Die Zeil, Frankfurts bekannteste Fußgängerzone und umsatzstärkste Straße -womöglich in ganz Deutschland- beherbergt vor allem Filialen bekannter Ketten und unterliegt einem steten Wandel.  Die Älteren werden sich erinnern, dass einst sogar die Straßenbahn hier entlang gefahren ist und sie nicht immer Fußgängerzone war, die Zeil – von Neufrankfurtern zunächst gerne als Zeile bezeichnet, bis sie merken dass Zeil kein Slang sondern der Eigenname ist. Noch vor wenigen Jahren prägten die Hauptpost, Ammerschläger oder das Kaufhaus M. Schneider das Straßenbild, heute fällt vor allem das Kaufhaus mit dem Loch auf – MyZeil. Die Mietpreise pro Quadratmeter sind astronomisch – aber die Optik des Gebäudes reizt zum Fotografieren. Jahre zuvor war die Zeilgalerie das große Ding – Les Facettes geriet vor allem durch die betrügerischen Tätigkeiten des Bauherrn Jürgen Schneider in die Schlagzeilen. An der Konstablerwache, dort wo schon lange eine Burgerbraterei zu finden ist, gab es vor Jahr und Tag eine Discothek namens Höhenkoller. Ein paar Schritte weiter unten wurden die Worte Ksst, suchst du legendär. Hinter der Zeil Richtung Main verläuft die Straße  Holzgraben. Dort können wir noch die Reste des Kaufhaus Wronker entdecken, das im Krieg nahezu vollständig zerstört wurde. Die Ruinen wurden in einen Neubau integriert. Gegenüber entdecken wir noch Kriegstrümmer auf einem Dach.

Im Rahmen der Umgestaltung der Zeil mussten in der Mitte die alten Buden wie der Birmingham Pub weichen, schicke Neubauten sollen den Einkaufenden zum Verweilen einladen – so auch das Worschtquartier, ein grauer Kasten mit geerdetem Angebot. Currywurst. Pia sagte noch, komm wir essen ne Bratwurst auf dem Bauernmarkt – aber ich wollte die Gelegenheit nutzen, im Herzen der Stadt die Currywurst zu testen. Da Nick noch dabei war, orderten wir die Maxiversion, zwei Currywürste (Brat- und Rindscurry), Pommes und ein Getränk für 7,90 – die Einzelvariante hätte mit 5,90 zu Buche geschlagen – auf den ersten Blick ein akzeptabler Preis mitten in der Stadt.

Wenig später bekamen wir eine Schale in der die beiden geschnittenen Würste überdeckt von reichlich Soße und Curry gereicht wurden, die Fritten in einem extra Schälchen dazu. Ketchup und Majo obenauf. Ich probierte zunächst die Pommes. Lauwarm und ohne Biss. Ach deswegen hat er mich gefragt, ob die Pommes ok sind meinte Pia – sie waren nicht ok und ich marschierte schnurstracks zur männlichen Bedienung. Auf meine Frage, ob es sein könne, dass die Pommes schon länger liegen, antwortete er erfrischend spontan und ehrlich: Ja, deshalb habe ich ja auch nachgefragt. Ok, das macht man zwar nicht, aber wir hätten auch nein sagen können – von daher gebe ich mich mit dem Angebot, eine frische Portion zu erhalten zufrieden – und probiere die Wurst.

Im Grunde wusste ich, wie sie schmeckte, als ich sie näher betrachtete. Drei Milimeter tiefe Verhärtungen zeugten von längerem Liegen auf einer Seite – und das geht gar nicht. Ich marschierte also erneut zur Servicekraft und fragte, ob es sein könne, dass die Wurst schon den halben Tag hier liegen würde. Nein nein, wiegelte er leicht gereizt ab, die Wurst läge hier seit einer Stunde, er wisse dies, da er schon seit Mittag hier arbeiten würde. Na super. Latente Feindseligkeit legte sich über die Szenerie – es fehlte nur noch dramatische Musik als wir uns in die Augen blickten. Geld zurück – darauf ließ sich der junge Mann nicht ein – er bot aber an, neue Würste zu bringen. Während wir notgedrungen auf den Nachschub warteten, unterhielt sich unser neuer Freund mit einer anderen Kundin deutlich  hörbar über uns – den Impuls, das Gespräch aufzufrischen unterdrückte ich nur mühsam.

Kurz darauf tönte es Pommes. Wurst. Ich holte beides ab; die Pommes waren frisch und leicht versalzen, die Würste nunja. Die Bratwurst hatte genau so lange auf dem Blech gelegen wie zuvor die Rindswurst und erschien nahezu ungenießbar – wie Kindermund kurz darauf bestätigen sollte. Die Rindswurst war tatsächlich frischer, so ohne Ligeverhärtung; die Soße aber sah zwar akzeptabel aus, schmeckte jedoch undefinierbar nach warmer Pansche, dass sogar die Pommes sich weigerten, getunkt zu werden , da konnte auch das darüber gestreute Curry nichts mehr raus reißen. Der Hunger trieb es rein, das wars dann aber auch. Grußlos verließen wir den Ort des Geschehens. Hätte ich nur auf Pia gehört und mir auf dem Markt eine Bratwurst geholt. Aber so weiß ich wenigstens, was Sache ist. Und ihr hoffentlich auch. Vielleicht habt ihr ja mehr Glück aber mein Fazit lautet:

Mit vollem Wissen wurden uns Lebensmittel angedreht, die schon jegliche Frische vermissen ließen – selbst wenn bei den Fritten nachgefragt wurde: so etwas macht man nicht. Die Reklamation verlief holprig, das Personal zeigte sich gegen Ende recht feindselig und die Nachbesserungen hoben das Niveau auf überschaubare Höhen. Selbst wenn die dargereichte Ware maximal Frische aufweisen würde, wäre die Qualität keine Offenbarung. So aber hat es das Worschtquartier alles in allem geschafft, sich in der Skala mit weitem Abstand ganz unten anzusiedeln:

1 von 5 Cupos

sind der verdiente Lohn, den Punkt gibt es für die Fanta, die war in Ordnung.

Hier findet ihr die anderen Tests.

 

Mahlzeit.