Bei bestem Wetter traf sich ein bunter Trupp an der Frankfurter Hauptwache, um auf den Spuren der Eintracht durch Frankfurt zu wandeln. Da wir per pedes unterwegs waren, war der Radius natürlich begrenzt – aber während der folgenden zwei Stunden erlebten wir dennoch allerhand.

Einzelheiten zu Historie könnt ihr hier nachlesen, wir waren ja nicht das erste Mal unterwegs – wobei: Dinge könne sich ändern, auch wenn sie schon lange vergangen sind. Und so besuchten wir einige Orte, die auch schon beim letzten Spaziergang auf dem Programm standen. Waren wir damals warm eingepackt und mit Regenschirmen versehen, so begleitete uns nun die Sonne, das ist doch mal was – auch wenn die Partie in Wolfsburg tags zuvor denkbar unglücklich verloren wurde.

Die erste Station war das einstige Café Hanselmann an der Alten Oper, dort wo die Eintrachtler der Zwanziger Jahre ihren Kaffee tranken und sich die Auswärtsfahrer trafen. Weiter ging’s zum Volksbildungsheim, dem jetzigen Metropolis. Damals, also 1986, fand hier eine große Veranstaltung statt, bei der die Fans den Wunsch nach „Einem Haus für uns“ bekräftigten, ein Wunsch, der erst mit der Realisation des Fanhauses an der Louisa Wirklichkeit wurde. Weiter oben, in der Finkenhofstraße liegen Stolpersteine, die an Else und Emil Stelzer erinnern. Emil, Mitglied der Turnabteilung, weigerte sich von seiner jüdischen Frau zu trennen als die Nazis mächtig wurden. Sie bezahlten ihre Liebe mit dem Leben. Parallel verläuft die Fichardstraße. In der Hausnummer 55 befand sich nach dem Krieg die Geschäftsstelle, bis der Riederwald den Eintrachtlern eine neue Heimat bot. Hans Moeser-Göhring verkaufte hier die Eintrittskarten für die Spiele, ob die jetzigen Bewohner das noch wissen? Heute gibt’s hier keine Tickets mehr.

Im Oeder Weg befinden sich gleich zwei Meilensteine der Eintacht-Historie. Zum Einen das Fischhaus Ohrmann, welches zuvor die Drogerie von Richard Kress beherbergte und dann natürlich die Turnhalle der Eintracht, wiederaufgebaut aus Steinen, die eigentlich dem Wiederaufbau der Paulskirche dienen sollten. Bürgermeister Walter Kolb höchstpersönlich gab nach dem Weltkrieg, als Frankfurt in Schutt und Asche versank, seinen Segen, dass die Turner auf der Suche nach Baumaterial sich an der Baustelle Paulskirche bedienen konnten. Natürlich nachts, wenn alle Katzen grau sind.

Wir wanderten weiter in die Eckenheimer Landstraße, durchquerten dabei die Adlerflychtstraße. In der heutigen Berta Jordan Schule kickten schon vor der Gründung der Eintracht die Schüler. In der Eckenheimer 57 aber hatte der Eintracht Urvater Albert Pohlenk sein Uhrmachergeschäft. Wir standen vor dem vermeintlichen Haus – bis Pia bemerkte, dass Türrahmen und Fenster nicht wirklich zu dem Foto passten, das Matze ausgedruckt hatte. Wir gingen ein paar Schritte weiter, verglichen das Nachbarhaus als Dirk mit seiner Kamera entdeckte, dass noch ein Haus weiter tatsächlich der Schriftzug A. Pohlenk prangte, jahrelang durch eine Markise oder Reklameschild verdeckt – und von daher noch gut lesbar. Da war das Gelächter natürlich groß.

Weiter unten, am Scheffeleck hatte der junge Karl Kraus gekickt, der erst neulich für seine achtzigjährige Mitgliedschaft bei der Eintracht geehrt wurde – und kurz darauf verstarb. Unten, in der Schäfergasse 19, lag die Metzgerei der Speerwurf-Olympiasiegerin von 1936, Tilly Fleischer, die zudem noch 1943 Handballmeister wurde, ein wahres Multitalent, an das die Tilly Fleischer Eiche im Stadion noch heute erinnert.

Neu im Programm war ein Besuch der Konstablerwache – obgleich gar kein Markt stattfand. Aber im Zuge der Neubepflasterung Anfang der Achtziger des letzten Jahrhunderts fand auch die Frankfurter Eintracht Einzug auf Frankfurts populärsten Drogenumschlagplatz. Neben etlichen anderen (Deludeli liebt Defutzi) tragen die Pflastersteine auch die Namen der Eintrachthelden, Bruno Pezzey ist dabei, Charly Körbel, Bernd Nickel, Willy Neuberger oder Bum Kum Cha. Wobei: Wollen wir zulassen, dass die Eintracht mit Füßen getreten wird?

Nun gut, wir haben keine andere Wahl und so zogen wir an den letzten Kriegsruinen im Holzgraben vorbei zu Alfred Pfaffs Gaststätte im Parkhaus Hauptwache. Das steht heute unter Denkmalschutz – allerdings nicht, da es die Kneipe Don Alfredos beherbergte, sondern weil es Frankfurts ältestes Parkhaus ist. Derart beeindruckt zogen wir an den Römer, den Ort der Feierlichkeiten. Früher wurden hier Pokalsiege und die Meisterschaft bejubelt, heutzutage reicht ein zweiter Platz in der zweiten Liga, um die Frankfurter zu versammeln. Aber früher gab es ja auch viel mehr Platz am Römerberg, die Häuser der Ostzeil und die Schirn gab es ja in die Siebzigern noch nicht. Ob sich die Eintracht deshalb mit großen Erfolgen zurückhält? Mittlerweile war die Zeil rappelvoll, der verkaufsoffene Sonntag zog die Massen an, Cabrios ratterten in den Nebenstraßen, Sonnenbrillen schlenderten durch die Straßen – und wir tranken noch ein Schöppchen auf unsere Eintracht.