Und es war dringend. Mittags hatte ich meinen Vater noch besucht, und schon dort hatte mich ein Pfleger vorgewarnt, dass er schlecht drauf sei, nichts gegessen hätte und schlafe. Als ich sein Zimmer betrat, war sein Schlaf nicht entspannt, irgendetwas stimmte nicht. Als meine Mutter später kam, schlief er immer noch. Später kam er mit einer Lungenentzündung und einer undefinierten Problematik ins Krankenhaus. Das war der Moment, als mich meine Schwester anrief – wir mussten Entscheidungen treffen.
Schlagwort: Rückblick
Kurz vor unserer Abreise nach Korfu gab ich den finalen Text zu meinem Büchlein über den Frauenfußball ab. Die aktuelle Mannschaft hingegen wechselte völlig ihr Gesicht. Von den Spielerinnen, die noch für den 1. FFC gekickt hatten, verblieben zur neuen Saison nur noch Laura Freigang und Géraldine Reuteler. Viele Gesichter, die das Team über Jahre geprägt hatten, verließen den Verein – darunter Doorsoun, Dunst, Johannes, Kleinherne, Pawollek und Prašnikar.
Weiterlesen
Die nächsten Monate standen im Zeichen des Unterwegsseins und der Musik. Wenige Tage, nachdem sich Pia den kleinen Zeh gebrochen hatte, verbrachten wir ein Wochenende in Karlsruhe, spazierten durch den Zoo, besuchten meinen alten Buddy Mustafa mal wieder und lauschten abends den Klängen von Sophie Zelmani und Band. Die Eintracht qualifizierte sich am letzten Spieltag für die Champions League, während die Eintracht-Frauen ihren Vorsprung verspielten und Dritte wurden. Immerhin. Meinem Vater ging es derweil immer schlechter – aber er hielt tapfer die Stellung.
Dieses Jahr, am 1. Dezember kurz nach 11:30 Uhr, hörte das Herz meines Vaters für immer auf zu schlagen. Für ihn war es nach dem fürchterlichen letzten Jahr eine Erlösung, für uns bleibt ein Verlust und die Erinnerung und die Traurigkeit. So ist das Leben, von dem meine Mutter zuweilen sagte: „Denkst du, es geht ewig so weiter?“. Und insgeheim hoffte ich: Ja. Immerhin hatte er unsere Hochzeit im September auf Korfu noch mitbekommen.
Eben noch am Neujahrsmorgen in der Nähe von Rostock aufgewacht, blicken wir jetzt schon auf den letzten Tag des Jahres 2024. Die Zeit vergeht – oder vergehen wir, und die Zeit kümmert sich nicht darum? However, werfen wir einen kurzen Blick auf die vergangenen 365 Tage – und zwar einen persönlichen. Politisch sei gesagt: Vieles ist ein rechtes Elend, und patriarchalischer Populismus, zudem gepaart mit Gewalt, bringt uns nicht weiter. Der Kapitalismus hat zwar einige nette Errungenschaften hervorgebracht, doch der Preis, den wir in Form der mutwilligen Zerstörung von Mensch und Natur zahlen, ist zu hoch. Es gibt keine alternativen Fakten, und Religion – bitte nehmt sie nicht so wichtig. Erzieht eure Söhne, fallt nicht auf Propaganda herein und haut der Springerpresse genauso auf die Finger wie den Lügenbolden jeglicher Couleur.
Weiterlesen
Es war ein seltsames Jahr; ein Jahr ohne Cigaretten, Alkohol und Pokal für die Eintracht. Aber mit TÜV für die Honda und den Dacia. Ich musste Abschied nehmen von Sonny. Aber auch von Berit und Anno sowie von Hans-Peter. Traurige Momente, Menschen, die fehlen. Aber es gab auch schöne Momente, Menschen, die da sind.


