Hohe Wellen schlug ja die Auswärtspartie der Eintracht bei Fortuna Düsseldorf. Nicht nur, weil die renommiertesten Zweitliga-Clubs im Kampf um den Aufstieg in die Erste Liga aufeinander trafen, sondern weil Eintracht Trainer Armin Veh im Vorfeld des Spiels darauf hinwies, dass die Anzahl der gegebenen Elfmeter für die Fortuna erstaunlich sei und die Spielweise – insbesondere von Sascha Rösler – tendenziell eher als unsportlich wahr genommen werde. Der Ausgang des Spiels inklusive fragwürdigem Elfmeter für Düsseldorf kurz vor dem Schlusspfiff ist bekannt.

Nachdem die Fortuna im Heimspiel gegen Alemannia Aachen erneut nicht gewinnen konnte, das sechste sieglose Ligaspiel in Folge, betreiben die Düsseldorfer Ursachenforschung. Woran hängts? Für Wolf Werner, Manager in Diensten der Fortuna, ist die Sache klar. Neben fehlender Aggressivität und Tempo sind es vor allem die Frankfurter Hassattacken. Werner beklagt, dass Rösler gegen Aachen ein unauffälliges Spiel absolviert hat (kein absichtliches Umfallen, kein Anbrüllen des Gegners und keine Verbalattacken gegen gegnerische Trainer) und kommt zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass die Methode Frankfurt wirkt. „Auch eine Reaktion darauf ist, dass wir seitdem in jedem Spiel einen Top-Schiedsrichter aus der Bundesliga haben.“ wird Werner in der BILD zitiert. Und das geht ja gar nicht. Einen Top-Schiedsrichter. Wo kommen wir denn dahin?

Aachens Trainer Funkel, ein guter Bekannter in Frankfurt, wird auf der Seite der ARD-Sportschau wie folgt zitiert: „Wir haben uns zu wenige Tormöglichkeiten erarbeitet. Allerdings hätten wir nach dem Handspiel von Tobias Levels einen klaren Elfmeter bekommen müssen.“ Sowas aber auch.

Der eigentliche Skandal der letzten Woche aber steht im Zusammenhang mit dem Auswärtsspiel der Eintracht bei Sankt Pauli. Während der Partie wurde Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler von einer Kassenrolle getroffen. Nach kurzer Unterbrechung konnte Schwegler weiter spielen; der Übeltäter aber stellte sich nach zunächst geglückter Flucht einige Tage später. Nun folgte dieser Tage das Urteil seitens des DFB. 5.800 Zuschauer müssen beim Heimspiel gegen den KSC draußen bleiben, geschätzter Einnahmeausfall 63.000 Euro; zudem trägt Sankt Pauli die Kosten des Verfahrens. Dies verwundert, da weder der Verein, noch 5.799 Fans in irgendeiner Form Schuld daran tragen, dass die Kassenrolle geflogen ist – zumal diese laut Werfer nicht als Wurfgeschoss eingesetzt wurde, sondern sich abrollen sollte. Nutznießer dieser Situation ist ungewollt der Karlsruher SC, der im Auswärtsspiel bei St. Pauli auf eine leere Kurve spielen darf. Ähnlich wie Ingolstadt unverhofft in die Situation kommt, bei Dynamo Dresden in einem leeren Stadion antreten zu dürfen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie es sein kann, dass nach einer sicherlich unschönen Situation bei dingfest gemachten Übeltäter sowohl der Verein als auch eine komplette Heimkurve bestraft wird – und was mit dieser Strafe bezweckt wird, zumal es den Anschein hat, dass der Kassenrollenwurf eher unter die Abteilung dumm gelaufen einzuordnen ist; immerhin gehörten die flatternden Bände auch zur Choreo vor Spielbeginn. Es sei hier noch einmal darauf hingewiesen, wie der DFB im Falle Hoffenheim und der von allen Instanzen der TSG völlig unbemerkt im Stadion installierten Hochfrequenzlärmmaschine reagierte: Das Vorgehen des Mitarbeiters stellt zwar ein unsportliches Verhalten dar, ist allerdings als geringfügig einzustufen. Ergo wurde das Verfahren eingestellt. Interessant dabei ist sicherlich die Tatsache, dass in Hoffenheim gegen den Übeltäter ermittelt wurde und der Verein fein raus war, weil auszuschließen war, dass Hoffenheimer Verantwortliche von der Beschallungsaktion wussten beziehungsweise in irgendeiner Weise an ihr beteiligt gewesen seien. Und wie war das jetzt bei Sankt Pauli?

Dresden.

Wurde Dynamo nach den Vorkommnissen beim Pokalspiel in Dortmund zunächst für die kommende Pokalrunde ausgeschlossen, so wurde dieses Urteil nun kassiert und die Bestrafung anderweitig vorgenommen: Keine Heimfans gegen Ingolstadt und keine Gästekarten – bei der Eintracht. Der Einnahmeverlust von 5.000 Zuschauern muss Eintracht Frankfurt ersetzt werden. Dazu kommt eine Geldstrafe von 100.000 Euro.

Dies hat neben Organisationsschwierigkeiten bei der Eintracht (immerhin hatte der Vorverkauf schon begonnen) zur Folge, dass Dresdner, die schon Karten für das Spiel besitzen nur ohne Fanklamotten das Stadion betreten dürfen – und je nach eigenem Organsiationsgrad entweder verteilt in der Arena sitzen oder sich stillschweigend in den von Frankfurtern weniger frequentierten Bereichen sammeln – in der Ostkurve. Obgleich sich viele Eintrachtler in punkto Strafmaß mit Dynamo solidarisieren, sind die Vorfälle aus dem Hinspiel natürlich unvergessen: Während die Frankfurter Ultras ein Banner mit der Aufschrift Bomben auf Dynamo präsentierten, konterten Teile des Dresdner Anhangs mit Juden Frankfurt oder Ihr seid nur Dönerverkäufer. Und wer in einem Fußballstadion (und nicht nur dort) den Begriff Jude als Schimpfwort nutzt, zeigt eindeutig, wessen Geist dahinter steckt. Die Antwort Nazischweine war folgerichtig. Wobei festzuhalten ist, dass beileibe nicht alle Dresdner eine rechte Gesinnung an den Tag legen oder gar Nazis sind – oder sich an den Vorkommnissen in Dortmund beteiligt haben. Dennoch ist damit zu rechnen, dass es in der Arena neben Solidaritätsbekundungen durchaus zu Provokationen jeglicher Art kommen kann und dann wären Reaktionen wenig verwunderlich – und da die Dresdner nicht geschlossen im Block sein werden, sondern sich im Stadion verteilen, könnte man meinen, dass etwaige Konfrontationen durchaus gewollt sind, um Argumente zu bekommen, sowohl die Frankfurter als auch die Dresdner DFB-Problemkinder weiterhin zu sanktionieren.

Bestraft wird hier die Eintracht, die neben optionalen Einnahmeverlusten (für den Fall, dass mehr als 5.000 Dresdner nach Frankfurt gekommen wären) auch eine organisatorische Mehrarbeit erbringen muss; bestraft werden aber auch wie in Sankt Pauli diejenigen, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Und bestraft werden auch die Eintrachtfans, die in den Postleitzahlen-Regionen wohnen, welche vom Verkaufsstopp betroffen sind und sich – wenn überhaupt – nur über Umwege Tickets für ihre Mannschaft holen können. Und offen bleibt, wie die Reaktionen der Dresdner in Frankfurt ausfallen – denn zu glauben, sie würden nicht anreisen ist eine Illusion. Mal ganz davon abgesehen, inwiefern die Strafe von Dynamo in Relation zu den tatsächlichen Vorfällen in Dortmund steht; interessantes dazu schreibt Nachdenker in Post 132 ff im Eintracht-Forum.

Durch die Sanktionen gegen Sankt Pauli und Dynamo Dresden werden also nicht nur die Vereine und Fans für Verfehlungen einzelner in Sippenhaft genommen, sondern sogar unbeteiligte Teams könnten die Auswirkungen der Urteile unmittelbar spüren. Dies betrifft in diesem Falle nicht nur die Eintracht, sondern auch andere Vereine. Während der KSC und Ingolstadt die schweren Auswärtsspiele in Hamburg resp. Dresden also unter (Teil) Ausschluss der jeweiligen Heimfans austragen dürfen, mussten oder müssen die Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt – wie der FSV Frankfurt – diese Partien natürlich gegen die Heimkurven austragen. Sprich die ausgesprochenen Strafen greifen unmittelbar in den laufenden Wettbewerb ein und könnten im ärgerlichsten Fall Dinge entscheiden, die mit den ursprünglichen Aktionen nichts gemein haben. Dies jedoch wird in Hoffenheim niemanden interessieren. Die TSG spielt in einer anderen Liga. In jeder Hinsicht.