Es folgt der zweite der Teil der Geschichte der Eintracht Amateure.

Heimat

Gespielt wurde all die Jahre über am Riederwald. Zumindest meist. Manchmal durften die Amateure auch im Waldstadion ran, sei es auf einem Nebenplatz, sei es als Vorspiel für die Profis. Und einmal sogar ganz alleine auf dem Hauptfeld der Arena – aus Sicherheitsgründen, damals, 2008 gegen Hessen Kassel. Das Spiel gegen Kassel endete vor 1.000 Zuschauern 2:2, der letzte Gegentreffer fiel erst in der Nachspielzeit. Trainer der Nordhessen war übrigens Mirko Dickhaut, der selbst in den Neunzigern einige Spiele für die „Amas“, wie sie liebevoll genannt wurden, absolviert hatte.

Heimspiele wurden aber auch in Hanau ausgetragen, im dortigen Herbert Dröse Stadion während der Saison 2002/2003. Der in die Jahre gekommene heimische Riederwald erfüllte nicht mehr die Bedingungen für die Regionalliga. Und da auch das Stadion in Hanau zu Beginn der Saison noch nicht komplett umgebaut war, wurden die ersten Heimspiele sogar in einem anderen Bundesland ausgetragen, nämlich in Bayern. Genauer gesagt in Unterfranken, in Aschaffenburg am Schönbusch. Der erste Gegner dort hieß Bayern München Amateure, die von Hermann Gerland trainiert wurden. 0:0 hieß es nach 90 Minuten – und das gegen Spieler wie Bastian Schweinsteiger, Michael Rensing oder Piotr Trochowski. Die Eintracht stellte nach schwachem Saisonbeginn später mit den Profis und den Amateuren sogar kurzzeitig die beiden besten Mannschaften in Hessen, Trainer Lippert war guter Dinge. Am Ende der Saison stand für die kleine Eintracht dennoch der Abstieg, Stürmer Raffael Tonello hatte sich in Saarbrücken bei einem Zusammenprall das Bein gebrochen und musste seine Karriere beenden, während Bakary Diakité während der Saison erfolgreich zu den Profis hochgezogen wurde.

Mit dem Abstieg in die Oberliga Hessen kehrte die Eintracht wieder an den Riederwald zurück, nachdem zuvor die Partien gegen Erfurt, Darmstadt und Saarbrücken sogar am Bornheimer Hang ausgetragen wurden. Zwischenzeitlich wurden tatsächlich Überlegungen angestellt, beim Spiel gegen Erfurt das Heimrecht abzugeben, da der Bornheimer Hang den Sicherheitsaspekten zunächst nicht genügte. Und genau an jenen Hang kehrten die Amateure ab der Saison 2008/2009 zurück.

Zwei Gründe waren ausschlaggebend: Zum einen wurde der alte Riederwald zwischen den Jahren 2008 und 2010 komplett umgebaut: Aus dem maroden Bau, der seit 1952 den Verein beherbergte, entstand ein hochmodernes Leistungszentrum – das Gelände war also eine Baustelle. Zum anderen traten die Amateure in der nunmehr viertklassigen Regionalliga an, da eine neue eingleisige Dritte Liga eingeführt wurde – und wie schon 2002 wäre der Riederwald selbst ohne Baustelle nicht als Spielort genehmigt worden. Heimspiel in Bornheim also, genau dort, wo sich noch wenige Jahre zuvor heiße Duelle gegen den FSV in der Hessenliga geliefert wurden.

Gespielt wurde aber auch an anderen Orten. So trat man zum Saisonauftakt 97/98 an der Bezirkssportanlage Nord gegen den FSV Bernbach an. Der heimische Riederwald war für dieses Spiel gesperrt, da Fans im letzten Spiel der vergangenen Saison Bengalos Richtung Spielfeld geworfen hatten. Der Linienrichter fackelte nicht lange und warf den Bengalo auf die Laufbahn zurück. Dort aber lagen Banner der Eintrachtfans, die nun munter vor sich hin kokelten. Die erzürnten Fans stürmten kurzerhand den Platz in Karben, die Folge: Platzsperre für das nächste Heimspiel. Und auch die WM 2006 war schuld daran, dass die Eintracht umziehen musste. Während am Riederwald die Engländer sich auf das Turnier vorbereiteten und das Gelände in Beschlag genommen hatten, kämpfte die Eintracht um den Klassenerhalt.Trainer Bernhard Lippert musste im Winter gehen, für ihn kam Petar Houbtchev zurück an den Riederwald. Einige Siege am Ende der Saison 2005/06 hatten die Amateure wieder ins Rennen gebracht. Der Abstiegskrimi gegen den direkten Konkurrenten Bruchköbel wurde seinerzeit auf den Heilsberg verlagert, kurz vor Schluss führten die Frankfurter mit 3:2, als es wie aus Eimern schüttete, das Spiel stand kurz vor dem Abbruch. Die Frankfurter schickten Stoßgebete zum Himmel und der Schiedsrichter gab sein Bestes. Das Spiel wurde ordnungsgemäß zu Ende geführt, die Eintracht siegte und konnte den Klassenerhalt am letzte Spieltag aus eigener Kraft schaffen. Dies gelang durch ein überzeugendes 3:1 in Bad Vilbel, gegen den Club, den Houbtchev noch im Jahr zuvor trainiert hatte. Und einer war besonders glücklich: Roland Gerlach, der seit den Siebziger Jahren über 900 Spiele der Amateure live vor Ort verfolgt hatte. Sogar in Seckbach wurde Ende der Achtziger einmal gespielt. Wahrscheinlich hatte der Enkel des Eintrachtgründers Alfred Pohlenk, Horst, damals keine fünf Meter entfernt in seiner Gartenhütte gesessen und Frankfurter Würstchen gegrillt.

Wenn die Amateure für Pflichtspiele auf Reisen gingen, traten sie in ganz unterschiedlichen Spielorten an. Angefangen von steinharten Aschenplätzen wie in Walluf, wo am Spielfeldrand die Autos parkten bis hin zu WM-Arenen wie in Kaiserslautern oder Nürnberg gegen die dortigen zweiten Mannschaften. Die Zuschauerzahl aber blieb stets überschaubar, meist verloren sich nur wenige Hundert Fans vor Ort. Der Zuschauerrekord jedoch datiert aus der Saison 1977/78 als knapp 7.000 Zuschauer am Riederwald das Spitzenspiel gegen Hanau 93 sehen wollten. In jener Saison belegten die Amateure den zweiten Platz hinter Hanau und nahmen wie schon 1970 an der Amateurmeisterschaft teil. Über Barmbek Uhlenhorst und Eintracht Bad Kreuznach kämpften sich die Jungs um Borchers, Nachtweih und Pahl bis ins Halbfinale vor. Dort war nach einem 1:1 in Ingolstadt durch ein 1:2 n.V. im Rückspiel, das einer wahren Regenschlacht glich, allerdings Endstation. In der Saison 82/83 wurden die Amateure ebenfalls zweiter, diesmal hinter Bürstadt. Der Start in die Amateurmeisterschaft begann verheißungsvoll, mit 5:1 wurde der Offenburger FV vom Platz gefegt. Aber die Eintracht wäre nicht die Eintracht, hätten sie nicht doch das Rückspiel vergeigt. 6:1 lautete das Endergebnis und die Offenburger brauchten dafür nicht einmal eine Verlängerung. Mit hängenden Köpfen schlichen die Herren Berthold, Kahlhofen und Gundelach vom Platz. Es war die letzte Saison von Dieter Stinka als Trainer.

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