Während die Frankfurter Eintracht derzeit im Trainingslager in Windischgarsten weilt und sich auf die kommende Erstligasaison vorbereitet, derweil in heimischen Gefilden das neue Trikot vorgestellt wurde und der neue Sponsor auf sich warten lässt und sich zudem Innenverteidiger Gordon Schildenfeld wohl nach Moskau verabschiedet hat, gehen Kleinigkeiten des Weltfußballs beinahe unter.

Zum Beispiel, dass der ehemalige FIFA-Präsdident Joao Havelange ebenso wie der langjährige Präsident des brasilianischen Fußballs, Ricardo Texeira, jahrelang Schmiergelder in Millionenhöhe kassiert hat. Der 96 Jahre alte Brasilianer Havelange, der von 1974 bis 1998 der Fifa vorgestanden hatte, erhielt demnach im Jahr 1997 1,5 Millionen Schweizer Franken (rund 1,25 Millionen Euro) von der inzwischen pleite gegangenen Fifa-Vermarktungsagentur ISL (International Sport and Leisure).

Dies erfährt die interessierte Öffentlichkeit allerdings erst im Detail nachdem alles vorbei ist, denn wie im Artikel zu lesen ist, sind „… Die Verfahren gegen die beiden früheren Funktionäre … allerdings nach Zahlung von hohen Geldsummen eingestellt worden. Havelange und Teixeira wiesen die Anschuldigungen stets zurück. Die Unterlagen belegen, dass die Provisionszahlungen der ISMM/ISL-Gruppe bis in die Achtziger Jahre zurückgehen … „

Havelange, der neben seiner FIFA-Präsidentschaft knapp 50 Jahre im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) saß, war schon vergangenen Dezember aus gesundheitlichen Gründen von seinem Sitz im IOC zurückgetreten – bevor er zurückgetreten wurde.

Jens Weinreich schreibt dazu: Nach einer Ewigkeit darf nun endlich die Einstellungsverfügung im ISL-Korruptionsverfahren vom Juni 2010 veröffentlicht werden. Danke an Jean Francois Tanda (Handelszeitung), James Oliver (BBC Panorama) und an die Kollegen vom Beobachter und der Sonntagszeitung, dass sie durchgehalten haben – bis das Schweizer Bundesgericht nun die Veröffentlichung jener Unterlagen anordnete, die nach dem (ursprünglichen Willen) von FIFA und der korrupten Führungsclique nie hatten veröffentlicht werden sollen. Nicht vergessen: Deshalb wurden schon zweimal Millionensummen an Schweigegeld für Korruptionsverdunklungsverträge gezahlt. Aber inzwischen ist aus dem FIFA-Papst Joseph Blatter ja ein Reformer geworden.

Jener Blatter, der zu Havelange-Zeiten Generalsekretär der FIFA war und unter dessen Ägide die nun veröffentlichten Informationen geheimgehalten werden sollten. Weinreichs kritische Begleitung der Umstände rund um die FIFA, ISL und die Verwicklung des IOC findet ihr hier. Die Lektüre ist dringend empfohlen.

Tja Freunde, so läuft er, unser heißgeliebter Fußball. Die wahren Hooligans tragen weder Hoodie noch Sneaker und sie werden nicht mit Quarz- sondern mit Samthandschuhen angegangen – während in der Öffentlichkeit das Bengalo oder der Platzsturm oder die Ultras den Fußball kaputt machen.

Was ist eigentlich Ultra? Diese Frage hat Kai in seinem hervorragenden Blog altravita.com gestellt – und er hat Antworten bekommen, die er uns nicht vorenthält: Das ist Ultra. Eine von vielen Antworten, die Leser des Blogs auf die Frage Was ist Ultra gegeben haben lautet: Eine Erholung vom gesamtgesellschaftlichem Bullshit. Ein Ersatz und ein Ort zum Wohlfühlen, Wahlverwandschaft, eine Auszeit die über 90 Minuten hinausgeht und trotzdem nicht weit genug greift, weil sie letztendlich doch nichts ändert.

Das Schöne ist, dass auf altravita.com nicht nur – wie so oft – über die Ultras geschrieben wird, sondern sie selbst zu Wort kommen; ein offenes und zugleich widersprüchliches Bild offenbart sich, welches so gar nicht zum (ver)öffentlich(t)en passt. Dazu gibt es hier gleich noch einen Link zu einer Aktion der Frankfurter Ultras, die euch gegen die Bezahlung der Materialkosten anbieten, triste graue Wände mit Eintracht-Graffitis zu verschönern. Und wer sich einmal die Unterführung am Waldstadion angesehen hat, der weiß, welch geile Sachen dabei heraus kommen. Also nutzt die Gelegenheit. Und sagt Bescheid, wenn ihr die Sonne gesehen habt.