Es muss ja keine schlechte Sache sein, wenn statt des herkömmlichen Logos am Ärmel eines Bundesligatrikots ein Hinweis auf die Flüchtlingssituation angebracht ist. Nahezu befremdlich mutete es an, wenn der neue Slogan mit einem Hinweis auf die Tageszeitung das Blatt versehen ist, welches seit Tagen damit Hausieren geht – und sich im Laufe der Jahrzehnte durchaus mit gegenteiligem Output in die Herzen der Deutschen geschrieben hat.

Als bislang einzige Mannschaft hat sich der FC St. Pauli von der Aktion distanziert, will sich nicht von der BILD vereinnahmen lassen: „Der FC St. Pauli ist seit vielen Wochen auf verschiedenen Ebenen zu einem Thema, das seit Monaten alle emotional bewegt, aktiv, um den Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, zu helfen. Unser Testspiel gegen Borussia Dortmund, das private Engagement unserer Spieler sowie verschiedenste Aktionen unserer Fans und Abteilungen für die Flüchtlinge in Hamburg sind Beleg dafür. Daher sehen wir für uns nicht die Notwendigkeit, an der geplanten, für alle Clubs freiwilligen Aktion der DFL teilzunehmen. Hierüber haben wir vorab alle Beteiligten informiert. Der FC St. Pauli steht für eine Willkommenskultur und wir handeln damit auf eine Art und Weise, die unseren Club schon seit Jahrzehnten ausmacht. Wir leisten ganz praktische und direkte Hilfe dort, wo sie gebraucht wird.“

Die Reaktion St. Paulis wurde laut Bildblog vertraulich an die Redaktion der BILD geschickt, welche daraufhin unter großem Getöse dem Club, der wie kein Zweiter für eine politische Haltung steht, vorwirft, dass Flüchtlinge am Millerntor nicht willkommen sind – trotz der Tatsache, dass die BILD natürlich wissen muss, was Fans und Club in der Vergangenheit unternommen haben. Und darin zeigt sich die ganze Perfidie des Blattes, das wie immer sowohl beim Zündeln als auch beim Löschen ganz vorne dabei ist. Natürlich gibt es keine Auseinandersetzung, natürlich keine inhaltliche Kritik. Populistische Polemik ist alles was bleibt, der Tag wird kommen, an dem die BILD über kriminelle Syrer berichten wird, mit großen Fotos und roten Kreisen, während in Hamburg weiterhin die bekannte Haltung gelebt wird.

KD(Screenshot bildblog)

Viele aber lassen sich nicht für dumm verkaufen. #bildnotwelcome macht die Runde und es wäre wünschenswert, wenn andere Vereine sich gleichfalls der Aktion verweigern würden, um sich nicht vor den Karren der BILD spannen zu lassen. Die Frankfurter Eintracht hat ja schon Erfahrung, wie so etwas eigenständig aussehen kann. United Colors of Bembeltown hieß die Kampagne aus den 90ern, welche 2008 mit dem Slogan United Colors of Frankfurt wiederbelebt wurde.

tza04(Foto Fanabteilung)