Glaubt ja nicht, dass es so einfach ist, mit dem Tablet zu bloggen. Längere Texte sind eine Herausforderung, mal ist die Hälfte gelöscht, mal komme ich nicht ans Ende. Aber Herausforderungen sind dazu da, gemeistert zu werden.

Natürlich war mein Schlaf in der Nacht so tief, wie der VfB unten im Tabellenkeller steckt – und da mir auch die Moskitos meinen Frieden ließen, stand einem neuen Abenteuer, nämlich einem Tag in Bangkok nichts im Wege. Nach einem Frühstück unweit meiner Unterkunft, Kaffee, Müsli mit Früchten und Yoghurt (!) blieb ich gleich nach ein paar Metern am nächsten Stand hängen. Was ich gegessen habe, weiß ich nicht, aber es war klein und klasse. Verhungern werde ich hier definitiv nicht. Fröhlich spazierte ich die Samsen Road entlang, die Busse sind lauter als unsere Heimkurve gegen Lautern, ein paar Meter weiter liegen Hunde im Schatten und pennen. Der Moloch Bangkok ist bislang extrem widersprüchlich, es kommt darauf an, wo man ist: Eben noch in einer befahrenen Hauptstraße, die zu Fuß zu überqueren ein Himmelfahrtskommando ist und ein paar Schritte weiter sitzt du in einem fast lauschigem Park. Gebrutzelt wird schon in aller Herrgottsfrühe, man kommt vor lauter Gucken aus dem Staunen nicht heraus. Fische schwimmen in heißem Fett, anderes ähnelt Innereien, die ich zuhause noch nicht einmal anschauen würde. Dazwischen gibt es Läden für fast alles, Krims und Krams, Klamotten, Schuhe, Handwerk. Und dabei bin ich noch gar nicht an der weltberühmten Traveller Hochburg Kao San Road. Stand heute, zieht mich auch nichts wirklich dorthin. When in Thailand, do as the Thais.

Freunde finden fällt leicht. Die meisten fahren beruflich Tuk Tuk und wissen ganz genau, was heute angesagt ist. Sie würden mich sogar für ganz kleines Geld durch die Gegend kutschieren. Vielleicht lasse ich mich aus Spaß mal sogar darauf ein, erst einmal gehe ich meines Wegs und der führt mich am Königspalast vorbei. Hier schreibt die Kleiderordnung lange Hosen vor, die man vor Ort gleich leihen kann. Ich bevorzuge derzeit kurze Hosen und da mir der Trubel eh zu viel ist, marschiere ich an den Fluss. Eine einstündige Bootsfahrt für 30 Euro lehne ich lachend ab und schippere mit der Fähre für 3 Baht auf die andere Seite. Die unterschiedlichsten Boote sind unterwegs, Touribootchen mit riesigen Motoren, deren Ende im Wasser hängt und Transportschiffe, deren Routen an unterschiedlichen Fähnchen zu erkennen sind und die quasi Haltestellen anfahren. Der Chao Phraya ist in etwa so breit, wie der Rhein, ein ordentlicher Kamerad also.

Es dauert nicht lange, bis wir das gegenüberliegende Ufer erreicht haben. Dort liegt neben ganz vielen anderen Sachen die Tempelanlage Wat Arun. Leider ist das Hauptgebäude eingerüstet, aber an allen Ecken stehen Buddhas jeglicher Couleur. In kleinen, feierlich hergerichteten, Räumen sitzen in orange gekleidete Mönche. Gläubige treten herein, spenden und erbitten ein Gespräch. Sie zu fotografieren, ist keine gute Idee, sie blicken nicht erfreut und ich kann es verstehen. Sorry. An vielen Stellen ist es ruhig, die meisten Besucher halten sich ans Hauptgebäude, ich schlendere durch die Anlage und genieße die Stille. Wunderbare Mediationsmusik, es mag ein vertontes Gebet sein, erklingt durch Lautsprecher, ein paar Meter weiter hört man sie nicht mehr. Ich habe sie mal aufgenommen, vielleicht kann mir jemand anhand der Aufnahme später sagen, was es war. Schilder weisen darauf hin, dass Buddhas nicht zu Dekozwecken gekauft werden sollen, auch nicht als Druck für ein Hundekissen. Wenn man hinter der Tempelanlage hinaus wandert, scheinen die Thais unter sich, kaum ein Fremder verirrt sich heute hierher. Ich drehe ein Ründchen und marschiere durch die Anlage nach draußen. Wenn ich wollte, könnte ich einen Deko-Buddha kaufen. Dort fangen mich drei Thai-Teeanger in Uniform mit der Bitte um ein Interview ab. Klar, können wir machen, wobei es ausnahmsweise nicht um die Eintracht geht. Eine der drei filmt mit einem Handy, die anderen beiden fragen mich aufgeregt, wo ich herkomme, was mir an Thailand gefällt und ähnliches. Es macht Spaß, vor allem, da ich merke, dass die drei eine ganze Menge Mut zusammen genommen haben, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Am Ende machen sie noch ein Foto von uns und da sind sie weniger aufgeregt. Wie Fußballprofis machen sie die berühmten Handygesten, das umgekehrte Peace-Zeichen, ein Danke, ein Goodbye und schon tucker ich mit der Fähre wieder zurück. Wer weiß, in welcher Schule ich jetzt zu Gelächter tauge, womöglich im Facebook Gymnasium.

Am Bootfahren habe ich jedoch Blut geleckt, das Wasser und ich waren schon immer gute Freunde. Für 15 Baht hole ich mir ein Linienticket, laufe auf das Boot und stelle mich an die Reling, bis ein Sitzplatz frei wird. An Haltestelle acht bin ich eingestiegen, das Boot ist voll. Eine mit einer Kasse klingelnden Frau kassiert während der Fahrt die Neuankömmlinge ab, wir cruisen von Ufer zu Ufer, Einsteigen, Aussteigen und bei jedem Anlegen pfeift ein Bootsmann mit der Trillerpfeife. Wir passieren Hotels mit Flussblick und schippern sogar an der Stelle vorbei, an der ich, getrennt nur durch eine Mauer, am liebsten sitze. Aber ich kann mich nicht erkennen. Auf der einen Seite stehen kleine Häuser auf Stelzen, wir sehen Angler und einen Mann in Badehose, der auf im Wasser liegenden Baumstämmen hantiert, es ist warm, ab und an spritzt Flusswasser ins Boot, der Himmel ist leicht bedeckt.

45 Minuten später ist die Reise zu Ende, wir haben Haltestelle 30 und damit die Endstation erreicht. Ich steige aus und stelle fest, dass durch die ganze Lauferei in der Eintrachthose meine Oberschenkel leicht wund sind. Ich hätte es mir denken können. Jetzt Bepanthen, das wärs. Da meine Reiseapotheke mehr oder weniger aus Tabak besteht, muss eine Alternative her. Von der Endhaltestelle zweigt eine große Straße ab, auch hier sind die Thais weitgehend unter sich. Bunte Ballons sind über die Straße gespannt, der Verkehr braust, in winzigen Gässchen sitzen Schuhmacher auf dem Boden und werkeln vor sich hin. Durch einen mit Planen überspannten Bürgersteig spähe ich in die Auslagen. Ein 7/11, wie hier die kleinen Märkte heißen, bietet Babypuder an, ich greife zu. Zur Sicherheit hole ich mir in einer Art Drogerie noch ein Döschen Nivea. Beim Bezahlen lege ich meinen Foto zur Seite, bedanke mich und wundere mich, wer mir nach ein paar Schritten auf die Schulter klopft. Es ist die Verkäuferin, die mir strahlend meinen Foto in die Hand drückt.

Da war es wieder, dieses seltsame Etwas, dass dich nicht alleine lässt, wenn du unterwegs bist, nenn es Schutzengel, nenn es Gott, nenn es Schicksal. Es ist der klare Hinweis, auf seinen Krempel aufzupassen; ein weiteres Mal werde ich meine Kamera nicht ungestraft liegen lassen. Mal schauen, was noch passiert.

Erleichtert schlender ich weiter. Eine Garküche hat eine Suppe im Angebot, ich nehme es wahr, gehe weiter, gehe zurück und versuche, meinen Wunsch zu erklären. Gleich drei Thais, weiblich, kümmern sich um mich, dazu der Koch. Einer kann immer englisch, ich ordere eine kleine Portion, um zu probieren und bestelle noch eine weitere dazu. Es schmeckt göttlich. Derart gestärkt wandere ich breitbeinig zum Boot zurück. Es ist nicht der John Wayne in mir, es sind die rauhen Beine. Na super. Wenigstens kann ich die nächste halbe Stunde sitzen. Alle sitzen linker Hand, jeder Platz ist dort belegt. Damit das Boot nicht umkippt, hocke ich mich rechts hin und schon schippern wir wieder übers Wasser. Kurz hinter der Rama VIII Brücke steige ich aus und eier Richtung Heimat, jeder Schritt schmerzt, so ganz kann ich die ganzen schönen Eindrücke nicht genießen. Kurz vor dem Ziel gibts ein flitschiges Geräusch inklusive leichtem Ausrutschen. Hundekacke auf dem Weg, warm und feucht. Ich zähle die Meter, schleppe mich auf mein Zimmer, packe Handtuch und Shampoo, reinige mich und später die Schuhe dazu. Diese haben sowohl in der Sohle als auch auf der Oberseite kleine Löcher, fürs Segeln gedacht, für die Hitze praktisch. Sie sind eher trocken als meine Haare. Dann versorge ich meine Beine, wickel mir einen Sarong um den Leib und setze mich an den Fluss. Die Angestellten hier sind mehr oder minder freundlich, im restlichen Land waren die meisten zuvorkommender. Ein Junge sitzt den ganzen Tag mit Rechner am Kühlschrank, ob er für Getränke zuständig ist, weiß ich nicht, ich werde nicht mehr fragen.

Anderthalb Stunden später bin ich wieder auf der Straße, aber es macht nicht wirklich ein Spaß. Eigentlich wollte ich eine große Runde drehen, um einige Tempel und Buddhas bei Nachtlicht zu sehen, aber es hat keinen Wert, obgleich ich eine lange Hose trage. Die Straßen sind riesig, Ampeln sind gutgemeinte Vorschläge und es ist sinnig, dass man im Zweifel rennen kann, worauf ich keine Lust habe.

Immerhin beginnt mein Navi, mich zu verstehen und lotst mich offline meines Weges Richtung Heimat, obwohl ich kurz überlege, mich fahren zu lassen. Da ich aber Hunger und Durst habe und es mir nach allem ein bisschen an Energie fehlt, laufe ich weiter, esse einen gerösteten Schweinespieß vom Grill und überlege, wo ich richtig zu Abend essen soll. Wie das so ist, wenn die Auswahl groß ist, fällt die Entscheidung schwer, ich stehe mal hier, mal dort planlos rum. Aber ich gebe mir einen Ruck, setze mich an eine Ecke, bestelle ein Wasser und einen spicy Rindfleischsalat mit Reis. Jetzt bin ich einer unter vielen … Reisenden. Deutsch, englisches Stimmengewirr umgibt mich, aber das Essen schmeckt und ich weiß: Jetzt sind es nur wenige Meter bis die Hose in die Ecke fliegt und ich mir meinen luftigen Sarong umwickeln kann. An Ecke der Samsen Road 5, an der ich abbiegen muss, bietet eine ältere Frau Thai-Tee an, meine Bestellung ruft fragende Blicke hervor, sofort kommt eine jüngere Frau herbei und versteht. Dann folgen weitere Fragen und jetzt stehe ich auf dem Schlauch. Gut, dass eine weitere Thai herbei kommt, die mein englisch spricht. Tee heiß oder kalt? Zum mitnehmen oder hiertrinken? Ich nehme mir einen Stuhl, bekomme meinen Tee, dazu heißes Wasser zum nachgießen und freue mich, dass er so schmeckt, wie ich gehofft habe. Auf der Straße braust der Verkehr.

Als ich bezahle, weht ein Wind einen Teil meines Wechselgeldes durch die Gegend. Die ältere Frau eilt herbei und gemeinsam schaffen wir es, den Lump zu bändigen. Morgen werde ich erneut ein Teechen hier trinken. Ohne Fehltritt schaffe ich es nach Hause, hole mir ein Bierchen und setze mich wieder an den Fluss. Nebenan schnattern Reisende, es gab Barbecue. Ich tippe, höre Worte wie „Kambodscha“ oder Malaysia“ während auf der anderen Seite Barmusik erklingt, live. Dort geht es etwas mondäner zu. Vor mir thront die Brücke, hochgespannte Seile ragen in die Luft, auf dem Fluss ist Ruhe. Nur ab un an knattert ein Kahn vorbei

In einem ruhigen Moment werde ich versuchen, einige Bilder zu bloggen, obgleich mein Augenmerk eher auf Wahrnehmen und Erleben gerichtet ist, es sind eher geknipste Fotos. Aber um sie zu sichten und für den Blog zu bearbeiten, fehlt mir momentan die Zeit. Apropos Zeit: Es wird Zeit, mal mit Pia hierher zu kommen. Ich vermisse sie nämlich.

Soweit fürs Erste, er ist lang geworden, der Text – aber es sind ja auch eine Menge Eindrücke. Und wer weiß, vielleicht liege ich demnächst am Meer und träume vor mich hin, dann gibt es natürlich nicht so viel zu erzählen. Morgen bin ich auf jeden Fall noch hier. Wenn es geht, marschiere ich durch die Gegend, wenns nicht geht, gibts die Tuk-Tuk-Tour, die mich wahrscheinlich zu allen Juwelieren und Schneidern oder sonstigen Halbsabschneidern führen wird, so will es der Brauch hier. Kaufen werde ich natürlich nichts, aber vielleicht springt eine Geschichte bei rum. Oder ich mache etwas, von dem ich jetzt noch keine Ahnung habe. Wer weiß das schon.