Manchmal schlägt der Fußball ja seltsame Kapriolen. Hat die Eintracht vor gar nicht so langer Zeit erstmals seit knapp 50 Jahren wieder in einem Ligaspiel gegen den FSV Frankfurt gespielt, steht also nun erstmals seit 1982 ein Punktspiel gegen Darmstadt 98 an.

Zumindest was die erste Mannschaft der Eintracht angeht In der Oberliga bzw. Regionalliga trat die nun nicht mehr existente Amateurmannschaft der SGE des Öfteren gegen die Lilien an. Damals kickten wir am Riederwald oder Bornheimer Hang. Das bislang letzte Pflichtspiel der beiden Teams endete am 07.05.2011 nach einer umkämpften Partie mit 2:3 aus Sicht der Eintracht. Spielort war der Bornheimer Hang, Zuschauerzahl: 1.100. Das Hinspiel am Böllenfalltor endete nach zwei Platzverweisen für die Eintracht vor 3.000 Zuschauern mit 2:1 für die Lilien. Am Ende der Saison stieg Darmstadt in die dritte Liga auf – der Rest ist Geschichte, die U23 der Eintracht wurde aufgelöst, Darmstadt schaffte den Durchmarsch in die Bundesliga.

Der einzige Akteur, der beim letzten Aufeinandertreffen wie auch heuer dabei sein könnte ist Yannick Stark in Reihen von Darmstadt, der auch einige Zeit für die Eintracht kickte. Stark dürfte am Wochenende jedoch keine Rolle spielen. Während jedoch vor vier Jahren kaum jemand Notiz von der Partie nahm, ist dies nun anders. Das Stadion ist ausverkauft, die Jugend brennt.

Immerhin haben in den vergangenen Jahrzehnten etliche Spieler für beide Clubs gespielt, so wie nun Marcel Heller, Jan Rosenthal oder Domnik Stroh-Engel, die mehr oder weniger erfolgreich für die Eintracht spielten und nun ihre Heimat in blau-weiß gefunden haben. Lange spielte auch Jan Zimmermann in Darmstadt und wenn wir schon bei Torhütern sind, wollen wir nicht verschweigen, dass auch Oka Nikolov einige Jugendjahre dort verbracht hatte. Aber auch der langjährige SVD-Torhüter Dieter Rudolf spielte einst in Frankfurt.

Gegen Ende ihrer Karriere wechselten auch drei große Eintrachtler ans Böllenfalltor. Während Erwin Stein, Europapokalfinalist 1960, und Wolfgang Solz, Frankfurts erster „Brasilianer“, die Eintracht eher unfreiwillig verlassen hatten, kam der DFB-Pokalsieger von 1974 und 1975, Jürgen Kalb über den Umweg KSC zu den Lilien. Prompt siegte er auch gegen die Eintracht, beim bislang einzigen Bundesligasieg der Darmstädter gegen die ruhmreiche SGE, damals im April 1979. Just in dieser Saison hatte auch Bum Kun Cha sein Bundesligadebut gegeben. Nach einem einzigen Spiel für Darmstadt (3:1 gegen den VfL Bochum) rief die Armee in Südkorea, nach seiner Rückkehr in die BRD landete er bei der Eintracht. Aber auch Wolfgang Trapp, Michael Blättel, Sascha Amstätter oder Michael Anicic spielten für beide Vereine.

Natürlich wirkten auch einige Trainer hüben wie drüben, allen voran Lothar Buchmann, der mit der Eintracht 1981 Pokalsieger wurde und sich zuvor als erster Aufstiegstrainer der Darmstädter feiern lassen konnte. Jörg Berger, unvergessen, fand seine erste Trainerstation im Westen bei den Lilien – und man höre und staune: Auch Rudi Gramlich trainierte einst am Böllenfalltor.

Das ist alles Schnee von Gestern. Nach 14 absolvierten Spielen liegt Darmstadt 98 einen Punkt vor der Eintracht, hat ein Spiel weniger verloren und spielt so, wie man es erwarten konnte. Vor allem mit Leidenschaft – während man bei der Eintracht die Saison am liebsten vorspulen möchte. Statt von Europa zu träumen, scheint nun der Nichtabstieg das nächste Ziel.

Am Sonntag, den 6. Dezember spielt zunächst die U19 der Eintracht am Riederwald gegen die Lilien, Anpfiff ist um 11:00. Trainer der Eintracht ist übrigens Alexander Schur – der womöglich kommende Trainer der Profis. Abends dann das große Spiel im Waldstadion. 51.500 Zuschauer werden erwartet – 50.400 mehr als vor vier Jahren, so schnell kann es gehen.

Dieser Text entstammt der Rubrik Emotionen zurückhalten und ist betont sachlich gehalten. Für Aufregung sorgte dieser Tage ja ein Aufkleber bzw Plakat, welches von sämtlichen Medien hochbesorgt auf die erste Seite gehoben wurde. Der Fanclubverband hat darauf eine richtige Antwort gefunden, die ich euch nicht vorenthalten will:

Hallo EFCler,

Ihr habt es ja wohl mitbekommen: Im Vorfeld des Derbys gegen den SVD 98 kursiert ein Sticker „Darmstadt vernichten“, um den es gerade in allen Medien große Aufregung gibt.  Wir wurden mehrmals aufgefordert, dazu Stellung zu beziehen, dann müssen wir es wohl.

Wir interpretieren dieses Motiv nicht als einen Aufruf zu Mord und Totschlag.

Das Motiv ist eine Abwandlung des Plakats zu dem Film „Staunton Hill“ (http://m.moviepilot.de/movies/staunton-hill), einen genretypischer Splatter-Movie, wo ein geistesgestörter Dorftrottel Leute zerhackt.

Es ist ein popkulturelles Zitat, das natürlich dazu benutzt wird, um die Darmstädter Fanszene zu provozieren, dies aber in Form einer satirischen Übertreibung. Wir gehen nicht davon aus, dass sich ein Frankfurter selbst als buckligen, gestörten Mutanten, der sich an wehrlosen Frauen vergreift, beschreiben würde. Wir gehen auch nicht davon aus, dass jetzt jemand aufgrund dieses Aufklebers mit der Axt losmarschiert, dann hätten wir es mit einem echten Irren zu tun.

Sicherlich ist dieser Scherz gewaltig in die Hose gegangen, die Aufregung darum halten wir aber auch für übertrieben.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Möge der Adler majestätisch in die Lüfte steigen.