Neulich nahm mich ein entfernter Bekannter zu Seite und flüsterte mir im Vertrauen zu: „Ich glaube, ich habe mir Schland eingefangen.“ Ich rückte ein bisschen von ihm ab, denn er wusste nicht genau, ob es ansteckend ist. Der entfernte Bekannte war völlig zerknirscht.

„Es fing alles ganz harmlos an. Wir haben wie so oft einfach nur Fußball geguckt und da war dieser Typ mit dem weißen Trikot mit der Nummer 13. Als der Gomez dann das 1:0 gegen Portugal gemacht hat, springt der auf und umarmt mich, ich glaube, dabei hat er mich infiziert. Nach dem Spiel sind wir raus ins Auto, bisschen cruisen, Toten Hosen hören und so. Und mitten auf der Allee hatte ich die erste Attacke. Ich habe pötzlich gehupt – obwohl kein Fahrradfahrer in der Nähe war. Es war mir ein bisschen peinlich, aber ich habe mir nichts draus gemacht. Aber schon ein paar Tage später war da so ein Gefühl, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll – erst als ich mir einen großen Hut in lustigen Farben aufgesetzt habe, gings mir besser. Ich hab mich zuerst gar nicht raus getraut, aber der Typ mit dem Trikot hat mich angerufen und gemeint, er wüsste, wo sich ne ganze Menge Leute treffen, denen es ähnlich geht. Wir sind da abends hin, es war gar nicht so teuer. Und tatsächlich, da waren wirklich ganz viele. Alte, Junge, Frauen, Männer. Sogar Kinder hatte es erwischt, manche mussten sich sogar das Gesicht anmalen. Es war auf der einen Seite fürchterlich, auf der anderen aber auch ganz gut, sich mal für einen Moment nicht so alleine mit Schland zu fühlen.“

Er hatte mein Mitgefühl, doch bevor ich ihn trösten konnte, brach er in ein Schluchzen aus: „Und dann war da dieser Zwang. Weißt du wie es ist, wenn du gar nicht anders kannst, als dir eine Blumenkette aus Plastik zu kaufen und sie dir um den Hals zu hängen? Mir ist das so peinlich. Aber ich muss es machen. Ein bisschen später packt mich der Ekel, ich reiße mir das Ding vom Hals und wasche meine Hände und schwöre mir, es nie wieder zu machen. Aber gestern Abend brach Schland wieder voll durch. Ich schäme mich so.“

Geknickt erzählte er, dass er nach einem erneuten Fußballspiel, dass er mit vielen anderen gesehen hatte, sich auch noch Das-ist-so-geil-Schreien-Syndrom eingefangen hat. Meistens kommt es nicht zum Vorschein, ausgelöst aber wird es durch eine Fernsehkamera. „Wenn so etwas vor dir auftaucht hast du gar keine andere Wahl, als in einer Art Anfall Das-ist-so-geil zu schreien. Das haben doch sonst nur Mädchen“, wimmerte er.

Ich habe mich dann zwischenzeitlich mal schlau gemacht – und konnte ihm durchaus Hoffnung machen. Schland bekommt man zwar nie ganz los, aber es legt sich mit der Zeit. Meist tritt es alle zwei bis vier Jahre schubweise auf, fängt fast nichtig an und bricht im schlimmsten Fall vier Wochen später völlig aus. Die Menschen sind nicht wieder zu erkennen, Mützenzwang, Hupzwang, Das-ist-so-geil-Schreien – alle Symptome, die mein entfernter Bekannter an den Tag gelegt hatte, brechen bis zur völligen Selbstentfremdung völlig durch – doch es legt sich je nach Umstand mit einem Schlag wieder. Schon Anfang Juli hat sich Schland bei den meisten wieder beruhigt. Nur die Patienten, die sich ein ganz mieses Schland eingefangen haben, schleppen sich mit Schland durch den Winter. Tiefgreifende Persönlichkeitsstörungen sind dann die Folge, die Personen sind mit normalen Heilungsmethoden nicht mehr erreich- oder therapierbar. Meist rotten sie sich in kleinen Gruppen zusammen und reden gemeinsam wirres Zeug. Schulmedizin aber auch alternative Methoden sind an Winterschland bislang gescheitert. Hardliner fordern ein Verbot, aber das wäre genau so albern, als würde man Husten verbieten schrieb die Frankfurter Rundschau schon 2006.

Berlin: Neu in die Liste der schlimmsten Verbrechen der Menschheit ist nun der gemeine Papierkugelwurf aufgenommen worden. Hinweise verdichten sich, dass die Täter jedoch nicht aus Überzeugung handeln würden, vielmehr sei der Papierkugelwurf eine seltenes Symptom von Schland. Dennoch muss mit der ganzen Härte des Gesetzes vorgegangen werden.

Und ganz zum Schluss noch eine Meldung aus der Tierwelt. Während lange Jahre der Goldhamster auf der Liste der reichsten Tierarten ganz oben stand, muss er sich heuer mit dem zweiten Platz begnügen. An der Spitze landete erstmals das Reichhörnchen.