Ein Sammelsurium aus dem angebrochenen Leben

Das Schweigen der Blogger

Journaille sagen die einen, Deutsche Presse halt die Fresse die anderen. Doch auch die unkommerzielle Berichterstattung über Bundesligaspiele ist nicht immer ganz einfach – oder wird gar reglementiert. Hellhörig wurde ich, als DA im Blog_G einen Beitrag auf Journalist Online verlinkte, der uns nonchalant mitteilt, dass in die AGBs diverser Bundesligavereine und so auch bei der Eintracht still und leise eine Passage eingeflossen ist, welche besagt, dass eine Berichterstattung aus dem Stadion nur mit Genehmigung der Eintracht möglich ist. Dies betrifft in erster Linie Blogger oder User einer Internetplattform wie das Forum der Eintracht.

12.1
Der Aufenthalt im Stadion zum Zwecke der medialen Berichterstattung über die Veranstaltung (Fernsehen, Hörfunk, Internet, Print, Foto) ist nur mit Zustimmung von Eintracht Frankfurt und in den für Medienvertreter besonders ausgewiesenen Bereichen zulässig.
12.2
Es ist Ticketinhabern daher ohne vorherige Zustimmung von Eintracht Frankfurt nicht gestattet, Ton, Fotos, Videos, Beschreibungen oder Resultate des Spiels aufzunehmen, es sei denn dies erfolgt ausschließlich für private, nicht-kommerzielle Zwecke. In keinem Fall ohne Zustimmung von Eintracht Frankfurt erlaubt sind die öffentliche Verbreitung und/oder Wiedergabe von Ton-, Foto-, Film- oder Videoaufnahmen, insbesondere über das Internet oder andere Medien (einschließlich Mobilfunk) oder die Unterstützung anderer Personen bei derartigen Aktivitäten.

Inwiefern solche Passagen rechtlich zu halten sind, müssen die Fachleute klären; dass solch ein Passus den Vereinen ein Instrumentarium in die Hand gibt, eventuell missliebige Töne rund um das Spielgeschehen zu reglementieren das andere. Bislang ist mir nicht bekannt, dass Eintracht Frankfurt auch nur in einem einzigen Fall einem Blogger oder User in die Parade gefahren ist – und ich gehe schwer davon aus, dass dies auch fürderhin nicht der Fall sein wird. Dennoch wirkt dieser Passus wie ein verstecktes Damoklesschwert, um die Tendenz der freien Meinungsäußerung zu unterbinden. Und das geht gar nicht. Bei St. Pauli wurde dieser Teil der AGBs nach Protesten von Bloggern geändert. Wollen wir doch mal schauen, wie die Eintracht reagiert.

16 Kommentare

  1. DA

    Echt krass. Erst dachte ich an Dich und Kid, was schlimm genug wäre, aber das betrifft ja uns alle. Jedes Foto. „Ticketinhaber“ – das kann doch nicht wahr sein.

  2. Beve

    vor allem musst du laut text deinen fotoapparat bei der eintracht anmelden.

    „Geräte oder Anlagen, die für solche Aktivitäten benutzt werden können, dürfen ohne vorherige Zustimmung von Eintracht Frankfurt nicht ins Stadion mitgebracht werden.“

  3. ring2

    Wünsche euch viel Erfolg. Imho ist das private Bloggen, Twittern oder Facebooken sogar noch mächtiger, als die oft zitierte Pressefreiheit, weil idR keine kommerziellen Interessen mitschwingen.

    In diesem Sinne ein augenzwinkerndes YNWA ;)

  4. Beve

    danke; immerhin existiert bei der eintracht schon die passage, dass private, nicht kommerzielle beschreibungen erlaubt sind. nur bei den fotos und dem anmelden, da komme ich schwer ins grübeln.

  5. skFFM

    Bin ich der Einzige der bei „missliebige Töne rund um das Spielgeschehen zu reglementieren“ zuerst an die TSG Hochfrequenz denken musste? SCNR :-P

    Das mit St.Pauli hatte ich mitbekommen und ich finde es gut, daß der Verein entsprechend reagiert hat.

    Ich hoffe, daß man in Frankfurt das Ganze nicht tatenlos hinnimmt, sondern alle Betroffenen (Betreiber von Blogs wie auch deren Leserschaft= viele) sich gemeinsam/jeder einzeln für eine Lösung wie bei St. Pauli stark machen. Immerhin gilt es Platz 1 zu verteidigen:

    „Bei keinem anderen Club der 1. Fußballbundesliga werden mehr Interneteinträge verfasst als über Eintracht Frankfurt. Dies ergab eine Studie des Forschungsunternehmens Primus Inter Pares.“ http://www.eintracht.de/aktuell/32580/

  6. Beve

    wahnsinn, ein verein der rekorde.
    die berichterstattung innerhalb der blogs scheint hier ja nicht das problem zu sein; es sind die fotos. skffm, zeig mir doch grad mal die genehmigung :-)

  7. Stefan

    „danke; immerhin existiert bei der eintracht schon die passage, dass private, nicht kommerzielle beschreibungen erlaubt sind. nur bei den fotos und dem anmelden, da komme ich schwer ins grübeln.“

    Dann pass schön auf, dass auch nicht das klitzekleinste Werbebannerchen in deinem Blog auftaucht. ;)

  8. Beve

    :-)

  9. rotundschwarz

    Ach du liebes bisschen. Danke fürs Hervorholen.

    „Es betrifft nicht nur Kid und Beve, sondern uns alle“ und, mein lieber DA, es ist kaum zu glauben, sogar alle anderen Blogger, gelle ,-)

  10. skffm

    Hmm…nicht daß am Ende die „Online-Fan-Berichterstatter“ zugunsten der klassischen, alten Medien/Presse(-Partner des Vereins) ausgebremst werden… Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  11. pia

    im moment ist bei mir nur noch kopfschütteln …
    die haben doch alle nen dubben.

  12. andreas

    Darf ich dann auch nicht mehr aus dem Stadion twittern?

    • Daniel

      Nein. Und erinnern darfst du dich auch nicht unbegrenzt daran.
      Nach wie vielen Jahren dus vergessen musst wird noch entschieden.

  13. Fritsch

    Einstiller Vorgang, der nach einem lauten Schrei verlangt. Sobald das Kopfschütteln vorbei ist. Unglaublich!

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

  14. Schnellinger

    Bei der Eintracht hab ich da ja weniger Bedenken, mitdenen kann man zur Not noch reden, aber zB. bei deinem Bericht über das FIFA-WM-Endspiel mit Fotos dachte ich mir auch schon ’naja, ob das mit deren restriktiven Bedingungen vereinbar ist?‘

  15. Beve

    Die Passagen existieren nach Rücksprache schon länger und der gemeinte Adressat ist die eigentliche Sportpresse. Dennoch könnte eine Änderung der Formulierung zur nächsten Saison hin ein Thema sein, um den Sachverhalt präziser zu formulieren. Schnellinger, auf die Idee kam ich nicht. Aber ich würde ja auch bedenkenlos nach dem Pokalsieg mein Remingtontrikot mit dem HSV tauschen :-)

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