Only time and life will tell
But it’s a long way home when you’re in hell
Where constant demons fracture souls
Once a nightmare, now just lifeless ghosts

Flogging Molly – Speed of darkness

So langsam wird es Zeit, mal wieder hier vorbei zu schauen und ein Lebenszeichen zu hinterlassen. Die letzten Wochen waren geprägt vom Abstieg der Eintracht und vom Verlust unserer Fotoausrüstung – beides musste ich erst einmal verarbeiten und verdauen. Zwar gibt es in Sachen Foto keine Entwarnung so doch immerhin Ersatz. Auf der einen Seite konnten wir relativ günstig ein neues Nachfolgemodell meiner Kamera erwerben – wobei relativ im Sinne von relativ zu verstehen ist. Auf der anderen Seite verdanke ich Alexander von den Visualizers eine detailgetreue Kopie meines alten Tele, welches mir von Stefan seinerzeit überlassen wurde und das nun in den Händen von jemandem steckt, der demnächst dreimal großes Unglück erleiden wird. So der Fluch, der bleischwer über ihm liegt. Noch fremdel ich mit der neuen Kamera allerdings, wir müssen erst ein paar Abenteuer erleben, um Freunde zu werden – only life and time will tell…

Und da mir die Geschehnisse der letzten Wochen meine Laune gewaltig verhagelt hatten, war meine virtuelle Präsenz gleich Null. Keine Eintracht, kein Eis, keine Currywurscht und auch keine Fotos. Das musste auch mal sein; ich hoffe, ihr vergebt mir.

Anderswo hat sich ne Menge getan. In Oberursel ist zum Beispiel Hessentag. Ein Fest für die ganze Familie – auch wenn manch Anwohner sich hinter Zaun und Draht versteckt. Wenn die Sonne scheint, kann man sich schön in Orschel herum treiben lassen, Apfelwein trinken und lecker koreanisch essen. Irritierend ist die massive Inszenierung der Bundeswehr und die austellende Präsenz der Polizei auf dem Hessentagsgelände. So marschierten wir zufällig an einer Darstellung der Hundeführer vorbei – in höchsten Tönen wurden die Viecher gelobt, die uns schon bei so manchem Bundesligaspiel das Leben schwer machten. Während die Polizei also gerade in Oberursel zu Imagezwecken gebraucht wurde, gab es in Frankfurt anderes zu tun, wie beim stadtkindFFM schön nachzulesen ist.

Das wirft die Frage auf, wem eigentlich die Stadt gehört. Allenthalben lesen wir von Gentrifizierung und wundern uns über neu erschlossene Viertel mit satten Mieten oder aus dem Boden schießende Wolkenkratzer, etwas höher als geplant und genehmigt. Wem gehört also die Stadt? Eine gute Frage, die sich auch andere gestellt haben. Erst klebten die Aufkleber, dann kamen die Stencils – zu hören oder zu lesen gab es recht wenig darüber – auch über den Aktionstag des vergangenen Samstags. Hier und hier können wir uns beim stadtkindFFM dankenswerter Weise ein Bild verschaffen und beim topspot-ffm findet sich ein Verweis auf die Zeitung zum vergangenen Aktionstag. Der ist zwar vorbei, die Problematiken aber begleiten uns jedoch weiterhin.

Zur Eintracht sage ich nichts, außer dass ich mich schweren Herzens nach neun Jahren als Stadionsprecher der zweiten Mannschaft verabschiedet habe. Es war eine schöne Zeit mit tollen Erfahrungen – aber irgendeiner muss ja mal den Anfang machen, und den Platz anderen überlassen. Wer weiß schon was kommen wird? Finstre Einsamkeit und depressive Sonntage – oder das große Glück? Only time and life will tell …

Zu guter Letzt kommt jetzt noch ein Buchtipp für die sonnigen Tage am Baggersee oder am Strand des Vertrauens. Wahlweise auch im Park bei kostenloser Sonne:  Echtleben – Zwischen State of the art und Hartz 4 ist es nur ein kleiner Schritt. Meine geschätzte Freundin Katja Kullmann weiß, wovon sie schreibt. Leben beißt.