Es war bereits dunkel und ein Teil der Arbeit getan. Die bestand vor allem darin, drei Stehplatz-Tickets für das Auswärtsspiel der Eintracht bei der TSG Hoffenheim zu organisieren. Für Matze, für Ingo und für mich. Dank Suse, Muelli und Arne hatten wir kurzfristig Glück, die Tickets holte ich Mittags bei Arne ab, es konnte also losgehen. Pia hatte sich schon anfangs der Woche entschieden, in Frankfurt zu bleiben. Und wenn sie sich entschieden hat, dann ist das so.

Wir trafen uns standesgemäß im Eintracht Museum und stellten fest, dass sich Ingo schon ein Sitzplatzticket besorgt hatte. Es geht also immer wieder gut, irgendwie kommt dann doch jeder, der will zu einem Fußballspiel seiner Wahl. Wobei wollen und Hoffenheim so eine Sache ist. Der Vorteil ist natürlich, dass die Fahrtzeit in den Kraichgau überschaubar ist und ich in all den Jahren alle Auswärtsspiele der Eintracht dort gesehen habe, wobei Nummer eins in Mannheim absolviert wurde; der Nachteil ist, dass ich eigentlich lieber nach Kaiserslautern fahren würde, um die Eintracht dort zu sehen. Oder nach Nürnberg. Aber gut, Dortmund hatte vor einiger Zeit ein Spiel nicht gewonnen und so heißt es wieder einmal: Ab aufs Land.

Wir tranken ein Startbierchen und starteten den silbernen Golf. Bei mir keimten nostalgische Gefühle auf. Jahrelang sind Pia und ich mit unserem silbernen Golf durch die Lande und zur Eintracht gereist. Dieser ist nunmehr Geschichte aber dank Matze konnte ich wieder einmal auf die bläulich-rote Armaturenbeleuchtung schauen. Die Autobahn war frei, wir schnurrten durch die Dunkelheit des 12.12 und unterhielten uns über das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. So geht auswärts!

Je näher wir dem Stadion kamen, so langsamer ging es voran. Da Ingos Freundin schon vor Ort war, stellte sie einen Kontakt zu Kartensuchenden her, auf dass wir unsere überzähliges Ticket an den Mann bzw. an die Frau bringen konnten. Das hat dann auch prima geklappt. Zuvor zöckelten wir die letzten Meter Richtung Wirsol Rhein-Neckar-Arena. Das Ding heißt wirklich so, nicht das einzige, was hier deprimierend ist. Gegenüber der Raiffeisen-Tankstelle parkten wir auf einem Parkplatz eines großen Technikkaufhauses und wanderten durch das Industriegebiet. Autos stauten sich an uns vorbei, vereinzelte Fußgänger waren unterwegs und nach einer halben Stunde leuchtete das Stadion gegenüber dem Technikmuseum in die Nacht.

An den Bussen traf ich Nadine, welche unsere Karte freudig in Empfang nahm und alsbald waren wir nach kurzer Kontrolle im Block verschwunden. Da es recht voll war, entschieden wir uns, entgegen sonstiger Gepflogenheiten, unten zu bleiben – und schon ging’s los. Ein paar Bengalos flammten in unmittelbarer Nachbarschaft auf, die Eintracht begann erstmals in der Historie mit Hildebrand im Tor, während unser einstiger Kapitän Schwegler im blauen Dress umher lief, was einigen von uns nicht so ganz gefallen hat. Immerhin waren schätzungsweise zwischen 3 und 4.000 Frankfurter im nicht ganz ausverkauftem Haus zu Gast. Um mich herum wurden Fahnen geschwenkt und supportet und ganz ehrlich, ich bin zu alt dafür. Gebt mir ein ruhiges Plätzchen mit guter Sicht auf das Geschehen auf den Rasen und auf die Kurve und gut ist. Möge der Nachwuchs Remmidemmi machen, ich lasse mich dann bei Bedarf gerne mal mitreißen. So wanderte ich zur Halbzeit zwei ganz nach oben. Zuvor sah ich allerdings eine überlegene Hoffenheimer Mannschaft, die schnell in die Spitze spielte und eine Eintracht, die hinten unsicher wirkte und nach vorne nicht viel zu Stande brachte. Die Führung der Einheimischen kurz vor dem Halbzeitpfiff war ebenso verdient wie unnötig, Hildebrand eilte aus dem Tor, konnte aber weder Ball noch Gegner greifen, Volland war’s, der Ball war drin.

In der Halbzeit dann das ein oder andere Schwätzchen und weiter ging’s mit guter Sicht aus lichter Höhe. Weiter ging es auch mit dem 1:1 kurz darauf, Aigner wuppte die Kugel für unsere Eintracht ins Netz und alsbald wogte es hin und her. Kaum war die SGE am Drücker, erzielte Hoffenheim die erneute Führung, doch die Eintracht legte nach: Der für Inui gekommene Piazon spielte den Ball geschickt auf Seferovic, der zum 2:2 Endstand traf. Zumindest hätte ich mir dies gewünscht. In Wirklichkeit aber fiel aus einer unübersichtlichen Situation heraus noch ein weiteres Tor für den Gastgeber, die Eintracht hatte zwar noch den Ausgleich auf dem Fuß, Kittel scheiterte mit einer schönen Chance wie auch Russ an Baumann und so ging der Sieg an die TSG. Ärgerlich, aber nicht gänzlich unverdient. Alex Meier hatte einen gebrauchten Tag erwischt, Timo Hildebrands 299stes Ligaspiel hätte glücklicher verlaufen können und im Nachhinein stellte sich das zweite Gegentor als Abseitstreffer heraus. Mal wieder. Das Miese an einer Niederlage an einem Freitag Abend ist ja, dass fußballtechnisch das ganze Wochenende irgendwie gelaufen ist. Wenigstens war die Heimreise überschaubar und vor allem: Kurz.

Matze und ich wanderten zum Golf, tuckerten über die Landstraße nach Heidelberg, warfen einen verhuschten Blick aufs Schloss und rollten dann auf die Autobahn. Es begann zu regnen. In Frankfurt stieg ich in unseren roten Dacia um, die Scheibenwischer quietschten über die Scheibe, und kurvte später Parkplatzsuchend durchs Nordend. Irgendwann hatte ich Erfolg. Pia war noch wach. Zuhause. Es war ein unspektakulärer Ausflug mit einem unterhaltsamen Spiel an einen Ort, der eigentlich prädestiniert ist für die Dritte Liga. Oder die vierte. Zumal das alte Stadion in Hoffenheim viel schöner gelegen ist. Dass Hoffenheim in der ersten Liga spielt, haben sie dem Willen resp. dem Geldbeutel eines einzigen Mannes zu verdanken. Und auch wenn Bundesliga hier simuliert wird, mögen tu ich es nicht. Und schon gar nicht die beschissene Tormusik.