Wie es sich für einen ordentlichen Blog gehört, der sich meist mit Fußball, konkret mit der Eintracht beschäftigt, dürfen natürlich ein paar Worte zur Europameisterschaft nicht fehlen. Das fängt schon damit an, dass es gar nicht mehr Europameisterschaft heißt, sondern Uefa Euro 2012 ™. Eigentlich ist es ja gar keine Europameisterschaft, es ist eine gigantische Kasperleveranstaltung mit unzähligen Kasperle und Seppls und im Grunde nicht der Rede wert, wenn nicht Fußball gespielt würde. Das ist das Schöne, es wird tatsächlich Fußball gespielt. Mal mehr (Russland) mal weniger (Frankland) gut, aber immerhin: Fußball. Das wird ja meist vergessen. Ich finde es ja immer noch geil, wenn ein Schuss aus dem Fußgelenk abgefeuert wird, wenn ein Torhüter den Ball mit den Fingerspitzen noch über die Latte lenkt oder ein Tackling gelingt. Der Pass von Silva in die Gasse, der zum Ausgleich der Spanier führte, hach der war klasse. Und wenn Kollege Torres den Ball aus 16 Metern über den Kasten schlenzt, statt den besser positionierten freien Mann anzuspielen, dann reg ich mich kurz auf, obgleich mein Herz nicht wirklich für die Spanier schlägt. Im Grunde ist es mir völlig egal, wer Uefa-Euro-2012 ™-Pokal-in-den-Goldregen-Hochhalter wird – solange das Team es sportlich verdient hat.

Ansonsten gibt es natürlich die Randerscheinungen. Positiv aufgefallen ist mir bislang Mehmet Scholl. Alleine schon deshalb, weil er den Sachverhalt um Mario Gomez spitzzüngig formulierte, das Zitat dürfte hinlänglich bekannt sein, wundliegen und so. Ansonsten: Nichts. Halt, stimmt nicht, postiv waren auch die Nebelschwaden abgebrannter Rauchbomben, die so unschuldig über das Spielfeld waberten, als die Kroaten die Iren versenkten. Vor allem deshalb, weil die gesendeten Bilder per Order jene brennenden Kurven nicht zeigen dürfen. Apropos nicht zeigen: Krawalle gibt es natürlich auch nicht, sonst könnte man diese ja hier sehen.

Der freien Welt werden also Bilder vorgesetzt, die mit den wirklichen Geschehnissen rund um das Kasperletheater nur am Rande zu tun haben. Mit Zensur hat dies nichts zu tun, natürlich. Statt dessen wird gezeigt, was zensiert gehört. Die Frisur von Gomez zum Beispiel oder KMH. Oder Oliver Kahn, der der hehe Bedeutung seiner Statements stets ein sehr hinzufügt. Besser zwei. Das heißt, wenn ich sagen würde, dass Scholl mir gut gefällt, würde Kahn sagen: Scholl gefällt mir sehr gut. Um genau zu sein: Scholl gefällt mir sehr sehr gut. Hehe. Um ganz genau zu sein, würde Oliver Kahn dies natürlich nicht sagen, da der Mehmet und der Oliver natürlich für sehr sehr verschiedene Fernsehsender arbeiten. Auch Poschmann gehört zensiert. Ich meine, der Mann ist älter als ich und was sagt er: Den Zlatan nennt man in Schweden Zlatan. All dies zu geißeln ist natürlich pillepalle, denn zum Einen wurde es schon tausendmal gegeißelt und zum Anderen ist es im Prinzip reine Zeitverschwendung, den Irrsinn Irrsinn zu nennen. Und zu diesem Irrsinn gehört natürlich ein Morphsuit, es gehören die angemalten Hackfressen dazu und die dämlichen Fantussis im Bild. Nichts gegen Frauen beim Fußball, im Umfeld der Eintracht gibt es etliche, die wissen, was sie machen. Niemals hat sich eine davon eine Eintrachtfahne auf die Backe gemalt oder auf die Brust. Und wenn doch, dann meine ich die nicht. Irrsinnig ist es natürlich auch, wenn Rewe als Ernährungspartner des DFB fungiert. Massenindustrie als Sportlernahrung. Das ist in etwa so, als gäbe es Alkoholreklame bei Fußballübertragungen. Wie Bitburger? Das ist sehr sehr bedenklich. Hehe.

Gut, großartig ist natürlich auch der DFB. Es scheint allen Ernstes einen Hinweis gegeben zu haben, Spielerfrauen bitteschön nicht mehr zu fotografieren. Jetzt müssen sich diese armen Geschöpfe wieder ordentlich anziehen – für ein Fotomodell nahezu ein Affront. Jetzt könnte man meinen, dass die Fotografen dennoch draufhalten würden. Machen sie aber nicht, sie wollen ja weiterhin an der Quelle des sprudelnden Bildes sitzen oder gar mit leibhaftigen Fußballern sprechen. Obwohl es ja eigentlich egal sein könnte, denn: „… so zogen die meisten von ihnen nach dem Portugal-Spiel wortlos an den wartenden Reportern vorbei und lassen Stenger bei seinen Versuchen, Interviewanfragen zu vermitteln, meistens ins Leere laufen. Obwohl sie keine Spielerfrauen angefragt hatten. Klar, mit der Aufklärung ist es in Zeiten der wunderschönen Warenwelt vorbei, die Produktion von Illusionen hingegen läuft auf vollen Touren. Jaja, alter Hut, ich weiß – aber kann man ja nochmal erwähnen. Wie auch immer, es gibt noch ein paar schöne Seiten der Euro. Hier zum Beispiel gibt es was zum Lachen, hier was zum Fußball und hier Ernährungstipps. Viel Vergnügen mit der Uefa Euro 2012 ™ wünscht euch weiterhin Beve, den man hier in Frankfurt Beve nennt.