Heute ist der Tag einer Premiere. Schon häufiger bin ich daran vorbei gefahren, doch erst Pias Hinweis gibt den finalen Schubs. Bislang ignorierte ich Curry deLuxe mehr oder minder aus dem einfachen Grunde, weil es mir für ne Currybude zu stylish daher kam. Hier, Ecke Oeder Weg/Jahnstraße wartet seit einigen Jahren eine Melange zwischen Restaurant und Imbiss auf die hungrigen Mägen. Und auch hier gibt es die Möglichkeit, draußen zu sitzen.  Im Curry deluxe konzentriert sich vieles auf die Currywurst. Die Speisekarte bietet etliche Optionen; von den Klassikern Brat- und Rindswurst über die Berliner bis hin zur Odenwälder Kartoffelbratwurst ist alleine schon das Wurstsortiment  äußerst vielfältig.  Zehn verschiedene Soßen stehen ebenso zur Auswahl wie sieben verschiedene Schärfegrade – dies ergibt insgesamt ein paar Hundert Kombinationen. Hinter dem Bestelltresen an der Wand türmen sich Berge von Pommes. und auch an den Nachwuchs wurde gedacht; ein Kinderteller kann geordert werden. Für mich stellt sich die Frage: Was tun?

Ich ordere schlicht eine Rindscurry mit Pommes. Die weibliche Bedienung fragt mich, ob ich die Wurst mitnehmen oder vor Ort verzehren möchte – als ich antworte „draußen auf der Bank“ ist die prompte Reaktion: „OK, ich bringe sie ihnen raus“. Kein stundenlanges Verhör, kein Nachfragen – und  dazu die Option, das Essen gebracht zu bekommen., ich nicke wohlwollend und setze mich auf die Bank in die Sonne. Während ich den fließenden Verkehr betrachte  warte ich gespannt, was mich auf mich zukommen wird. Nichts ist enttäuschender als mit hungrigem Magen einem kulinarischen Desaster entgegen zu sehen; vor allem, wenn du das erste Mal in einer Restauration zu Gast bist. Aber ich habe es ja so gewollt. Wenige Minuten später kommt die junge Frau und bringt meine Wurst. Ökologisch einwandfrei schlummert sie auf einem Porzellanteller (die Wurst, nicht die Bedienung), dazu werden Messer und Gabel aus Metall und eine Serviette gereicht – es ist angerichtet.

Auf den ersten Blick fällt deutlich ins Auge, dass die Currywurst nicht geschnitten ist. Dies ist eher ungewohnt, aber kein wirkliches Drama. Eine ordentliche Portion Pommes respektabler Bräunung umsäumt die Wurst, die wiederum verschwenderisch von einer roten Soße begossen ist. Currypulver in wohldossierter Menge rundet das Bild ab. Der Anblick ist appetitlich und macht Lust auf den ersten Bissen.

Die Wurst lässt sich gut schneiden, jedoch fällt dabei auf, dass sie auf einer Seite ein Tuck zu lange gelegen hat. Dies fällt jedoch weder beim Schneiden, noch beim Kauen ins Gewicht. Geschmacklich schlägt das zu lange Liegen erst bei den letzten Bissen der dünner werdenden Wurst ein wenig durch. Ein weiteres winziges Manko ist, dass die Wurst ganz leicht zu kühl ist. Ansonsten lässt sie sich gut kauen und hat einen ausgezeichneten Geschmack. Die Soße erweist sich als in sich stimmig, es ist im Hause die Standardsoße, sie ist leicht angewärmt und vom Geschmack her ganz leicht fruchtig. Sag ich jetzt mal so, auf alle Fälle breitet sie sich im Munde aus und hinterlässt trotz bangem Warten keinen bitteren oder merkwürdigen Nachgeschmack, im Gegenteil: Sie ruft nach mehr. Die Pommes sind sowohl von der Größe als auch von der Würze und der Wärme tadellos. Es ist eine Freude, diese Wurst zu essen und es wird am Ende weder von ihr noch von den Fritten noch von der Soße etwas übrig bleiben. Als es ans zahlen geht, werden 5 Euro fällig. Extra Ketchup hätte mit dreißig Cent zu Buche geschlagen, eine 0,33 Cola laut Karte mit 2,70. Ein stolzer Preis für ein Kaltgetränk.

Im Fazit lässt sich sagen, dass Curry deLuxe seinem Namen alle Ehre macht. Die Auswahl ist vielfältig, die Zutaten geschmackvoll abgestimmt und der Service freundlich. Das Essen ist nicht gerade günstig, doch es wird auch nicht aus einem Wohnwagen gereicht und solange kein Getränk geordert wird, bewegt sich der Preis zwar am oberen Limit – aber im Rahmen. Perfekt wäre es, wenn die Wurst mit einem scharfen Messer geschnitten wäre und sie etwas kürzer gelegen hätte – aber auch so war ich nicht zum letzten Mal zu Gast im Culux. Vielleicht probiere ich dann eine Variante der vielen Soßen und Schärfegrade. Für das Essen heute gibt es völlig verdient

4 von 5 Cupos

Damit schiebt sich das Culux auf den zweiten Platz – und hat sogar das Potential für mehr. Das ist gut zu wissen.

Generell lässt sich sagen, dass es natürlich ein wenig Glücksache ist, ob die Wurst auf den Punkt gebraten ist, oder  doch zu lange gelegen hat – was in meinem Falle immer zur Abwertung führt. Allerdings  ist die Grenze fließend, wenn man nicht jedem Gast eine frische Wurst braten will; schließlich geht die Braterei mit einer längeren Wartezeit einher, die nicht jeder mitbringen möchte. Doch gute Wurstbräter erkennen, wenn eine Wurst überaltert scheint – und verkaufen sie einfach nicht mehr. Und gute Gäste ordern im Zweifel eine neue.

Mahlzeit.