Sonntag, früher Vormittag, die Sonne blinzelt in die Augen – und so langsam schiebt sich ein Gedanke an den gestrigen Tag ins müde Hirn. Auswärtssieg, Bus, Backstage. Ja, es war kein Traum; es war ein luxuriöses 4:1 der Frankfurter Eintracht beim VfB. Und weil es so schön war, kann man ja auch mal fremdgehen. An den Bornheimer Hang zum FSV.

Vor allem, wenn der Gegner St Pauli heißt und das ganze fünf Fahrradminuten vor der Haustüre stattfindet. Und dazu noch die Sonne scheint, wie so oft in diesem Sommer, der in der Tat einer war. Also runter an den Hang mit dem Fahrrad, nach drei Minuten Warten am Kassenhäuschen halten wir ein Stehplatzticket in der Hand. Zuvor war Pia durch eine Pfütze gerauscht. Eine Dame aus Hamburg blickte etwas säuerlich aus der Wäsche. Mein Gott, das war Wasser. Ein paar Tropfen. So schnell wird aus unangepasst angepisst.

Gude Marc, hi Maria, servus Miri, moin schusch – eben noch in Stuttgart, jetzt chillen in Bornheim. Beide Kurven waren gut gefüllt, das ist ja nicht selbstverständlich hier, umso netter die Optik. Gute Sicht von Block O auf den Gästeblock, der heuer ganz in Rot daherkam, was durchaus mit den Wahlen in Hamburg zusammenhängt. Sicherheitshalber wurde das ganze noch pyrotechnisch untermalt. Wie immer natürlich noch jede Menge Eintrachtler in der Heimkurve, Stefan war auch dabei, weiter links steht Kine neben Buffo, während der FSV einige Spieler verabschiedet. Die Sonne knallt in den Gästeblock und uns in den Rücken – der Hang nicht ganz ausverkauft, offiziell hieß es später 10. 217. Ordentlich.

Anpfiff. Alex Huber (Nummer 15) kickt immer noch beim FSV, die meisten Spieler aber sind dann doch eher unbekannt – auch Felipe Pires, der erst unter der Woche aus Hoffenheim ausgeliehen wurde. Während die Gästekurve supportet wie die Großen, herrscht in der FSV-Kurve ein buntes Kuddelmuddel, jeder macht was er will – ab und an dringt ein zaghaftes EffEssVau an mein Ohr. Unten auf dem Platz wird schnell klar, dass die Eintracht auch im kommenden Jahr wohl gegen keines der beiden Teams spielen wird, es sei denn die Diva geht runter, was jetzt so gar nicht im Programm steht. Aber man kann sagen, dass beide Frankfurter Clubs gute Torhüter haben – nach den Abgängen von Trapp und Klandt nicht unbedingt zu erwarten.

Die erste Halbzeit plätschert so vor sich hin. Sommerfußball – auf der anderen Seite kannst du für das Geld, was der VfL Wolfsburg für de Bruyne bekommen hat beide Teams kaufen und das Stadion noch dazu, da sind die Erwartungen naturgegeben etwas niedriger. Und natürlich drehe ich hier nicht durch. Sachliches Fußballgucken ist ja auch mal schön, emotionaler Wahnsinn dann wieder in Schwarz-Rot. Immerhin wedelt vor Ort keiner mit einer Fahne vor der Nase herum – ich sehe.

Nach Wiederanpfiff dauert es nur ein paar Sekunden, dann drischt Halimi aus mords Entfernung die Kugel etwas überraschend für die meisten zur Bornheimer Führung ins Netz. Gut gemacht. Der Pauli Block schmilzt derweil in der Sonne, beweist aber Humor und stimmt den alten Kinoklassiker Like ice in the sunshine an. Jetzt wird es unten etwas flotter, trotz hochoffizieller Trinkpausen. Das Schiedsrichtergepöbel hat was putziges: Hey Schiri, du dumme Zitrone, wir wissen wo dein Haus wohnt.

Toll. Leider hat sich mein neuer Foto dezent verabschiedet, die Lamellen, die das Objektiv schützen sollen, lassen sich nicht mehr komplett einfahren, das wirkt sich natürlich auf die Bilder aus. Irgendwas ist ja immer. Gestern hatte ich zum Beispiel einen Edding in meiner hinteren Hosentasche. Die Farbe verteilte sich unbemerkt auf der Hose. Die ist jetzt fürn Arsch. Sozusagen.

Unten hatte der FSV noch ein paar Chancen. Später dann auch St Pauli – aber Weis hielt seinen Kasten sauber. Bei einem Freistoß für die Hamburger stimmte die Kurve Ein Tor. Ein Tor. Ein, Tor, ein Tor, ein Tor – Sankt Pauli, Saaankt Pauli, Sankt Pauli schieß ein Tor … an. Kaum landete der Ball in den Wolken kam die Replik von uns: Kein Tor. Kein Tor. Kein Tor, kein Tor, kein Tor – Sankt Pauli, Saaankt Pauli, Sankt Pauli schießt kein Tor. War lustig.

Nach über 90 Minuten indehitz blieb es beim nicht unverdienten 1:0, Bornheim hatte das zweite Spiel in Folge gewonnen und sich im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt. Immerhin ist der FSV neben 1860 München die Mannschaft, die am längsten durchgehend in Liga zwei kickt. Und so soll es dann auch bleiben.

Oben bei Wurstmax noch ne Currywurst, dann runter ans Museumsuferfest. Eintracht Museum, Eintrachtmerchandise, Eintrachtgebabbel. Nachts um eins dann Feierabend, Kram ins Auto, Feierabendfluppe, der letzte Radweg des Wochenendes, ab in die Koje. War ja mächtig was los an diesen Tagen. Und ihr habt es gut, ihr wart ja mit dabei.