Raus aus den Federn, die Sonne lacht. Eigentlich wollte Pia heute ja Richtung Neal Street zum Shoppen, wobei wir ja schon in Vintagemärkten, Lillywhite, Banksyshops oder Rough Trade waren, aber das zählt irgendwie nicht richtig. Ich wollte rüber nach Lambeth ins Imperial War Museum. Aber angesichts des Wetters entscheiden wir uns für einen weiteren Ausflug nach Notting Hill, diesmal unter der Woche – mal schauen, wie es dann so aussieht.

Heute mussten wir nach dem Frühstück unser Zimmer räumen, und so stellen wir unser Gepäck in den Frühstücksraum. Und schon sind wir wieder auf den Straßen und nehmen den lieb gewonnen 148er Bus. Hochroutiniert halten wir die Oystercard an das Lesegerät, wandern nach oben und blicken nahe dem Hyde Park aus dem Fenster in die strahlende Sonne. Wie selbstverständlich rollen wir die nun mehr altbekannte Strecke entlang, die wir erst vor zwei Tagen zum ersten Mal gefahren sind. In den Schaufenstern werden Aston Martins oder schicke BMW offeriert, einen Dacia Händler suchen wir hier vergebens. Die schwarzen Taxis und die roten Busse schieben sich Meter für Meter voran, auch dies ein selbstverständliches Bild, welches in wenigen Stunden nostalgische Erinnerungen auslösen wird.

Am Notting Hill Gate steigen wir aus, wandern die Pembridge Road entlang und biegen in die Portobello Road ein. Welch ein Unterschied zu Samstag, als sich hier die Massen um jeden Zipfel Straße balgten. Die Straßenstände sind verschwunden, sie warten auf ein nächstes Wochenende und die bunten Häuschen leuchten in die Sonne, auch die Ladenschilder glänzen einladend im Lichte des frühen Morgens, einige Rolläden sind noch unten, man erkennt Graffitis, die sonst verborgen bleiben. Die ersten Blüten künden vom kommenden Frühling.

Irgendwo hier müssen doch Hugh Grant und Julia Roberts die Gassen entlang schlendern, wir halten die Augen offen. Aber auch im inoffiziellen Banksyshop treffen wir sie nicht. Heute ist hier kaum etwas los, wir können uns in Ruhe umschauen und halten beim Verlassen des Ladens natürlich ein Tütchen in den Händen. Selbstverständlich mit einem Shirt drinnen, was habt ihr denn gedacht?

Während vor knapp einem Jahr Fidget Spinner noch der letzte Schrei waren, erinnert ihr euch, werden nun in etlichen Läden Chucks bemalt. In den Straßencafés herrscht ruhiger Betrieb, ein gemächlicher Alltag geht seinen Weg. Falls ihr mal hier in der Gegend seid, kommt unter der Woche in die Portobello Road, am besten, wenn die Sonne scheint – ihr werdet einen wunderbar entspannten Tag hier erleben können – und falls ihr mal eine Toilette heimsuchen müsst, die öffentlichen Häuschen sehen nicht nur putzig aus, sie sind auch genießbar. Nur schließt euch nicht ein.

Wenn ihr die Westbourne Park Road überquert, schaut kurz nach links. Die blaue Tür an der Hausnummer 280 ist recht unscheinbar, aber genau hier wohnte Hugh Grant im Film Notting Hill und plagte sich mit Julia Roberts herum. Natürlich müssen wir ein Foto machen, wir sind ja echte Touristen. Mit Hang zu Independent natürlich, aber Touristen. Und diese Touristen nehmen noch einen Tee vor dem bunt bemalten Portobello Juice und blinzeln in die Sonne. So ganz langsam naht der Abschied und eine leichte Unruhe beschleicht uns, ihr wisst ja, wie das ist, wenn der Flieger am letzten Tag einer Reise wartet. Wird alles klappen, kommt die Tube, haben wir den richtigen Flughafen in Erinnerung? Ich schiebe die Gedanken beiseite, genieße die letzten Momente in London. Aber wir brechen auf, nehmen ein letztes Mal für dieses Jahr den 148 Bus und rollen Richtung Victoria Station, grüßen ein letztes Mal den Hyde Park.

Da es im Flieger nichts zu essen geben wird, nehmen wir am Tarchbrook Market ein letztes Curry zu uns, bevor wir uns herzlich von unserer Gastgeberin verabschieden und uns schon jetzt auf den neuen Besuch freuen. Ich schultere meinen Rucksack, Pia zieht ihr Rollköfferchen hinter sich her und so marschieren wir die Belgrave Road nach oben. Wir laufen durch die Eisenbahnstation zur Tube und müssen aufpassen, die richtige Bahn zu erwischen. Mit der District Line geht es zunächst nach South Kensington, dort steigen wir um Richtung Heathrow. Aber passt auf, nicht alle Linien der Picadilly Line fahren auch dorthin, manche fahren von Acton Town weiter nach Uxbridge. Eine Bahn kommt, wir springen hinein – und verlassen sie in der Gloucester Road wieder. Da wir das Eingangschild nicht lesen konnten, entdecken wir erst drinnen, dass dieser Zug nicht nach Heathrow fährt. Wenigen Sekunden später kommt auch schon der richtige, wir haben Glück und können uns setzen, die Reise dauert bald eine Stunde. Über Hammersmith und Hounslow rollen wir Richtung Terminal 5, eine letzte Cigarette und schon liegt London hinter uns. Wir sind gut in der Zeit, müssen keine Pässe vorzeigen, passieren den Securitybereich zügig und sind sogar im Gegensatz zum vergangenem Jahr am richtigen Flughafen, wir entspannen.

Das Boarding ist pünktlich, die Reisenden werden nach und nach eingelassen, wir gehören zur letzten Gruppe und sind tatsächlich die allerletzten, die einsteigen. Bald heben wir ab, London verschwindet unter unseren Blicken und alsbald sind wir über den Wolken. Die Zeit vergeht wie im Flug, als wir in Frankfurt landen, geht die Sonne just im Moment unter – und kaum sitzen wir in der S-Bahn, ist es stockdunkel. Die Bahn fährt nur bis zum Hauptbahnhof, da der Theatertunnel gesperrt ist. Hat im Flughafen schon der Automat keinen 10 Euroschein genommen, so wird dies der jungen Frau nicht passieren, die hinter uns die Fahrgäste nach Kleinigkeiten anspricht. Wir landen oberirdisch, sprinten durch den Bahnhof zur Münchner Straße, um die Straßenbahn der Linie 12 zu erwischen, dies gelingt auch tadellos und so rumpeln wir die altbekannten Wege entlang durchs nachtdunkle Frankfurt. Hinter uns sitzt ein Mann, den Kopf im Nacken. Aber er schnarcht, also lebt er. Vor ihm auf den Sitzen hat er in einem Bäckereikorb seine Habseligkeiten platziert. Einen Schuh, zwei leere Dosen Bier und ein Verlängerungskabel. Frankfurt du hast uns wieder. Aus dem Fenster blickend sehen wir keine roten Busse und keine schwarzen Taxis. Wir kommen heim, mit Bildern und Erinnerungen und Erlebnissen und so Gott will, sind wir bald wieder unterwegs. Solange es noch geht. Immer und immer wieder. Und vielleicht berichte ich auch wieder hier darüber.

In diesem Sinne: Happy travelling, wo immer es auch hingeht. Und bleibt uns gewogen. Es grüßen, auch den Eintracht Podcast, der seine 300. Sendung gefeiert hat: Beve und Pia.

London 2018 Tag 1

London 2018 Tag 2

London 2018 Tag 3