Als zu Beginn der vergehenden Saison die Waldtribüne das Licht der Welt erblickte, war dies keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Zwischen Sinn und Zweck, Sicherheitsbedenken und Finanzierungsoptionen mussten allerlei Diskussionen geführt werden, um letztlich das Ok zu bekommen – zunächst bis zur Winterpause.

Wie das ganze ankommt, blieb abzuwarten – immerhin wussten wir, dass viele Eintrachtfans im Rahmen eines Heimspiels der Eintracht ihre festen Treffpunkte haben, sei es beim Bratwurst-Walter, beim Wach, am Gleisdreieck, Ultra-Container oder wo auch immer. Unser Angebot richtete sich im Wissen darum vor allem an diejenigen, die vor dem Spiel keine konkrete Anlaufstation hatten – und es richtete sich auch an die Fans des jeweiligen Gastvereins. Angedacht in einer Zeit, in der die Fans der Eintracht medial in ein finsteres Licht gerückt wurden, stand auch der Aspekt im Vordergrund, unaufgeregt, charmant aber durchaus kritisch eine Präsenz zu schaffen, die Ereignisse aus erster Hand darstellt und beleuchtet – ohne durch einen von einem kommerziellen Sponsor mehr oder weniger vorgegebenen Rahmen für fußballfremdes zweckentfremdet zu werden.

Außer der Gewissheit, dies zu können wussten wir zu Beginn nicht, wie die Waldtribüne angenommen wird, ob Leute kommen und wie die Resonanz in der Öffentlichkeit sein wird. Das Konzept bestand darin, einerseits Prominente aus dem Eintrachtleben mit Fragen zu löchern, andererseits aber auch den Fans Stimme und Gesicht zu geben; jenen Fans, die in der äußeren Wahrnehmung meist als Randalebrüder oder – schwestern wahrgenommen werden – weil kaum jemand sich die Mühe macht, dieses Bild zu korrigieren.

Immerhin, zur allerersten Waldtribüne hatten wir nicht nur den Vorstandsvorsitzenden der Eintracht, Heribert Bruchhagen zu Gast, sondern auch mit Werner Fleckna einen Vertreter des großen Fanclubs EFC Adlerhorst Stadtallendorf. Dazu gesellte sich ein Paderborner Fanurgestein. Im Laufe der Zeit etablierten sich zwei feste Programmpunkte. Zum einen berichtet die Sammlerlegende Doc Hermann aus der Historie der aktuellen Begegnung und zum anderen verkündet Kurt E. Schmidt die aktuelle Mannschaftsaufstellung – der besondere Gruß gilt dabei jeweils den Eintrachtlerinnen.

Im Laufe der Saison entwickelte sich die Waldtribüne in einer Art und Weise, die uns stets ein Lachen ins Gesicht zauberte – und wir konnten großartige Menschen und Geschichten präsentieren. Und das Feedback der Gäste, insbesondere der Gastvereine war durchweg positiv, wir fanden uns in so mancher Stadionzeitung wieder und auch im Magazin der Eintracht wurde regelmäßig über uns berichtet. Jula Reichard griff für die Fanbetreuung zur Feder und hielt die einzelnen Veranstaltungen für die Ewigkeit fest.

Wen hatten wir nicht alles auf der Waldtribüne zu Gast; Peter Fischer und Pirmin Schwegler, Alex Schur und Charly Körbel, Dr. Peter Kunter und Egon Loy, die Meister von 1959 oder Uwe Bindwald seien stellvertretend für die Eintracht genannt, Henni Nachtsheim und Gerre für die musikalische Abteilung – aber auch die FuFa, die Fanbetreuung, die Fan geht vor oder der neue Nordwestkurvenrat stellten sich vor. Natürlich boten wir auch unseren Gästen eine Platform, den Nachwuchskids aus Braunschweig, der FuMA von Union Berlin, Heftemacher aus Karlsruhe ebenso wie treuen Ingolstädter-Fans oder dem Fanbeauftragten des FSV, Jürgen Eimer, der sogar klammheimlich die Europapokalspiele der Eintracht besucht hatte. Karl Heinz Pilz erlebte bei uns seine 1000ste Sportveranstaltung, der Dresdner Fanbeauftragte berichtete zu einer Zeit, als die Fans von Dynamo hochoffiziell vom Spiel ausgesperrt waren und als emotionaler Höhepunkt zeigte sich der ehemalige Eintrachtler und jetzige Cottbusser Spieler Martin Fenin nach einer mehrmonatigen Auszeit erstmals bei uns auf der Waldtribüne der Öffentlichkeit. Manchmal gingen auch Dinge schief, dies betrifft vor allem zeitlich bedingte Unwägbarkeiten – vor allem die Gästefans, die mit dem Bus anreisen, kommen manchmal kurz vor knapp – und wie der Cottbusser Gurke ein paar Minuten zu spät. Der Busfahrer hatte zunächst das Stadion des FSV angesteuert.

Kein einziges Heimspiel ging in all der Zeit verloren und nun steht fest – die Eintracht spielt in der kommenden Saison wieder erstklassig, das 3:0 in Aachen sicherte zwei Spieltage vor Ende den von allen ersehnten Aufstieg. Und dieser Aufstieg muss natürlich gefeiert werden. Und somit fiel uns die Aufgabe zu, die Feier zum Aufstieg im Stadion zu gestalten – eine große Ehre aber auch eine Belohnung für die Arbeit, die zu Beginn auch von offizieller Seite teils argwöhnisch beobachtet wurde. Und so wird sich zum Spiel gegen 1860 erstmals der Ort des Geschehens ein paar Meter nach hinten verlagern und auch die Bühne wird um einiges größer sein als sonst, immerhin muss sich darauf eine ganze Fußballmannschaft zeigen – die Aufsteiger 2012.

Natürlich bin ich zusammen mit Frauke das Gesicht der Waldtribüne, dies liegt schlicht daran, dass wir beide moderieren und deshalb präsent sind. Aber das Projekt lebt in erster Linie davon, dass im Vorfeld und auch während des Ablaufs etliche Arbeitsschritte im Hintergrund laufen. Dies beginnt mit organisatorischen Rahmenbedingungen, die vor allem von Matze Thoma erarbeitet werden, geht weiter über die Kontaktaufnahme mit unseren Gästen, wo uns die Fanbetreuung unterstützt – ebenso wie bei den Berichten im Stadionheft. Mit angeschoben hat das Ganze auch das Frankfurter Fanprojekt, zu dem auch Basti zählt, der ebenfalls moderiert hat – in den letzten Wochen aber auf Grund eines Unfalls des Fanprojekt-Leiters Steff viele andere Aufgaben zu erledigen hatte. Jasmin, die gleichfalls vor der Winterpause präsent war, musste sich in der Rückrunde ihrem Studium widmen – und so führten in letzter Zeit Frauke und ich durch das Programm, während Pia darauf achtet, dass alle Gäste vor Ort sind und uns die Zeitangaben vermittelt. Dies ist nicht immer ganz einfach, vor allem, wenn sie weiß, das mancher unserer Gäste einen minutiösen Terminkalender hat und wir oben fröhlich die Zeit verplaudern. Ich glaube, dass sie sogar Charly Körbel festgebunden hat, damit er uns nicht davon läuft.

Gleichfalls zum Gelingen tragen die Bühnenbauer und Techniker bei, die uns jeden Wunsch freundlich erfüllt haben und auch die Veranstaltung vor Ort betreuen, so dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Und dazu kommen noch die Helfer, die einspringen, wenn auf die Schnelle noch etwas zu erledigen ist; Öri ist immer da, auch Stefan Ungänz passt auf, dass niemand vergessen wird und wir entspannt das Programm präsentieren können.

Jetzt also 1860.

Vor dem Spiel präsentieren wir euch neben dem Doc und Kurt den Mittelfeldstrategen des Fußballs 2000 – der Mann des tödlichen Passes: Uwe Bein. Dazu begrüßen wir mit Dr. Thomas Pröckl den Finanzvorstand der Eintracht, der sich nach 12 Jahren nach Ende der Saison anderen Aufgaben widmen wird. Und zudem heißt es: Ja, mir san mim Radl da. Die fahrradfahrenden Fans Werner Kümmel aus Frankfurt und Wolfgang Feckl aus München besuchen uns und erzählen, was es heißt, Auswärtsspiele mit dem Fahrrad zu besuchen.

Nach dem Spiel starten wir mit Musik und werden auf der Bühne ganz sicher spannende Gäste präsentieren, bis wir uns auf den vorläufigen Höhepunkt freuen können: Die Mannschaft der Frankfurter Eintracht wird bei uns gebührend gefeiert werden – von euch, den Fans der Eintracht, die noch vor einem Jahr mit hängenden Köpfen aus dem Stadion geschlichen sind. Und dann heißt es wieder einmal: Nie mehr, zweite Liga! Eröffnet aber wird die Waldtribüne stets mit dem legendären Song A Banda von Herb Alpert; hier jetzt exclusiv nur für euch. Wir seh’n uns.