Manchmal schlendert man durch die Stadt und entdeckt irgendetwas, das allem Anschein nach eine Geschichte verbirgt, die sich zunächst nicht offenbart – doch welche mag es sein? In loser Folge wird hier fortan das ein oder andere Mysterium aufgeklärt, das sich mitten unter uns verbirgt.

Dem aufmerksamen Betrachter – und nur diesem – fällt im Oeder Weg seit einigen Wochen möglicherweise das ein oder andere Vogelhäuschen auf, welches in luftiger Höhe an einer Kastanie hängt. Buntbemalt harren die hölzernen Kistchen ihrer Gäste, ein Schild weist darauf hin, dass hier jemand ne Meise hat. Aha, Meisen sollen hier also den Sommer verbringen. Doch wozu?

Der Blick ins weltweite Netz hilft schnell weiter. Hier geht’s nicht nur um Vögel, hier geht’s vor allem um die Kastanie und deshalb um  die Motte. Die Miniermotte, um genau zu sein. Um ganz genau zu sein, geht es hier um die Rosskastanienminiermotte. Und die hat es in sich. Obgleich der Lümmel erst 1984 erstmals in Europa entdeckt wurde, sind die Auswirkungen der Existenz dieser Motte gewaltig. Sie legt ihre Eier auf den Blättern der Rosskastanie ab, die daraus entstehenden Larven entziehen den Blättern die Nährstoffe; die Blätter werden braun und sterben ab. So erklären sich die traurigen Anblicke der Kastanienbäume in den letzten Jahren.

Was hat dies aber nun mit einem Vogelhäuschen zu tun?

Ganz einfach: Die Miniermotte hat nur wenige natürliche Feinde – doch die Meise gehört dazu. Diese Erkenntnis nutzten die Dr. Marschner-Stiftung, die Bürgerstiftung und das Grünflächenamt um gemeinsam mit Kindern des Nordends die Vogelhäuschen zu bemalen und in die Kastanien zu platzieren. Die Frankfurter Rundschau hat das Projekt bereits im April vorgestellt, an mir ist es damals vorbei gegangen. Die Meisen sollen kollektiv der Rosskastanienminiermotte auf den Pelz rücken und so ihren Teil dazu beitragen, dass die Kastanien von der Plage ein wenig befreit werden. Ob es eine spürbare Besserung gibt, werden wir sehen, ich halte euch auf dem Laufenden. Und bin selbst gespannt, wie sich die Meisen schlagen werden. Günstiger Wohnraum ist ihnen sicher, genug Futter ist auch vorhanden. Das kann nicht jeder im Nordend von sich behaupten.