In wenigen Wochen stehen bei der Eintracht Präsidentschaftswahlen an. Peter Fischer, seit 2000 im Amt, tritt erneut zur Wahl an. Gegenkandidaten gibt es nach dem Debakel vor drei Jahren keine. Nun hat er öffentlich gegen die AfD und Konsorten Stellung bezogen. Aussagen, die ihn sicher Stimmen kosten werden.

Neben ordentlichem Zuspruch folgte natürlich ein Shitstorm in den einschlägig bekannten Portalen, aber auch in den Kommentarspalten der klassischen Medien. Und die Reaktionen zeigen, wie notwendig die Positionierung Peter Fischers ist. Wie zu erwarten gingen die Beschimpfungen ins persönliche, grotesk aber ist es, dass sich ein gehöriger Teil der Wütenden, die sich sonst für nichts zu schade sind, in die Opferrolle begeben. Man glaubt ja nicht, mit welchem Großmaul die Afd-Vögel inkl. Umfeld nach vorne preschen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Von Schuldkultgefasel, Begriffen wie Rassenschande bis zum Abfackeln von armseligen Hütten und dem „Optimieren der Objektivität“ ist alles dabei. Wenn sich der Wind aber nur ein bisschen dreht, dann auf einmal sind sie auf der Maus ausgerutscht, eine soziale Gruppe, berufen sich standepede auf Demokratie, identifizieren sich mit den Opfern des Holocaust und wähnen sich im Dritten Reich. Das ist derartig grotesk, da fällt einem nix mehr ein. Das ist ein Verein bösartiger Jammerlappen und die, die nicht bösartig sind, sind Lauchs. Im End aber nicht zu unterschätzen, wenn die nämlich mächtig werden, kennen sie kein Erbarmen, kein Mitleid und keinen Anstand.

Letzte Worte hatte ich gestern auf facebook gepostet, die Resonanz war positiv. Dennoch ist es für mich wichtig, einen Beitrag zu leisten, um Peter Fischer zu unterstützen. Die Beleidigungen, die ihm widerfahren sind, sind teils unerträglich – und spiegeln genau jenen Ungeist wieder, der gesellschaftlich nie wieder Fuß fassen darf. Wobei er schon Fuß gefasst hat. Eines aber muss überprüft werden, der Vorwurf des Antisemitismus an das blaubraune Volk. Im Gegensatz zu den Nationalsozialisten mit ihrem klaren Vernichtungswillen, dürfte sich der Antisemitismus in Reihen der AfD nicht sonderlich von anderen Parteien unterscheiden, auch der Antisemitismus in Form der „Israelkritik“. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Hauptgegner der AfD, der Islam ist, und etliche seiner Vertreter Israel und das Judentum in der Existenz bedrohen. Von daher mag der Antisemitismus der AfD und Co ein strategischer sein. Allein der Umgang mit dem Gedenken an den Holocaust, Begriffe wie Schuldkult, sprechen eine bekannte Sprache.

Es ist nicht selbstverständlich, dass der Präsident eines Vereins klare Kante zeigt, vor allem dann nicht, wenn er sich dadurch sein Wahlergebnis mit Ansage versaut, wobei an seiner Wiederwahl keine Zweifel bestehen, vorausgesetzt, die Eintrachtler nehmen ihr Recht wahr und gehen auf die Mitgliederversammlung. Es geht hier nicht um Gesinnungskontrolle, um die Überprüfung des Wahlverhaltens. Gut, die AfD ist für mich unwählbar, aber es mag auch Leute geben, die sie gewählt haben und keiner Fliege etwas zu leide tun können. Wobei die Erfahrung zeigt, dass mitlaufen auch ins gewaltvolle kippen kann, wenn der Boden bereitet ist. Und Mitlaufen bedeutet immer, die Auswüchse zumindest zu tolerieren. Es geht vor allem um den empathielosen Umgang miteinander, wider den Ungeist der kollektiven Gewalt, es geht um Rassismus, um den völkischen Geist. Es geht auch um Solidarität mit den Schwachen – was nicht bedeutet, jeden Unfug auch den, der im Namen des Islams verbreitet wird, zu akzeptieren oder zu tolerieren. Es geht darum, das zu bewahren, was die Eintracht mühsam aus ihrer Geschichte gelernt hat. Von daher bin ich Peter Fischer für die klaren Worte dankbar.