Der Samstag morgen begann früh, immerhin stand vor dem Auftritt der Eintracht noch der Besuch bei Freunden in Ladenburg an, einem kleinen Ort in der Nähe von Heidelberg – und so waren wir wieder einmal unterwegs, die Pia, der Dacia und ich.

Gemeinsam mit The Beauty of Gemina und Kari Rueslåtten rollen wir nach einem kurzen Tankstopp auf die A5, ohne nennenswerte Zwischenfälle erreichen wir kurz nach zehn Ladenburg, parken an der Realschulstraße und nutzen die Zeit für einen Stadtspaziergang zum Bahnhof, um weitere Freunde abzuholen – sogar zu einem kurzen Weg am Neckar hat die Zeit gereicht. Brot und Salz zum Einzug, Brunch vom Feinsten – und schon rollen wir über die Landstraßen Richtung Sinsheim. Herbstwaldstraßen, Gaiberg, Bammental, heißen die Orte, die uns zum ersten Mal sehen, zwischendrin leuchten die Herbstbäume in allen grünbraunorange Schattierungen bis wir über Hoffenheim Sinsheim erreichen, uns durch den Ort schlängeln und hinten am Schwimmbad parken. Trotz Großbaustelle hat der Parkplatz geöffnet und schon laufen wir Richtung Stadion, ein für unsere Verhältnisse überschaubarer Weg.

Spiele in Hoffenheim sind ja so eine Sache: Einerseits braucht kein Mensch diesen Verein in der ersten Liga, andererseits ist es nicht weit und die Eintracht spielt  – und so marschieren wir mit etlichen Unentwegten über die Autobahn schnurstracks dem Einlass entgegen. Erstmals haben wir hier Sitzplatzkarten, der Eingang ist aber der gleiche wie für die Steher, wir umwandern den Zaun, welcher den Gästebereich vom Heimbereich trennt, winken den Busfahrern und stellen uns an der Treppe an. Der Einlass ist wie immer hier etwas nervig, aber kein Drama. Du schiebst dich die Treppen hoch, wirst durch zwei metallene Flügel geschleust und an die Ordner verteilt, kurzes Abtasten, Karte in den Leser und rein.

Unsere Plätze sind relativ weit oben, links neben unten die Stehränge. Auf dem Rasen liegt ein aufblasbarer AOK-Ball neben den einmarschierenden hiesigen Fahnenschwingern und bei der karaokesken Einblendung der Hoffenheimer Hymne auf der Anzeigetafel wird das gesungene Wort „Arsch“ durch drei … ersetzt. So geht Fair Play im Kraichgau. Derweil wackeln an den Ecken diese aufblasbaren Werbeplastikfiguren debil umher, die so zusammensacken und wieder gerade stehen, tänzelnd,  – wie bei uns vor zwanzig Jahren; was es bei uns seinerzeit nicht besser macht.

Die Anzeigetafel winselt übrigens während des gesamten Spiels um Aufmerksamkeit, sie blinkt und tönt flackernd vor sich hin und dieses Flackern im Augenwinkel lenkt permanent vom Spiel ab, irgendwann zieh ich dem Ding den Stecker. So geht Fairplay in Frankfurt.

Die Eintracht in schwarzweiß, Hoffenheim in blau, so geht es los. Stendera von Beginn an, Hasebe auf der Bank, es entwickelt sich ein Spiel auf Augenhöhe mit vielen Abspielfehlern und wenig Möglichkeiten. Bis sich Boateng dem Ball vom Gegener schnappt und kurz und trocken aus gefühlten 20 Metern einschweißt, nach dem Motto: „Gib mal den Ball her, ich mache jetzt ein Tor“. Die Stimmung steigt, das Spielniveau hält sich. Die größte Torchance für den Gastgeber eröffnet Hradecky, der den Ball etwas verunglückt zu Uth kickt, der sofort Wagner bedient, der aber nur den Pfosten trifft. Also, er trifft schon den Ball, dieser aber rollt an den Außenpfosten und verabschiedet sich zum Abschlag. Hoffenheim hatte zwar mehr Ballbesitz, die Eintracht das ein oder andere Chancechen und so war die Führung zur Halbzeit schon in Ordnung.

In Halbzeit zwei übernahm die TSG das Kommando, die Eintracht kam kaum zu Entlastungsangriffen, etliche Zuspiele aus der Abwehr erreichten kaum ihren Mann und so rannte Hoffenheim allerdings eher konzeptlos an, Strafraumszenen waren Mangelware und wenn mal was aufs Tor kam, stand Hradecky jetzt sicher. Dennoch schien es nur eine Frage der Zeit, bis der Ausgleich fiel, zu wenig arbeitete die SGE nach vorne. Wenigstens verrinnen die Sekunden. Schiedsrichter Zwayer erweist sich von Zeit zu Zeit etwas pingelig, als er Freistöße immer wieder punktgenau verlegen lässt. Die eingeblendete Tabelle weist uns auf Platz drei aus, die Frage scheint: Wie lange noch. Hasebe kommt für den schwächelnden Stendera, Haller verlässt den Platz für Jovic und der ebenfalls schwächelnde Gacinovic wird durch Fernandes ersetzt. Die stärkste Einwechslung kommt aber mit Gnabry für Rupp auf Hoffenheimer Seite, die Eintracht wankt aber sie fällt nicht. Rebic hat sogar das 2:0 auf dem Fuß, scheitert aber an Baumann.

90 Minuten sind gespielt, drei Minuten Nachspielzeit werden angezeigt, die ersten sind schon vorbei, die Eintracht in Ballbesitz in der generischen Hälfte und dann pfeift es plötzlich. Es ist Kollege Zwayer. Hoffenheim führt den Freistoß schnell aus – mindestens 20 Meter vom vermeintlichemTatort entfernt. Zwayer ist’s egal, der Ball landet vorne bei Gnabry, der zuviel Platz hat, Flanke nach innen, Uth ist dran, Tor. Abpfiff, dumm gucken.

Klar, vor dem Spiel hätten wir mit einem 1:1 gut leben können, jetzt purzelte die Eintracht von Platz drei hinab – und das Gefühl einer Niederlage beschleicht unsereins. Wobei der Punkt für Hoffenheim verdient war, die Eintracht war wie schon in Mainz nicht präsent genug, machte zuwenig nach vorne – und einer geht halt immer rein. Übermütig dürfte bei uns niemand werden, vielleicht das Beste am Spiel – neben Boatengs Knallertor. Abgang.

Kalt ist’s geworden, dunkel dazu, der Gang zum Dacia ist unspektakulär, auf dem Parkplatz nichts los. Einzig an einer Ampel Richtung Ortsmitte staut es sich ein paar Minütchen, dann geht es über die Käffer zurück nach Ladenburg. Dort sind die Mülltonnen mit schweren Schlössern gesichert. Aber es gibt eine Eintrachtgasse und einen ruhigen Alltag in einer netten Altstadt. Und es gibt sogar eine kleine Brauerei, der Braumeister klebte des Morgens vor unseren Augen sogar die Siegel noch höchstselbst auf die Einliterflaschen.

Spät am Abend sitzen wir zusammen, unsere Freunde hatten das Spiel in Heidelberg gucken wollen, bekamen aber nur die Konferenz serviert, Hoffenheim scheint hier nicht zu interessieren. Nachvollziehbar. Auch von den behaupteten 30.500 Zuschauern im vorgeblich ausverkauften Stadion waren etliche wohl auf den Jahresendmärkten der Gegend.

Spät in der Nacht rollen wir durch den Regen zurück nach Frankfurt, Hemsbach, Heppenheim, Bergstraße, Darmstadt, Heimat. Wir finden sogar im nächtlichen Nordend einen Parkplatz direkt vor der Tür – hat also alles tadellos geklappt. Nur das Gegentor wumt. Spät sehe ich doch im TV den vermeintlichen Elfmeter, der Kölns Niederlage in Mainz besiegelte – es geht also immer noch blöder. Das ist doch auch was.