Der Sommer stand im Schatten der Weltmeisterschaft in Brasilien. Oho. Neben etlichen Feuerchen im Garten nutzten wir die Zeit und rollten mit dem roten Dacia nach Berlin – und besuchten die Fanmeile. Natürlich an einem Tag, an dem kein Spiel statt fand. Wobei wir ja eigentlich Susi und Thomas und Andi besuchten. Generell ging diese WM heuer nicht wirklich an mich, obgleich Flugkopfbälle von der Strafraumgrenze eine feine Sache sind. Unglaublich jedoch das 7:1 von Jogis Truppe über Brasilien.

Berlin ist immer noch eine Reise wert, auch wenn der alte, bundesrepublikanische Charakter und auch der der Wendezeit längst Geschichte ist. Aus Brachflächen wurden Einkaufszentren, aus Hinterhofclubs wurden exklusive Wohnungen. Dennoch gibt es noch Dinge, auf die ich mich freue. Auf Fleischspieße bei Curry 36 am Mehringdamm, auf Grillnachmittage in einem Schrebergarten in Schöneberg mit Andi und auf eine Fahrradtour mit Pia. Während wir im Ramones-Museum ein Bierchen tranken, goss es draußen in Strömen.

Eine feine Sache war auch Anna Depenbuschs Auftritt in der Burg Dreeich. Wir saßen mit Familie Kid Klappergass wohl überdacht, derweil es wieder einmal schüttete. Ich bau mir einen Sommer – aus buntem Glanzpapier. Im Garten gediehen die Chillis, während die Brombeeren ein eher maues Jahr erwischt hatten. Bei der Eintracht tat sich einiges, am spektakulärsten sicherlich der Abgang von Trainer Armin Veh, der neue Mann heißt Thomas Schaaf, die Trainersuche hatte sich lange hingezogen. Anfang August trat die SGE zu einem Freundschaftsspiel in Genua an. Flo, Matze und ich nutzten die Gelegenheit und fuhren über Tübingen gen Italien.

Erstmals seit dem Ende unseres silbernen Golfes saß ich wieder in einem ebensolchen in Richtung Auswärtsspiel. Wir durchfuhren den San Bernadino Tunnel, machten Tags drauf Boxenstop am Wrack der Costa Concordia, verbrachten einen Tag am Meer und sahen zu, wie die Eintracht sang- und klanglos gegen Sampdoria verlor. Auf der Heimfahrt machten wir Halt an der Via Mala und futterten spät in der Nacht in Tübingen Burger.

Die Saisoneröffnung der Eintracht verpassten wir ebenso wie das Erstrundenpokalspiel bei Victoria Berlin, da die gesamte Familie Beve nach Österreich in die Berge fuhr. Blöderweise hatten wie eine Woche Regen, dennoch marschierten wir wie die Großen bergauf, bergab und wanderten durch die Kitzlochklamm. 1992 war ich schon einmal dort gewesen, damals sind wir im Winter über die Absperrung geklettert und mutterseelenalleine durch die verschneite Klamm spaziert.

Wir feierten noch im August den 40. Jahrestag des ersten Pokalsieges der Eintracht. Zu Gast im Museum waren Wolfgang Kraus, Jürgen Kalb, Dr. Peter Kunter, Peter Reichel und … Dietrich Weise, der große Trainer der Eintracht, der nunmehr 80 Jahre alt ist und immer noch voll Herzblut über seine Zeit bei der SGE zu berichten weiß. Der Saisonauftakt brachte dann ein Heimspiel gegen den SC Freiburg. Zuvor wurde jedoch im Garten ein großes Fest gefeiert, mit Lagerfeuer und Grillgut und meinen Freunden. Sogar Andi war aus Berlin gekommen und Lea mit Christian aus Emmendingen.

Auch der September hatte einige Highlights parat. Zum Beispiel Lottospielen für die Eintracht. Der Norwestkurvenrat hatte dazu aufgerufen, um mit einem optionalen Gewinn sich die Namensrechte am Stadion zu sichern, leider hielt sich der Gewinn in Grenzen, eine gute Idee war es jedoch allemal. Wir besuchten später Henni Nachtsheim in Ostheim, der dort anlässlich des 90jährigen Bestehens des örtlichen Fußballclubs auftrat. Die Eintracht trat zum Freundschaftsspiel beim FSV an, die Einnahmen gingen an Dietmar Roth, der noch immer an den Folgen eines Schlaganfalles leidet.

Traurig endete ein eigentlich sehr munterer Vormittag in Frankfurt. Matze und ich hatten der Oberfinanzdirektion an der Adickesallee einen Besuch abgestattet. Diese wird derzeit abgerissen und wir nutzen die Gelegenheit, um auf dem Dach über Frankfurt zu blicken. Unten wurden wir von Polizisten abgefangen, die wir jedoch von unserer Harmlosigkeit überzeugen konnten. Nur wenige Tage später sollte genau von dieser Stelle ein junger Mann in den Tod stürzen. Ich erfuhr dies über einen Kommentar seitens der Polizei hier im Blog – just als Pia und ich in Hamburg angekommen waren. Am gleichen Abend hockte ich am Elbufer, trank Bier und versuchte zu verstehen – den Zusammenhang mit unserem Ausflug, meinem Bericht und dem Unglücksfall. Jedoch gab es keinen außer dem, den ich nie verstehen werde – das nicht zu beeinflussende Schicksal mit all seinen Wirrungen.

In Hamburg grillten wir in einem Park, spielten nachts in der PG Stuben Billard und waren wie immer bei Freunden in Hasloh untergebracht. Sonntag Abend kickte die Eintracht dann beim HSV – und als alle mit einem Unentschieden zufrieden waren, hämmerte Piazon in letzter Sekunde den Ball zum Siegtreffer ins Netz. Abends hockten wir beim NDR und am nächsten Morgen marschierten wir an den Landungsbrücken entlang und spazierten durch St Pauli.

Im Oktober hatte ich Geburtstag, es war ein runder und somit nahm ich zum wiederholten Male Abschied von der Jugend. Dies wird auch in den hoffentlich noch kommenden Jahren so bleiben. Mittlerweile war nicht nur das Eintracht Frankfurt Museum bei Facebook aktiv, sondern auch Beves Welt. Seither erfahre ich eine Menge. Ich kenne eure Speisen, eure Hunde und brauche im Winter gar nicht aus dem Fenster zu schauen. Ich weiß auch so, dass es schneit. Toll. Der Oktober brachte auch eine Auswärtsniederlage vor meinen Augen in Paderborn, eine Kinderpressekonferenz mit Thomas Schaaf, den Besuch von Lajos Detari im Eintracht Museum und den Auftritt von New Model Army in der neuen Batschkapp. Derweil werkelte ich tagsüber an Texten über Frankfurt im ersten Weltkrieg – das Museum plante eine Sonderausstellung über die Eintracht in den den Jahren zwischen 1914 und 1918. Genauer gesagt über den Frankfurter Fußballverein, denn erst 1920 nannte sich der Club in Eintracht Frankfurt um.

Das Eintracht Museum brachte nicht nur die Ausstellung an den Start, sondern gleichfalls die Reihe „Die Macht des Sports“. Illustre Gäste wie Uli Borowka, Thorsten Legat oder René Schnitzler berichteten über ihr Leben abseits des Fußballplatzes, berichteten über Alkoholexzesse, Kindesmissbrauch und Spielsucht. Marcus Wiebusch trat in der Dreikönigskirche auf und spielte unter anderem seinen Jetzt-schon-Klassiker „Der Tag wird kommen“, ein Song über Homosexualität im Fußball. 2014 hatte ja mit Thomas Hitzlsberger erstmals ein bekannter (Ex) Profi sein Bekenntnis zum Schwulsein abgelegt.

Pia und ich nutzten einen schönen Tag für einen Ausflug nach Aschaffenburg. Dort kehrten wir in die Gaststätte Schlappeseppl ein. Einst war hier eine Brauerei zuhause, die gleichnamiges Bier produzierte. Dann wurde der Name verkauft, nunmehr wird Schlappeseppl-Bier im Hause Eder hergestellt. Und das dollste ist: Im Wirtshaus hier wird seit einiger Zeit Faust angeboten. Faust ist gleichfalls ein Bier, hergestellt im Odenwald. Schlappeseppl im Schlappeseppl ist Geschichte.

Das Highlight im November war zweifellos jedoch unser Ausflug nach London, das ganze Jahr hatten wir uns darauf gefreut und eines Tages rollten wir tatsächlich mit der S-Bahn zum Flughafen. Carter USM hatten angekündigt, ein finales Konzert in der Brixton Academy zu geben – und wie schon vor drei Jahren waren Andi und Arne mit dabei. Es wurden fantastische Tage. Wir durchstreiften die Brick Lane, die Second Hand Läden, fotografierten Streetart, wanderten durch den Hydepark und erlebtem im Zeitgeist, wie die Eintracht völlig überraschend in Gladbach gewann. Abends dann Licht- und Gitarrengewitter in Brixton, rauschhaft die Nacht, die Musik, das Licht und die Aftershowparty im Jamms. And God created Brixton…

Tja und eben noch spazierten wir durch die Dezemberstraßen, kauften Weihnachtsgeschenke und freuten uns aufs Fest – und jetzt ist schon alles vorbei. Die Weihnachtsfeiern, das Kegeln in der Eintracht Gaststätte, die brennenden Lichter am Weihnachtsbaum. Wenig besinnlich, dafür aber schön krachig ging es beim Auftritt der Straßenjungs und der Bornheim Bombs im Zoom zu, wenig besinnlich dann auch der Auftritt der Eintracht in Hoffenheim. Mit Ingo und Matze waren wir wieder einmal mit Matzes silbernem Golf unterwegs gewesen. Hochspektakulär dann der Auftritt der SGE gegen die Hertha. Zwei Tore von Alex Meier sicherten der Eintracht beim 4:4 gegen die Berliner wenigstens einen Punkt. Im letzten Spiel des Jahres holten die Adler immerhin noch einen Punkt in Leverkusen.

Die Zeit rauscht und wir rauschen mit. Leider nicht mehr alle, im Juni wurde Reiner beerdigt, wir waren gerade dabei, eine Veranstaltung gemeinsam mit dem Museum zu planen, als mich die traurige Meldung erreichte. So ist nichts sicher, nicht das Leben, nicht der Tod. Derweil spazierten jeweils Montags in Dresden Tausende auf den Straßen, um das Abendland zu retten, zu dem sie wahrscheinlich genau so wenig beigetragen haben wie die Nacktschnecken im Garten. Ich bin ja eigentlich ein großer Freund von außerparlamentarischen Bewegungen – aber ich bin kein Freund von Kleingeist und Deutschtümelei; und genau dies scheint das Markenzeichen jener Gruppierung zu sein, die dem Asylant nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt und im Fremden das Übel der Welt sieht. Fernab von Argumenten sehen sich die Teilnehmer als Opfer. Als Opfer der Presse, als Opfer der Verhältnisse, die dem Biodeutschen vermeintlich die Wohnungen rauben und dem Asylant nagelneue Smartphones in die Hand drücken. Ob ihr Nazis seid, das weiß ich nicht. Dass ihr aber mit euren übervollen Kühlschränken und debilen Facebooks-Posts nicht mehr alle am Sträußchen habt, dürfte klar sein.

Morgen ist Silvester, wir werden irgendwo beisammen sitzen, essen, trinken, reden. Es wird weitere Rückschauen geben und weitere Milliarden Fotos von Essen, Schnee und ähnlichem Gedöns wie Selfies in Konzentrationslagern. Verschont mich mit eurem Scheiß, seid klar und klug und herzlich. Ich wünsche euch Glück und Gesundheit, jederzeit stabile Schuhe und vor allem, dass eure Träume wahr werden. Bei Pia bedanke ich mich, dass sie da ist, bei euch für die Besuche hier im Blog, für die Kommentare und vielen Begegnungen draußen in der Welt. Die sich weiter dreht, ob wir wollen oder nicht.

Happy travelling wünscht: Euer Beve