So ist dann doch alles ganz anders gekommen. Aus zwei verlorenen Tagen wurde ein gewonnener, und das im Handumdrehen. Während sich Jens aus Aschaffenburg langsam auf den bevorstehenden Abschied vorbereitete, sein Boot sollte Ko Payam um drei Uhr verlassen, saß ich mit Aeow und Cha am Tisch und wir überlegten, wie meine Weiterfahrt am besten zu organisieren ist.

Da an Songkran hier nicht nur Halligalli ist, sondern gleichermaßen auch die Verkehrsmittel gut gebucht sind, kamen wir überein, dass ich am Dienstag, den 14. die Insel verlasse, mit dem Schnellboot nach Ranong düse und noch in der gleichen Nacht mit dem Nachtbus nach Bangkok fahre, der seine finale Station dort hat, wo ich auch vor drei Wochen zugestiegen bin. Damit fällt der Ausflug nach Chumphon für dieses Jahr flach, worüber ich nicht sonderlich traurig bin. Ich hätte eh nur einen Nachmittag und einen folgenden Tag zur Verfügung gehabt, den Folgetag sogar mit Gepäck unter dem Arm, so dass von reiner Entspannung nicht wirklich die Rede sein kann. Zumal ich ja noch ein Hotel hätte finden müssen sowie eine Nachtzugfahrt organisieren, mit der Option: Sorry, ausgebucht. Von daher werde ich den Montag komplett hier verbringen und da mein Boot erst nachmittags um 16 Uhr die Insel verlässt, höre ich dann auch noch am Dienstag einen dreiviertel Tag lang das Meeresrauschen, kann zuvor ausschlafen und zudem in aller Ruhe meinen Krempel organisieren, zumal Boot, Transfer ins Office und zur Busabfahrt sowie die Nachtreise schon gebucht sind, und ich somit auf der vermeintlich sicheren Seite stehe. Jetzt wäre es natürlich toll, wenn meine Reservierung im Guesthouse am Chao Phraya auch bei meiner Ankunft noch Bestand hat, auf meine Bestätigungsmail kam noch keine Antwort, reserviert hatte ich bei meiner Abreise aus Bangkok. Wird schon klappen, hat ja bislang noch alles geklappt und wenn nicht, klappt etwas anderes. Kin trägt heute zur Abwechslung übrigens ein Trikot des FC Valencia, es ist keine drei Monate her, dass ich höchstselbst im dortigen Stadion war, die schwarze Fledermaus ist mir noch in guter Erinnerung. Vielleicht entdecke ich ja so ein Trikot in Bangkok, in leuchtend orange mit Thai-Schriftzug würde es mir gefallen.

So ich die letzten Tage am Tisch saß, traf ich dort häufiger auf Jens, der noch einige Wochen Thailand vor sich hat und sich hier die nötige Ruhe für turbulente Tage holte, ein ruhiger Gesell, der mal mit einem Bierchen, mal mit einem Song Sam, in aller Seelenruhe die Nachrichten studierte. Es war durchaus unterhaltsam, jetzt ist er unterwegs und vor Ort sind neben der englisch sprechenden Crew noch einige Pärchen, die brav ihren Urlaub hier verbringen.

Die vermeintlichen Engländer sind keineswegs die großen Nervensägen, die permanent gröhlend durch die Anlage laufen, und einen Breiten machen, meist sind sie ruhig, zusammen unterwegs und machen kein großes Tammtamm. Es ist das kleine Tammtamm, über das ich manchmal schmunzeln muss, denn indertat, so sie vorne auf dem Gelände sind, sehe ich sie von meiner Hängematte aus, ob ich will oder nicht. Mal dringen leise Gitarrentöne an mein Ohr, pling pling, mal betrachte ich interessiert ein Beachballmatch vor meinen Augen, plopp, plopp, mal wurschteln sie die Holzstühle, die in Reih und Glied am Rande der Anlage stehen und prima Plätze für das Betrachten des Sonnenuntergangs sind, zur Seite und formieren sie zu einer Sitzgruppe, all das, was man halt so macht, wenn man in einem Grüppchen unterwegs ist. Angesichts der Aktivitäten der restlichen Mitbewohner der letzten Wochen, erscheint dies jedoch als Ausbund von hypernervösem Aktionismus.

Früh am Morgen bringt ein Holzboot Ausflügler an Land. Später lädt ein Bootchen mit Außenborder Säcke auf, selbst bei Ebbe ankern die größeren Boote recht nah am Strand, für die letzten Meter tuckert dann der kleine Kahn durchs Wasser, ein junger Mann, barfuß in kurzen Hosen, steuert das weiße Bootchen souverän an den trotz niedrigem Wasserstand nicht zu sehenden Felsen vorbei. Denn das genau ist die Kunst, nicht an den Felsen zu scheitern.

Nachdem ich gestern ja auf den Trichter kam, Siddhartha lesen zu wollen und diesen nicht in den Bibliotheken fand, kam mir später höchstselbst die Erleuchtung: Guck doch mal im Netz – und siehe da, ich wurde fündig. Hochlegal und kostenfrei landete der Text binnen weniger Sekunden auf meinem Tablet und ich dankte lesend den modernen Zeiten. Manchmal sind sie ja doch für etwas gut.

Und damit kommen wir zur Kategorie: Lieblingsdinge auf meiner Reise. Ich hatte meinen Rucksack ja äußerst knapp gepackt und bin – bis auf Verbandsmaterial und Betaisodonna – gut durch die Tage gekommen, alles wurde gebraucht, nichts vermisst. Außer Pia natürlich, aber sie passt ja auch in keinen Rucksack, das Herz ist groß genug.

Für die nächste Reise werde ich mir eine Hose mit Zipper besorgen, so dass die Beine abgetrennt werden können und aus einer langen Hose eine kurze wird, meine eigene lange Hose trug ich auf der Hinreise und werde sie, wenn überhaupt, nur auf der Rückreise brauchen, genau wie meinen Hoodie. Hier vor Ort ist es so warm, dass Tag und Nacht eine kurze Hose völlig ausreichend ist, ein Shirt braucht es nur für das Restaurant oder für Ausflüge und auch da nur anstandshalber. Alternativ trägt der Reisende von Welt einen Sarong. Also ich trage ihn, vorwiegend auf dem Gelände, auf dem Roller habe ich ein wenig Angst, dass mir der Flattergeselle in die Speichen gerät. Der Sarong ist das perfekte Utensil auf einer Reise, es ist gut, wenn man mehrere davon hat. Obgleich der Sarong traditionell ein Männerkleidungsstück ist, vor allem der Ärmeren, wirkt er wie ein Rock. Praktisch die Beinfreiheit, der weiche Stoff umschmeichelt die Waden; kaum ein Kleidungsstück trägt sich angenehmer. Und wenn man ihn halbwegs vernünftig bindet, hält er auch eine ganze Weile. Zwei, drei Mal am Tag nachgebunden und gut ist. Dennoch ist das Tragen einer Boxershort darunter zuweilen von Vorteil, denn es geschehen manchmal unvorhersehbare Dinge, die es besser nicht auf ein Foto schaffen.

Zum einen sehen die meisten Sarongs für meinen Geschmack klasse aus, es gibt sie ja in unterschiedlichsten Farben und wohl auch Qualitäten, ich muss darauf achten, dass beide Seiten gleichermaßen bedruckt sind. Einer meiner Neuen ist dies nur auf der einen, so dass die Rückseite farblich blasser daher kommt. Das ist nicht wirklich wild, denn die Sarongs müssen verschiedene Dienste verrichten und so ist es gar nicht mal so unpraktisch, wenn eine Unterseite klar erkennbar ist. Dieser wird nämlich ein Strandtuch, so dass die Unterseite dann jeweils auf den Boden kommt und die Oberseite sandrein ist. Man kann ihn auch prima als Dekotuch verwenden und hat einen bunten Wandschmuck oder Raumteiler, der stets an die schönen Zeiten erinnert.

Der Sarong kann aber noch mehr. Zwar saugt er nur wenig Wasser auf, kann aber am Strand fabelhaft als Handtuch fungieren, die Sonne trocknet die Haut schnell und da der Sarong hauchdünn ist, trocknet er ebenso flott. Dass er zuvor als Strandtuch funktionierte, sei nur am Rande erwähnt. Und wenn die Sonne gar zu arg brutzelt, legt man sich seinen Gefährten um die Schulter und spart die Sonnenmilch, die mir eh nur Probleme bereitet.

Manchmal auf Reisen, sind die Bettlaken nicht ganz so reinlich, wie es auch einem wenig anspruchsvollen Westeuropäer genügt. Was macht der Weltenbummler? Er legt seinen Sarong darüber und bettet sich königlich. Und wenn es etwas kühler werden sollte, wird ein zweiter zur Bettdecke. Wenn dann partout nichts mehr in den Rucksack passt, legt man sich den Sarong als schmalen Streifen über die Schulter und hat im Nu eine Tisch- oder eine Bodendecke und wenn die AirCondition im Bus zu kühl wird, hat man stets eine Decke zur Hand. Natürlich könnte man ihn zusammengerollt auch an einen Ast hängen, um dort eine Tasche mit Lebensmitteln zu befestigen, auf dass hungriges Kleingetier nicht daran kommt. Der Sarong. Kostet nur ein paar Baht fuffzich und ist ein tolles Helferlein in allen Lebenslagen, vor allem, da er nicht mehr Platz beansprucht, als ein T-Shirt. Aber habt ihr euch schon einmal mit einem Shirt zugedeckt oder seid umschlungen von diesem Essen gegangen? Eben!

Und so vergeht ein weiterer Tag auf der Insel. Mit der Rasur wurde es auch heute trotz Bemühungen nichts, dafür aber mit einer Rollerrundreise, die einen Aufkleber am alten, nicht mehr genutzten, Pier mit sich brachte; mit Totem Mann spielen, und mit einem Sonnenuntergang, der sich heute für einen Kurzfilm entschieden hat. Der Adler kreist, Strandkrebse nähern sich und schauen mich interessiert an, während eine Muschel auf einigen Beinen davon wandert. Abends schaue ich auf die See, die Lämpchen der Bars bescheinen sachte das Wasser am nördlichen Ende und ich muss sagen, dass dies auch zu meinem Lieblingsbild gehört, das schwachgelbliche Licht von Archanpan, die roten Spiegelungen der Hippybar, das grüne Licht von nebenan, während am Horizont die Boote wie an einer Perlenkette in den Wellen schaukeln. Es wird Nacht, langsam verlöschen die Lichter. Die Eintracht schickt sich an, sich traditionell in München das Fell über die Ohren ziehen zu lassen. Da das Wifi wieder schwächelt, muss ich selbst für WhatsApp meinen Bungalow verlassen und ans Restaurant gehen, obgleich ich schon im Nachtmodus bin. Pia schickt mir Zwischenstände, Tom meldet sich und nach dem 0:2 lasse ich die Eintracht, Eintracht sein. Über der See zucken ein paar Blitze, fünf Regentröpfchen fallen herab, der Nachtstern glimmt im dunkelblau der Nacht, ich schlafe bei offenem Fenster ein, leichte Wellen branden ans Ufer.