch Inui, was Flo und ich quatschend verpassen. Dann wird es bitter, Genua schießt binnen einer Halbzeit vier Tore, die Eintracht fällt auf dem Platz rum wie Falschgeld, während Gerüchte die Runde machen, dass alle Eintrachtfans mit dem Shuttlebus in die Stadt zurück gebracht werden sollen. Das ist neben der Erkenntnis, dass labberiges Bier fünf Euro kostet und auf den Stehklos kein Klopapier vorhanden ist, keine schöne Sache. Die Eintrachtfans supporten, als gelte es, in die nächste Runde einzuziehen – Thomas Schaaf wäre stolz auf die Kurve, wenn es ihn interessieren würde. Unten kicken mit Piazon, Hasebe und Ignjowski ein paar Neue und mit der Nummer zehn läuft vorne einer rum, den ich nicht kenne. Ach so, Kadlec, stimmt, da war ja was.

In Halbzeit zwei zeigt sich die SGE agiler, trifft noch einmal, um mit 2:4 zu verlieren. Der Pokal geht an Genua und bei uns geht nichts. Wir warten und warten – die Sache mit den Shuttlebussen sollte sich als wahr heraus stellen. Da es vor dem Spiel zu stressigen Szenen kam, werden wir kurzerhand eingesperrt. Eintrachtler verhandeln, es tut sich … nichts. Die Minuten rollen sinnfrei dahin, bis endlich die Shuttlebusse kommen. Dann rollen die Minuten wieder dahin. Alle rein in die Busse. Motoren laufen. Dann wieder alle raus aus den Bussen. Dann wieder alle rein. Es ist ein einziges Elend. Anderthalb Stunden nach Abpfiff rollen wir langsam los, zusammengepfercht wie die Ölsardinen. Die Fahrt dauert nicht lange, wir werden an einem großen Platz ausgespuckt und bleiben uns selbst überlassen. Zuvor wurden Warnungen an uns gerichtet: Seid vorsichtig.

Da ist Flo, da ist Yves, da bin ich. Doch wo ist Matze? Ich schicke ihm eine SMS, keine Antwort. Wir trollen uns langsam Richtung Hafen, bis wir Yves‘ Auto erreichen und uns dann nahe meinem Hotel nachts um eins mit Bier versorgen, von Matze noch keine Spur. Wenig später sitzen wir wieder am Ponton am Hafen, trinken und schauen auf die sich im nächtlichen Wasser spiegelnden Masten der Segelboote. Flos Handy klingelt, Matze ist dran: Wo seid ihr? Der arme Kerl hatte es nicht in die bereit gestellten Busse geschafft und musste mit einigen anderen auf einen Nachzüglerbus warten. Und hatte uns ja vorher noch gesagt, dass er kein Handy dabei hat. Stimmt, da war was.

Nun endlich hockten wir vereint am Wasser und schwatzen, bis die Schöppchen leer sind. Flo ist clever, verabschiedet sich zur Nachtruhe, während Yves, Matze und ich uns noch in irgendeiner Spelunke gemeinsam mit einheimischen Trinkern noch einen hinter die Binde gießen. Als dann wirklich alles zu macht, dackeln wir nach Hause, und während Matze sein Ziel erreicht hat, begleitet mich Yves noch zum Hotel, Abschied, Nachtruhe. Wortreich hatte ich am Abend noch erklärt, was ich bis zur verabredeten Zeit um 10:30 noch alles vor hatte, Stadtbummel, Frühstück und so. Es ist fünf Uhr in der Nacht. Ich stelle meine Wecker auf 7:45, packe meinen Krempel, schicke Pia noch eine Nachricht und schlafe ein.

Es klopft. Ich schrecke hoch. Auf meinem Tablet leuchten die Zahlen eins, null, fünf, neun. Mein Hirn realisiert: Eine Minute vor Elf. Scheiße, schnappe mein Handy: Entdecke eine Nachricht von Matze von 10 Uhr: Abfahrt eine viertel Stunde später. Ok, das macht es einfacher, Es klopft. Das Zimmermädchen weist mich dezent auf den Check Out Termin in einer Minute hin. Oha.

10:58 – Tiefschlaf

10:59 – Aufwachen

11:11 – Ich bin am Treffpunkt. Zumindest Teile von mir. Der Rest sortiert sich. Es regnet.

Immerhin gönnen mir die Jungs noch einen schnellen Kaffee, ein Croissant und schon hocken wir wieder im Golf und verlassen Genua auf dem Weg, auf dem wir gekommen sind. Doch diesmal sollte es sich ziehen. Hier ein kleiner Stau, dort ein Baustellchen und vor allem wird es kurz vor der Schweizer Grenze qualvoll. Meter um Meter kämpfen wir uns nach vorne, aus dem Autoradio peinigen mich erneut Hall & Oates, und wir stellen fest, dass diesmal die Wartezeit vorm Gotthard Tunnel annähernd anderthalb Stunden beträgt. Also wieder San Bernardino. Wir durchschneiden die Alpen und erreichen den Tunnel, wo sich erneut die Frage aufdrängt, was sich eigentlich hinter den Fluchtwegen befindet? Ruheräume mit Getränken und Imbiss, gar eine Bar? Zum Tunnelblick? Wir haben es nicht erfahren.

Hinter dem Tunnel befindet sich die Viamala-Schlucht. Da der Parkplatz aber nur von Norden kommend zu erreichen ist, wenden wir nach ein paar Metern – und entdecken den Weg zur Schlucht in den Bergen. Dort fahren wir hinauf, parken und entscheiden uns dafür, die fünf Euro Eintritt zu bezahlen um über befestigte Treppen die Schlucht zu erleben, welche zwei große Bergmassive trennt. Wasser rinnt von den Wänden, Hinweistafeln erzählen düstere Geschichten von Unglücken, steil wachsen die schroffen Felsen in die Höhe. Toll.

Eine dreiviertel Stunde später sind wir wieder auf der Autobahn. Irgendwo liegt Chur (Warum seid ihr Churen so leise), wir verfransen uns leicht in Zürich (Caio) und während wir den Rheinfall in Schaffhausen nicht sehen, wandert die Tanknadel gegen null. Immerhin, die Grenze wird im Handstreich genommen, wir rollen bei blinkendem Benzinlämpchen zur Tanke – die natürlich geschlossen hat. Erwin Stein, der Mann, der im Europokal 1960 jede Menge Tore geschossen hat, sagt immer: Auf die Autobahn nur mit halbvollem Tank. Recht hat er, aber wir haben Glück, fahren zurück auf den Highway, um diesen eine Abfahrt später zu verlassen. Tanken. Ich trinke süßen Sprudel, während wir in Tübingen einrollen, die Heimat Flos. Auf dem Weg in die Altstadt erfahren wir eine Menge Wissenswertes von in steinernen Vulvas eingeklemmten Studenten, von Ernst Bloch und Hölderlin. Wir parken am Fuße der Altstadt und bewundern prachtvolle Häuschen am Marktplatz, nachdem wir uns mit Burgern und Fritten am Leben gehalten haben. Schon setzen wir Flo in Wurmlingen ab, schon sind Matze und ich auf der Autobahn. Stuttgart, Heilbronn, Sinsheim, Mannheim, blinkendes Öllämpchen. Oha.

Wir waren aber pfiffig und hatten uns vor der Fahrt mit Öl versorgt, steuern den nächsten Parkplatz an, fütteren den Golf mit Öl und erreichten über Darmstadt das nächtliche Frankfurt. Ich verabschiedete mit von Matze, der noch ein paar Kilometer vor sich hat, stolpere die Treppen hoch und falle Pia in die Arme. Es ist schön unterwegs zu sein, aber auch schön wieder heim zu kommen. Vorausgesetzt, Pia ist da.