Ein Sammelsurium aus dem angebrochenen Leben

Straight to hell. Aue 2012.

Krachgarten. Kuhschnappel. Straight to hell. War was?

Ja, das Los bescherte der Eintracht in der ersten Runde im DFB-Pokal einen Ausflug nach Aue. Eigentlich hatte ich ja schon vor Wochen entschieden, das Spiel mit Pia in einer Wirtschaft zu gucken, um die Sommerpause noch ein paar Tage zu verlängern. Aber als Marc anfragte, ob wir mit einem Neunerbus nach Aue mitkommen würden, konnte ich nicht nein sagen. Pia schon. Also blieb sie mit dem silbernen Golf in Frankfurt, während ich mit dem Rad durch die frühmorgendliche sommerheiße Stadt sauste, um jenes Rad in einem Hauseingang im Bahnhofsviertel zu verstauen und flotten Schuhs zur Südseite zu eilen. Ich war ein paar Minuten zu spät, aber ich war da. Im Rücken ein 0:5 der U23 gegen Hoffenheim II am Bornheimer Hang.

Da saßen sie schon, meine Mitreisenden, Ariane, Neeko, Steffen, Holger, der braungebrannte Thorsten und Chris, der sich bereit erklärt hatte, uns zurück zu fahren. Eigentlich bin ich ja davon ausgegangen, dass ich einen Teil des Hinwegs bestreite – aber da nur ein Fahrer eingetragen war, fiel dieser Teil aus. Immerhin, unser Auto war ein schwarzer Mercedes Fiat mit schlappen 12.000 Km auf dem Tacho, Klimaanlage und CD-Player. Da war es ganz praktisch, dass ich mir noch eine CD eingesteckt hatte – der Filmsoundtrack zu dem Spaghettiwestern Straight to hell sollte es richten. Straight to hell, also gut.

Über die Gutleutstraße rollten wir auf die A5, die Klimaanlage hielt die Temperatur im Wageninneren erträglich, ob des Sonntages ohne LKWs auf dem Highway kamen wir gut voran. Der Nachteil eines Mietwagens (zumindest für Raucher) ist meist der, dass zum Rauchen kleine Pausen notwendig sind – und exakt mit dem Ende des 28 und letzten Liedes fuhren wir auf eine Raststätte und drückten uns Nikotin in die Lunge, während der Fahrt aber kletterte das Außenthermometer nahezu minütlich um ein Grad höher. Jetzt nach Portugal ans Meer, ich hätte nichts dagegen gehabt.

Alsbald verließen wir das ehemalige Westdeutschland und mit einem Mal erschien die Autobahn ausgebauter und komfortabler als je zuvor. Hinter Eisenach pickten wir noch eine Mitfahrerin, Maria, auf, die auf der Raststätte Waltershausen schon auf uns wartete. Erstaunlicher Weise hielten wir just zu dem Moment dort an, als die CD zum zweiten Mal durchgelaufen war. Straight to hell, es hätte uns zu Denken geben können. Das ist ja generell das Schöne vor dem ersten Saisonpflichtspiel, man kann ungestraft davon träumen, den Pokal zu holen und evtl. mal wieder Meister zu werden. Als Frankfurter muss man diese Zeit nutzen.

Der nächste Stopp hieß Jena. Die meisten von uns kennen Jena ja nur durch die Plattenbauten in Lobeda, die von der Autobahn gut zu erkennen sind, die Stadt selbst aber empfing uns freundlich, einige Häuschen erinnerten an Disneyland, und da war auch schon Marc, der sich in aller Herrgottsfrühe mit dem Zug aus Bayern aufgemacht hatte und nun mit uns weiter fuhr. Der arme Kerl trug lange Hosen – hatte aber zum Glück noch eine kurze im Gepäck. Und so rollten wir fröhhlich schnatternd und trinkend durch Deutschlands Osten. Stets wenn ich hinter Jena weiter gefahren bin, hieß das Ziel Berlin, heute aber sausten wir auf den Highway Richtung Aue. Die letzten Kilometer ging es über die Landstraße durch das schöne Erzgebirge und in Aue selbst parkten wir nur wenige Hundert Meter vom Stadion entfernt auf einem Supermarktparkplatz. Violette Trikots mengten sich mit schwarz-roten, es war der heißeste Tag des Jahres, überall Bekannte und Unbekannte derweil direkt neben dem Stadion ein Wildbach rauschte. Die Begegnungen mit den Einheimischen waren freundlich und von lässiger Entspanntheit geprägt, und wie immer, wenn der Gastgeber die Eintracht hoch favorisiert, weiß ich was kommt. Duisburg. Paderborn. Nun Aue. Ich erstand einen Spielschal, stand ein paar Minuten am Einlass und blieb sparsam mit dem Fotografieren, da mein Akku schon seit Jena blinkte. Alsbald erklomm ich die Kurve, traf auf Holger und Chris, während die Auer Kurve eine kleine Choreo präsentierte. 1946 in lila weiß, die Sonne brannte.

Die Eintracht begann mit Trapp im Tor und im Sturm mit Occean und es sah zu Beginn auch ganz gut aus. Immerhin hatte ich Andi und Arne entdeckt, die kurzfristig aus Berlin angereist waren, ein freundlicher Helfer spritzte mit einem Schlauch Wasser in unsere Kurve und plötzlich leuchtete es Rot in die Luft. Nein, keine Bengalos, es war die Karte, die Schiri Siebert (Berlin) unserer neuen Nummer eins unter die Nase hielt. 20 Minuten hatte es also gedauert, bis Oka Nikolov wieder im Tor der Eintracht stand, es ist unfassbar. Ähnlich unfassbar war die Tatsache, dass Erzgebirge Aue durch den fälligen Elfmeter mit 1:0 in Führung ging. Sollte das Ende aller Träume tatsächlich nur 20 Minuten nach Anpfiff des ersten Spieles gekommen sein? Ich nehme es vorweg: Jawoll.

Die Eintracht mühte sich mit 10 Mann bei annähernd 40°, erspielte sich aber kaum Chancen, Aue stand hinten sicher, 3000 Frankfurter feuerten ihr Team an, Wasserfontänen spritzen unentweg in die Kurve. 60 Minute 2:0. Das war’s. Ein Platzverweis für Aues Schröder stellte die zahlenmäßige Überlegenheit der Gastgeber auf Ausgeglichenheit zurück, allein für die Eintracht nutzte es nichts. Das 3:0 in der letzen Minute besiegelte das Erstrundenaus der Eintracht, die nun wenigstens nicht in der zweiten Runde bei den Kickers spielen muss. Straight to hell.

Ich verabschiedete mich von Andi, spazierte gemächlich Richtung Parkplatz – nicht ohne den einen oder anderen Schwatz – und wenig später hockten wir alle wieder zusammen im Bus, Chris steuerte uns souverän auf die Autobahn zurück, die wir bald wieder verließen, um einen Gasthof anzusteuern, der erst aber noch zu finden war. Nachdem wir einige Kilometer durch Orte wie Kuhschnappel gerollt waren, befragten wir einen der wenigen sichtbaren Einheimischen nach einer Lokalität. Obgleich der Dialekt gewöhnungsbedürftig ist, rollten wir nach seinen Anweisungen durch die Gassen und schon entdeckten wir den Gasthof Goldener Stern in St. Egidien – und ich sage euch: Sobald ihr hier in der Nähe seid, lasst euch dort blicken.

Die Speisekarte sagte uns zu, die Preise nickten freundlich und so hockten wir im Garten, wurden von der entspannten Bedienung umsorgt, futterten Gurkensuppe oder Schnitzel  und ich glaube, die meisten hätten nichts dagegen gehabt, so die Nacht nach einem Spaziergang in einem Hotelbett geendet hätte. Wir aber mussten weiter in die Dunkelheit und nach Frankfurt.

Bald lagen Aue oder Zwickau weit hinter uns, wir näherten uns Jena als von hinten Stimmen nach einem Rast ertönten. Nun wusste ich, dass nach wenigen Metern die Raststätte Teufelstal kommt, eine Raste wie viele andere auch. Ein paar Minuten dahinter liegt jedoch die Miniraste Schorbaer Berg und ich dachte, es sei eine gute Idee, diese anzusteuern, das Bier ist günstiger, der Platz freundlicher – nunja, die Toiletten eher nicht – aber das wusste ich gar nicht so genau, da ich in den letzten Jahren stets auf der anderen Seite der Autobahn gehalten hatte. Groß war also die Empörung hinter mir, als wir an Teufelstal vorbeirauschten – dabei hatte ich es doch nur gut gemeint, aber ihr wisst ja: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Naja, wir hielten bei Schorba, tranken, rauchten und schon ging es weiter durch Thüringen. In Tabarz verabschiedeten wir uns von Maria, tankten die Kiste noch vor Frankfurt voll und irgendwann fielen mir die Äuglein zu. Als ich erwachte, hatten wir Frankfurt erreicht, und der finale Stopp brachte uns zurück an die Südseite, Chris hatte uns sicher über 800 km durch Deutschland gelenkt, jetzt hieß es die letzten Kilometer mit dem Fahrrad zurück ins Nordend. Auch das schaffte ich tadellos, als ich ankam schlief Pia natürlich schon. Ich rauchte noch eine Cigarette, und schwatzt noch ein bisschen mit ihr, die dann doch noch die Äuglein geöffnet hatte. Dann fiel ich in einen langen traumlosen Schlaf. Schön war es gewesen. Wenn nur der verdammte Fußball nicht wäre.

23 Kommentare

  1. neeko

    Der Mercedes war ein Fiat :)

  2. Beve

    oh, für mich sind alle neuen großen autos in schwarz mercedes :-)

    ich korrigiers …

  3. neeko

    och, das hat doch charme. ruhig stehen lassen, ich finde das passt :)

  4. dito

    klang wie irischer salsa.an schlaf war nicht zu denken :))

  5. Beve

    war auch besser so :-)

  6. ThorstenW

    ja, das war echt schön mit Euch, wenn nur immer der Fussball nicht wäre. Aber ich werde weiterhin versuchen, meine miserable Auswärtsquote zu verbessern. Immerhin hat es ja mal seinerzeit in Aachen ganz gut geklappt. Ich gebe die Hoffnung nicht auf :-)

  7. Holger M

    Ja, ein sehr schöner und entspannter Tag, wenn nicht…

    Und Beve, irgendwann landen wir nach so einer Tour doch noch mal morgens am Meer. ;-)

  8. Kine

    Freut mich, dass Ihr auch eine schöne Fahrt hattet. Bei uns im Bus war’s auch sehr nett (ich sag‘ nur: Tombola :-))
    Wenn der Fußball nur nicht gewesen wäre… Und was „Straight to hell“ angeht – heiß wie die Hölle war’s ja auch in Aue. Danke Feuerwehr!

  9. Beve

    tja, der fußball. dem wasserstrahl war ich auch ganz dankbar, auch dass ich weit oben stand. minimeer :-)

  10. Goyschak

    Der Oka ist mit dem Teufel im Bunde. Die braunen Knopfaugen und die stoische Ruhe sind nur Tarnung. ;-)

    Heinen
    Pröll
    Fährmann
    Kessler
    Und jetzt Trapp?

  11. Beve

    könnte man meinen, der oka ist schon einer, das gibt es so schnell nicht wieder. ich werde jetzt schon nostalgisch, wenn ich daran denke, dass die jetzige womöglich seine letzte saison bei der eintracht ist.

  12. Jazzy

    Habe im Frühjahr auf der Fahrt nach Berlin eine Entdeckung gemacht, die mich seitdem die Raststätte Teufelstal links liegen lässt (oder rechts – je nach Fahrtrichtung):

    Ausfahrt Stadtroda runter (von Ffm. kommend die letzte Ausfahrt vor dem Hermsdorfer Kreuz / von Osten kommend die Ausfahrt nach Raststätte Teufelstal) und dann ein paar Meter bis zum Ortseingang des Dorfes Quirla. Da haben die eine Art Farmer-Blockhaus hingestellt mit offenem Kamin und man kann auch wunderschön draussen sitzen (da wird gegrillt). Super Preise, leckeres Essen, nette Leute! Einfach mal ausprobieren!

    PS: Die besten Thüringer gibt es auf einem unscheinbaren Rastplatz von Ffm. kommend nach der Ausfahrt Magdala (nur aus dieser Fahrtrichtung erreichbar)! :-)

  13. Beve

    den kleinen rastplatz, den du meinst ist genau der, auf dem wir waren – nur in die andere fahrtrichtung. quirla aber werde ich mir merken, danke :-)

    • Jazzy

      Schorbaer Berg – stimmt! Habe ich in der Eile überlesen :-)

  14. Universaldilletant

    Immer nett, deine Berichte zu lesen, auch wenn ich mit Fußball nicht viel zu tun habe. In die Fotos hat sich diesmal aber leider eine Nazi-Sprühschablone eingeschlichen…!

    • Beve

      danke. auch für den hinweis auf die schablone, das wusste ich nicht. ich lasse sie mal stehen – als dokument dieses ausfluges, auch in der hoffnung, dass die leser des artikels auch deinen kommentar lesen. die schablone zu überpinseln aber ist job der auer. ansonsten konnte ich in dieser richtung augenscheinlich nichts wahrnehmen.

  15. Kid

    Ich bin ja immer froh, wenn der Fußball mal dazwischen kommt – zwischen all dem Zirkus und dem anderen Zeug, das ich nicht brauche. :-) Danke für den Bericht, Beve!

    Gruß vom Kid

  16. Holger M

    @Kid: Bei diesem Spiel war ich froh, dass der Fußball nicht die Hauptrolle gespielt hat. Ohne das ganze Drumherum wäre es eine ziemlich bescheidene Fahrt gewesen.. ;-)

  17. ThorstenW

    @Kid – das nächste Mal nehmen wir Dich einfach mit ;-)

  18. Beve

    da gebe ich holger und thorsten uneingeschränkt recht.

  19. Schnellinger

    Jetzt wollte ich gerade anmerken das Bild 1 Nazi-Müll ist, habe aber kurz vor dem Abschicken gemerkt das dies schon jemandem vor mir auffiel..
    Trotzdem mal so als Erklärung für die Mitlesenden: Das stellt eine URL da für die Mobilisierung einer alljährlichen Großdemonstration der Brut in Dortmund, leider einer Hochburgen im Westen. Und perfide wie das widerliche Pack ist findet die zum Jahrestag des Überfalls auf Polen statt, dem internationalen Antikriegstag. Nur das der Verfassungssc..,äh, die Anmelder das „inter“ wegstreicht….

  20. Beve

    danke für die erklärung :-)

  21. Ulrich

    goes straight to the top boys

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