Es war mal wieder ein Abend zum Vergessen im Stadion. Dabei hat alles so schön angefangen. Zwar gab es diesmal keine Waldtribüne, aber hoher Besuch hat uns dennoch beehrt. Manch einer erinnert sich vielleicht noch an eine der ersten Veranstaltungen im Rahmen der Reihe „Tradition zum Anfassen“.

Geplant war damals der Auftritt von Du Ri Cha, Istvan Sztani und Lajos Detari. Kurz bevor wir Lajos am Flughafen abholen wollten, erreichte uns dessen Absage. Letztlich wurde es Dank Du Ri und Istvan dennoch ein toller Abend , aber die Lücke, die Detari hinterlassen hatte, wurde auch bei uns bis gestern nicht geschlossen. Um so erfreuter waren wir, als die Tage durchsickerte, dass Detari zum Pokalspiel gegen Gladbach in Frankfurt weilen würde – und natürlich luden wir ihn zu uns ins Eintracht Museum ein.

Neben seinen teils spektakulären Auftritten mit dem finalen Tor gegen den VfL Bochum im Pokalfinale sind uns vor allem seine bunten Fußballschuhe in Erinnerung geblieben – und diese sind auf Umwegen mittlerweile tatsächlich im Eintracht Museum gelandet (Foto folgt). Skandalöser Weise wurden die Schuhe sogar zwischenzeitlich zum Freizeitkick getragen. Wir nutzen die Gelegenheit und ließen uns natürlich die Echtheit bestätigen. Neben Lajos Detari war auch Manni Binz im Museum und wusste mit Kennerblick sofort, dass es sich um die echten Treter in den ungarischen Nationalfarben handelte. Manni gab zu, dass Detari ob seiner Schuhe zunächst belächelt wurde, üblich waren seinerzeit Schlappen im traditionellen Schwarz.

Detari konnte sich den Wechsel zur Eintracht nicht aussuchen, dies übernahm seinerzeit der Ungarische Fußballverband, der im real existierendem Sozialismus die Kontrolle über die Vereine und der Spieler ausübte. Konnten damals nur verdiente Nationalspieler gegen Ende der Karriere das Land verlassen (wie zuvor Smolarek aus Polen), so war Detari der erste, der noch im besten Fußballeralter im Westen spielen durfte. Und dies tat er nach anfänglichen Schwierigkeiten spätestens seit dem winterlichen Hallenturnier auf höchstem Niveau. Natürlich rangen wir ihm das Versprechen ab, demnächst zu einer größeren Veranstaltung ins Eintracht Museum zurück zu kehren. Ganz nebenbei nutzten mit Charly Körbel und Dieter Lindner zwei weitere Eintracht Legenden die Gelegenheit, Detari wiederzusehen.

Es war überhaupt ein ein großes Treffen an diesem Abend, spätestens im Businessbereich der Arena versammelte sich ein Who is Who, wie es auch nicht alle Tage zu sehen ist. Grabi war gekommen, wie fast immer. Christoph Preuß huschte durch die Gänge, Thomas Zampach (Fußballgott außer Dienst) schaute sich das Spiel an, natürlich auch Cesary Tobollik, der wie Binz in der Fußballschule aktiv ist und der anders als Detari seinem Heimatland seinerzeit klammheimlich den Rücken gekehrt hat, Istvan Sztani konnte mit Detari auf ungarisch parlieren während Uwe Bein mit Binz im Gespräch vertieft war. Welch eine Ansammlung von einstigen Helden und da durfte natürlich auch die Meistermannschaft nicht fehlen.

Und welch ein Kontrast dann nur wenig später auf dem grünen Rasen. Vom einstigen Glanz der Eintracht ist sportlich derzeit nichts übrig geblieben, spätestens nach einer viertel Stunde spielten die Gladbacher Katz und Maus mit einer Gedankenlangsamen Eintracht und nur Felix Wiedwald hatten es die Adler zu verdanken, dass es zur Halbzeit nur 0:1 stand. Ein 0:4 wäre angemessen gewesen. Auch in Halbzeit zwei drängte sich kaum der Verdacht auf, dass die Eintracht hier ernsthaft ein Tor erzielen könnte. Zu langsam, zu ideenlos, zu uninspiriert das Spiel der SGE, die zu keinem Zeitpunkt den Eindruck erwecken konnte, auch nur im Ansatz dem Gegner standzuhalten. Das 0:2 war folgerichtig.

Selten habe ich Spiel derart emotionslos zur Kenntnis genommen. Noch vor ein paar Tagen gegen den VfB schwankte ich quasi minütlich zwischen Dauerkartenverbrennung und Autocorso und verfluchte den feiernden Stuttgarter Anhang. Gestern jedoch fühlte ich bis auf die letzten drei Minuten, als der für den verletzten Seferovic gekommene Kadlec wie aus dem Nichts den Anschlusstreffer erzielen konnte und kurzzeitig illusionäre Hoffnung aufkam, keinerlei Regungen außer einer gleichmäßigen Leere. Räume existierten nur für Gladbach und falls sich doch einmal einer auftat und der Ball dorthin gespielt wurde, kam keiner auf die Idee, in den freien Raum zu marschieren. Für mich war dieses Spiel eine Offenbarung – in negativer Hinsicht.

Spielintelligenz und Gedankenschnelligkeit, Spielidee und Spielwitz geht dieser Truppe derzeit völlig ab. Sicher, Trapp, Zambrano, Valdez, Meier, Djakpa, sie fehlen. Aber vor allem fehlt Sebastian Jung auf Rechts. Und eine Idee, wie Eintracht Frankfurt wieder so etwas wie gewitzten Fußball auf dem Platz zeigt. Mit so einer Mixtur aus fehlendem Spielverständnis und individuellen Fehlern fangen wir uns gegen die Bayern zehn Gegentore. Und die ärmste Sau ist Felix Wiedwald, der seine Sache trotz kleinerer Schwächen bislang gut macht.

Dennoch, an einem einzigen Tag u.a. mit Grabi, Bein und Detari gesprochen zu haben, das ist doch auch etwas. Wenn auch nur fürs Gemüt.

Fotos: Pia Geiger