Manchmal bin ich aber auch ein Schussel. So fahren wir nach Dreieich zu einem Konzert der fabelhaften Welt der Anna Depenbusch – und was bleibt zuhause? Meine Kamera. Und da mein mobiles Telefon zum fotografieren nicht taugt, muss zum Zwecke des Eingangsbildes ein Umweg helfen. Pia schenkte mir eine gekaufte Postkarte, die ich wiederum scannte und nun hier in Ausschnitten präsentiere.

Wie gesagt, im Eingangsbild, welches nur auf der Startseite ersichtlich ist. Die Quellenangabe liefere ich selbstverständlich sofort nach: Quelle: Internet. So ist es häufig in hochseriösen Medien zu lesen. Der Urheber des Bildes jedoch ist Frank Kunert, dessen erneut: fabelhaften Miniaturwelten im Dreieichenhainer Dreieich-Museum derzeit zu sehen sind. Betitelt ist die Ausstellung völlig zurecht mit „Wunderland“.

Dass wir dort gelandet sind, ist eigentlich ein großer Zufall, obgleich ich die Miniaturwelten Kunerts schon vor einiger Zeit im Netz entdeckt und die rechte Augenbraue voll Anerkennung nach oben gelupft hatte, für einen Frankfurter ist dies die höchste Form der Anerkennung. Und da wir recht früh in Dreieich gelandet waren, nutzten wir die Zeit nicht nur für einen Spaziergang durch die Altstadt und die Burg Hayn, sondern warfen, animiert durch ein Austellungsplakat, einen Blick ins hiesige Museum.

Kunerts Bilder sind in der Regel Ergebnisse eines längeren Prozesses, der nicht sofort ins Auge springt, zur Veranschaulichung borge ich mir noch schnell ein Bild aus der Homepage des Künstlers aus.

gal_f59_w

Wir sehen einen Sprungturm, welcher in ein Apfelweinglas mündet, garniert von einem Picknickgedeck im Grünen. Dass es sich dabei um keine Fotomontage handelt, fällt erst beim zweiten Blick auf. Im Grunde handelt es sich hierbei um eine handgemachte Minikulisse, einzig das Glas scheint real. Viele der Bilder bestehen aus reinen Modellbaukulisssen, die schön beleuchtet fotografiert werden. Und irgendetwas stimmt nicht, obgleich alles real scheint. Doch mündet der Abwasserkanal einer Toilette im oberen Stockwerk direkt in einen TV im Erdgeschoss, in einem anderen Bild verwandelt sich eine Kirche dezent in ein Parkhaus, das Licht am Ende des Tunnels ist eine Kneipe oder ein Grabstein beherbergt einen Briefkasten. Liebevoll die Details, die winzigen Speisekarten auf einer Tafel, das Schild der Fleischerinnung, die Kinderrutsche, die in einem Tigerkäfig landet. Absurde Melancholie gepaart mit einer Reise in die Kindheit, in welche uns die Minikulissen beispielsweise einer Eisenbahnlandschaft träumen ließen.

Sogar einige der Kulissen sind ausgestellt und verdeutlichen die Arbeitsweise Kunerts, der etliche Buchtitel aber auch Webung gestaltet hat. Die Ausstellung ist sehenswert und sogar kostenlos. Sie ist im Dreieich Museum vom  18. Mai – 05. Oktober 2014 zu sehen, jeweils  Samstag 14-18 Uhr und Sonntag  11-18 Uhr. Wer während einer Aufführung im Rahmen der Burgfestspiele vor Ort ist, hat die Möglichkeit an jenen Tagen vor Veranstaltungsbeginn dort vorbei zu schauen. Oder noch besser: Rein.

Kurz vor Konzertbeginn kamen sie, der Kid, die Dagi samt Frau Mama und der Regen. Und wir hatten Glück, unsere Pätze waren überdacht während die ersten Reihen eingehüllt in Regencapes auf Anna Depenbusch warteten. Und dann kam sie, wie neulich in Bensheim mit Zopf, weißer Bluse, rotem Gürtel und schwarzem Rock samt roten, hohen Schuhen. Natürlich, der Sommer aus Papier, nun im Regen. fünfunvierzig zauberhafte Minuten, Pause, Umzug, fünfunvierzig zauberhafte Minuten, Zugabe, Ende.

Wir fuhren mit dem Tretboot nach Hawaii, lauschten dem Kommando Untergang und erfuhren, was es mit dem Engel auf dem Handgelenk auf sich hat – wobei wir ehrlich gesagt dies schon wussten. Das Publikum ging artig mit, goutierte die komplizierten Verhältnisse um Tim und Tina und klapperte brav mit dem Schlüssel als dies als akkustische Untermalung gewünscht wurde. Auch die Herren standen auf und sangen wie gefordert hedihiiiiiijahooo. Ich bleibe bei solchen interaktiven Speränzchen ja meistens still, auch wenn es für die Gruppendynamik nicht förderlich ist. Ich mag es nicht, wenn ein Ich ein Kollektiv auffordert, etwas zu tun und alle machen mit. Irgendetwas sperrt sich in mir. Nicht immer, aber meist. Und das habe ich zu respektieren.

Und irgendetwas erinnert immer an die Eintracht, sei es die Farbgebung der Kleidung oder einzelne Textzeilen. Wollen mal hoffen, dass es nicht Hey Kapitän, wir sind Leck geschlagen. Hey Kapitän, Kommando Untergang ist.

Es folgt zum Abschluss eine Aufnahme vom letztjährigen Konzert in Dreieich. Damals ist Anna mit Band aufgetreten, nun spielte sie solo am Klavier. Immerhin, die Schuhe sind die gleichen geblieben.