Es ist noch gar nicht so lange her, da hieß die Ecke Güterplatz und die Straße führte zur Rückseite der Festhalle und dann ins Nirgendwo. Weiter hinten dämmerten Rebstock und die Kuhwaldsiedlung, darunter dockte das Gallus an. Alles dominierend flutete die Messe das Gelände, doch seit Jahren wird gebaut. Zuerst gab es eine Allee, die Europa-Allee, darunter macht es ein Frankfurter ja nicht und dann kamen die Hotels. Zur Zeit wachsen an der Osloer Straße neben dem Messeturm die Hochhäuser gen Himmel, Bauarbeiter und Banker teilen sich die Baustellen und in der Aprilsonne liegt die Frankfurter Worschtbörse, ein zum Imbiss ausgebauter Bus mit hölzernem Wintergarten an der Seite. Ein paar Meter daneben die Freifläche zum Draußensitzen – mit Blick auf Baustellen und Banken. Frankfurterischer kann ein Blick nicht sein. Die Geschichte zum Imbiss ist schnell erzählt: Ein Millionenschwerer Banker wird Ende 2008 gefeuert und macht sich daraufhin selbstständig – als Currywurstbudenbesitzer. Die Zeitungen schreiben Artikel und die umliegenden Arbeiter und Angestellten  haben eine Option der Mittagspause mehr. Doch die alles entscheidende Frage lautet: Was taugt die Wurst?

Ein sonniger Frühlingstag gegen halbzwölf: Ich parke den Golf illegaler Weise am Zaun einer Baustelle, marschiere über die Straße und betrete den aus Holz gezimmerten Wintergarten, der den Gast auch bei schlechtem Wetter im Trockenen bestellen lässt. Der Blick auf die Karte verrät wenig Sperenzchen; Wurst und Pommes bedingen das Kerngeschäft; wer möchte kann auch einen Eierlikörkuchen bestellen. Ich ordere bei den freundlichen beiden Frauen hinter dem Tresen eine schlichte Rindscurry mit Pommes. Sofort kommt die Erklärung, dass die Fritten vier Minuten dauern würden: das ist mir recht, immerhin bedeutet dies: Frischware. Noch bin ich alleine, auf der Bratfläche schlummern allerdings jede Menge Würste; es scheint, man bereitet sich auf den Ansturm des Mittags vor. Ketchup oder Mayo für die Pommes lehne ich ab – und bin gespannt, was sich tun wird.

Auf die Sekunde vier Minuten nach Order bekomme ich ohne weitere Nachfragen meine Wurst. Sie liegt in einem Pappschälchen mit einem Holzpicker, in einem weiteren Schälchen werden meine Pommes serviert, dazu gibt es eine Serviette – und kostet zusammen günstige vier Euro. Eine Person am Tresen wünscht mir einen guten Appetit und ich bedanke mich artig. Es ist kein Gast, es ist der Inhaber, der noch vor einigen Jahren in einem der umliegenden Wolkenkratzer mit Zahlen statt Würsten handelte. Alles sieht – obgleich es mehr Öko geht – tatsächlich recht appetitlich aus und ich trage meine Errungenschaft in die Sonne. Hochhäuser beobachten mich, der die erste Pommes probiert und feststellt: So geht Pommes heute: heiß, salzig – nichts zu meckern. Die Wurst ist ordentlich geschnitten und mit Ketchup überdeckt, worauf leuchtend gelbes Curry gestreut ist. Es scheint sich um die klassische Variante „DAX“ zu handeln, eine eher versteckt angebrachte Tafel zeigt, dass ich auch  die Version „Nikkei“ hätte wählen können. Oder Barbecue – hier Dow Jones genannt. Ich bin aber mit DAX ganz zufrieden.

Der Ketchup und das Curry ergänzen den Geschmack der Wurst, die auf den Punkt gebraten daher kommt; ein Beweis dafür, dass eine Currywurst aus Curry und Wurst bestehen kann und beides zu schmecken ist. Die Bissfestigkeit ist tadellos, die Kombination ergibt im Mund einen gefälligen Geschmack, der auch nach mehrmaligem Kauen keineswegs aufdringlich wirkt. Auch die Konsistenz gefällt: Bissfest ohne Weichheit oder unnötige Härten. Doch doch, hier versteht jemand sein Handwerk zumal die Wurst ordentlich geschnitten ist; kein Zipfelchen hängt am nächsten. Auch die folgenden Bissen bestätigen den runden Eindruck, der Geschmack rollt an, mengt sich und bevor sie in einem Geschmacksinferno endet und intensiv zusammenfällt rollt die Geschmackswelle sanft nach unten ab. Sehr schön.

Im Fazit lässt sich sagen, dass die Wurst auf den Punkt gebraten und schmackhaft daher kommt. Gewürzt mit der perfekten Menge an Curry und Ketchup gibt es kleine Abzüge im Ökobereich und durch die Tatsache, dass ich ein großer Freund selbstkomponierter Soßen bin, die das Geschmackserlebnis noch toppen könnten. Wohlgemerkt: Könnten. Die Pommes sind so, wie sie sein sollten und im Hintergrund erspähte ich sowohl Brötchen als auch Brot, so dass für jeden etwas dabei sein sollte, zumal vier Euro ein günstiger Preis ist. Wer hierher kommt, der macht nichts verkehrt; ich komme auch wieder und vergebe gerne

4 von 5 Cupos

Auch wenn es hier wieder einmal Worscht und keine Wurst gibt, auch wenn hier mediale Präsenz zum Verkaufskonzept dazu gehört, so steht nicht die Inszenierung im Vordergrund, sondern die Speise – und genau so muss es sein.

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