Es folgt der letzte Teil der Geschichte der Eintracht-Amateure.

Geschichte wird gemacht

Es war also ganz schön was los bei den Amateuren. Und natürlich gibt es auch jede Menge Anekdoten. So machten beim 0:7! im Auswärtsspiel bei Rot Weiß Frankfurt in der Saison 86/87 alle 22 Spieler samt Schiedsrichtergespann Jagd auf einen Hasen, der auf dem Rasen umher flitzte. Letztlich packte der Schiri Meister Lampe an den Ohren und trug ihn eigenhändig vom Platz – woraufhin die BILD dichtete:

Häschen wollte Fußball gucken, da fingen Ordner an zu mucken

doch der gestrenge Schwarze Mann, nahm sich des Meister Lampe an.

trug den tapferen Mümmelmann, ganz liebevoll vom Platz

blies in seine Pfeife dann, und weiter ging die Fußball-Hatz.

Frankfurt, die Stadt der Dichter und Denker. Auch vor dem Wetter waren die Spiele nicht immer gefeit. Beim Regionalligaspiel gegen 1860 München im Mai 2010 zog ein Unwetter auf, Teile des Bornheimer Hangs wackelten bedenklich, so dass der Schiedsrichter das Spiel zunächst unterbrach und später sogar ganz abpfeifen musste. Einige Fans hatten sich daraufhin ein Taxi bestellt. Und weil sie keine Lust hatten, durch den Regen zu laufen, orderten sie den Wagen kurzerhand auf den Namen des Präsidenten Peter Fischer. Sie blieben trocken, das Taxi fuhr direkt an die Haupttribüne

Highlights waren (zumindest aus Offenbacher Sicht) natürlich auch die Spiele gegen die Kickers, die sich bis 1984 zumindest zeitweise mit den Profis messen durften. Nach 84 trafen sie in Punktspielen ausschließlich auf die Amateure, wenn es gegen die Eintracht ging. Und auch da hatten die kleinen Adler in einigen Spielen die Nase vorn. 1990 etwa bestürmte der OFC 90 Minuten das Tor der Eintracht, ein Angriff der Amateure kurz vor Abpfiff wurde durch Čaić mit dem 1:0 belohnt. Als Stefan Beckenbauer in der letzten Sekunde den vermeintlichen Ausgleich erzielte, verweigerte der Schiedsrichter die Anerkennung. Guter Mann, die Eintracht siegte, der OFC schäumte. Dafür durfte sich Zuschauer Bernd Hölzenbein 1991 am Bieberer Berg mehrerer Bierduschen erfreuen. Und als die Eintracht sich 86/87 am Riederwald nach einem 0:2 Rückstand noch zu einem 3:2 Sieg kämpfte, standen 500 Kickersfans vor den Toren des Riederwaldes, sie hatten den Zutritt mit dem Argument: „Keine Mark für die Eintracht“verweigert.

Der Nachwuchs hatte sogar zeitweise seinen eigenen Fanclub, „Die Treuen“ und es gab mit dem Riederwald Roar Mitte der Neunziger ein eigenes Fanzine. Später, als etliche Ultras Stadionverbot in der ersten Liga hatten, sorgten diese am Riederwald für Choreographien aber auch mal für Chaos. Vor allem 2007 im Kreispokalendspiel in Oberrad gegen die dortige Spielvereinigung ging es hoch her, die Eintracht wurde zu einer Geldstrafe verdonnert, dazu kamen fünf Punkte Abzug für die laufende Saison. Zu allem Überfluss hatten die Amateure auch noch das Spiel an der Beckerwiese mit 1:2 verloren.

Mehrfach spielten sie den Sechzigern freundschaftlich in Italien, verloren gegen den AC Milan und besiegten Juventus Turin im Elfmeterschießen. Da Jürgen Kalb den ersten Elfer verwandelt hatte, durfte er gleich alle fünf schießen – und verwandelte sie alle. Später traten sie im Waldstadion gegen die Deutsche Nationalmannschaft an und unterlagen nur knapp mit 2:4 und 2006 in Bad Nauheim kickten sie sogar gegen Saudi-Arabien – im Zuge der WM Vorbereitung allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und sie besiegten in einem Hallenturnier auch tatsächlich einmal Feyenoord Rotterdam., um anschließend gegen die Profis der Eintracht auszuscheiden. Zum Auftakt der Saison 2002/03 war das Wappen der Amateure dann erstmals in der Kicker Stecktabelle zu finden.

Ein ganz besonders Augenmerk verdient die Reise nach Singapur zum Merlion Cup 1985. Trainer Zahnleiter und seine Jungs, unter anderem Manni Binz, Alex Caspary oder Milan Vucak, der kurz darauf bei einem Unfall verstorben ist, spielten bei hoher Luftfeuchtigkeit überraschend stark, besiegten unter anderem die Nationalmannschaft von Malaysia mit 8:2 – und kamen im Turnier weiter als gedacht. Da aber schon in wenigen Tagen ein Spiel in der Hessenliga auf dem Plan stand, war nun guter Rat teuer. Zuvor hatten die Spieler aus dem Fenster des Hotels Flammen lodern sehen – aus dem eigenen Hotel. Manni Binz sprach in einem Interview vom „flammenden Inferno“. Aber alles wurde gut. Nun ja, fast. Der letzte Gegner war die bislang sieglose Nationalmannschaft von Brunei, die Eintracht musste verlieren, um noch rechtzeitig in Frankfurt zu landen, ging aber durch ein unbeabsichtigtes Traumtor von Reubold in Führung. Fortan simulierte ein Spieler nach dem anderen eine Verletzung, Binz stand mit verbundenem Arm am Spielfeldrand und sah, wie der Schiedsrichter letztlich die Partie mit Ach und Krach zu Ende brachte. Kurzerhand wurden sich ärztliche Atteste besorgt, die Mannschaft zog sich zum Verdruss des Veranstalters aus dem Turnier zurück. Kleinlaut flog die Truppe, die sogar einen Empfang in der Deutschen Botschaft genossen hatte, nach Hause. Und kaum dort angekommen, erfuhren sie, dass die Hessenligapartie gegen Haiger abgesagt wurde.

Es setzte bittere Niederlagen für die Amateure, wie das 0:10 in Fulda im November 2003 oder das 4:8 in Würges 96/97, sie freuten sich über grandiose Siege wie beim 8:0 gegen Olympia Kassel 86/87 oder zuletzt dem 3:1 gegen den OFC, frenetisch bejubelt von Torhüter Aykut Özer und es gab viele belebte Nachmittage in familiärer Atmosphäre am Riederwald. Und über dreißig Jahre schallte die Stimme eines Mannes durch die Lautsprecher, der die Eintracht verkörperte, wie kaum ein anderer: Kurt E. Schmidt, der im September 2013 verstorben ist. Das letzte Spiel in Koblenz hat er sich sicher von oben angesehen. Und er könnte Geschichten erzählen, wie kaum ein anderer. Deshalb ist dieser Artikel auch ihm gewidmet – mit großem Dank an Roland Gerlach und Uli Matheja für die Unterstützung.

Hier findet ihr die anderen Teile:

Die Einleitung

Teil I

Teil II

Teil III