Das Betrüblichste am gestrigen Abend war sicherlich neben der skandalösen Nachspielzeit von vier Minuten, die Tatsache, dass das Eintracht-Museum ob einer Veranstaltung für die Öffentlichkeit geschlossen war. Da standen sie nun, unsere Stammgäste und wussten nicht so recht wohin. Das kommt aber nicht oft vor, versprochen, ist es doch neben dem exklusiven Businessbereich die einzige Möglichkeit im Stadion, sich zwecks eines gemeinsamen Plauschs im Warmen aufzuhalten.

Denn frisch war es an diesem Frühlingsabend draußen im Wald, wo bekanntlich die Eintracht spielt. Zur Einstimmung gab es wie stets bei Heimspielen auf der liebgewonnenen Waldtribüne ein interessantes Programm; leider erkrankte unser geladener Eintrachtfan Helmut Schwabe, so dass uns nur der Wunsch nach einer guten Besserung blieb. Wie immer berichtete Doc Othmar Hermann aus der Historie vergangener Partien, erinnerte an den Uefacup-Sieg der Eintracht anno 1980, als Fred Schaub im Rückspiel das goldene Tor erzielte und vergaß dabei nicht zu erwähnen, dass im Punktspiel gegen die Borussen wenige Wochen zuvor ein Fußtritt von Lothar Matthäus die Karriere von Jürgen Grabowski beendet hatte.

Jannick Sorgatz, Gladbachfan, Blogger und Autor beleuchtete aus Sicht eines Gästefans die aktuelle Situation der Borussia und erwähnte, dass für ihn, der über den Pokalsieg 1995 die Liebe zu den Fohlen entdeckte, die glorreichen Zeiten der Siebziger tatsächlich eher belastend wirkten, da die Gegenwart dem lange nichts entgegen zu setzen hatte. Immerhin schweißte der sensationelle Klassenerhalt im Jahr 2010, als die Eintracht in den Tabellenkeller rauschte und somit den Gladbachern die Chance gab, sich in der Relegation gegen den VfL Bochum durchzusetzen, den Club zusammen. Eben noch beinahe abgestiegen, schafften die Borussen im folgenden Jahr den Einzug ins internationale Geschäft. Tausende begleiteten die Gladbacher durch Europa – ein hier nicht gänzlich unbekanntes Szenario.

Und dann stellte sich mit Andreas Rettig einer von zwei Geschäftsführern der DFL unseren Fragen, jener Deutsche Fußball Liga, die nicht von allen geliebt wird. Es war ein interessanter Auftritt Rettigs, der höchst unkompliziert zu wesentlichen Themen Stellung bezog. In aller Ohren war ja in den letzten Tagen die Abstimmung über die Einführung einer Torkamera, die mehrheitlich von den Vertretern der Profiteams abgelehnt wurde. War Rettig davon ausgegangen, dass die Zweitligisten die Idee ob der Kosten ablehnen würden, so hatte ihn die ablehnende Haltung vieler Bundesligisten überrascht. Jene waren den Vorschlägen des Eintracht-Vorsitzenden Heribert Bruchhagen gefolgt, erklärte Rettig, der sich durchaus gleichfalls als Traditionalist versteht. Seine fußballerische Heimat ist Rot Weiss Essen, eine Mannschaft, deren große Erfolge auch schon ein paar Jährchen zurück liegen, war RWE doch letztmals 1955 Deutscher Meister.

Im Zuge der Diskussion um die Torkamera ging ein weiterer Aspekt leider etwas unter, nämlich der Beschluss der DFL, dem geschäftsmäßigem Weiterverkauf von Eintrittskarten durch Agenturen etwas entgegen zu setzen – ein gezieltes Online-Ticketing für Fans. Da sagen wir natürlich Bravo.

Und da war da noch 50+1 im Verhältnis zum Gebaren eines Neu-Leipziger Clubs, dessen Mitglieder an der Zahl überschaubar gehalten werden und der nachweislich bei allen sportlichen und städtepolitischen Aspekten in erster Linie eines ist: Ein Marketing-Instrument eines Brauseherstellers. Rettig hielt sich bedeckt, was Aussagen über einzelne Clubs angeht, sprach sich aber dafür aus, dass die Vereine in der Hand der Mitglieder bleiben sollten – wir werden die Zukunft kritisch begleiten.

Zum sportlichen Teil des Abends brauche ich nichts viel zu sagen, die Medien (fundamental Opposition hin oder her) haben den Spielverlauf ja schon gründlich aufgearbeitet. Rundschau, FNP und die FAZ sind sich in vielen Punkten einig – auch wenn die FAZ die Vorlage zum 1:0 durch Joselu von Martin Lanig gesehen haben will. Ich tendiere da wie die Kollegen der FR bzw. FNP zu Stefan Aigner. Wie auch immer, es war ein großartiges Fußballspiel mit einem noch großartigeren Constant Djakpa, der völlig zu Recht vom Großteil der 48.000 Zuseher mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde.

Großartig war auch die Kombination die beinahe zum vorentscheidenden 2:0 geführt hätte, Doppelpass Aigner/Barnetta mit Zuspiel auf Joselu, dessen Weiterleitung nur haarscharf am Pfosten vorbei rollte. Was soll ich sagen, das Fehlen der Herren Anderson, Meier, Oczikpa, Rode und Schwegler, die im letzten Jahr noch die Korsettstangen bildeten, fiel nicht sonderlich ins Gewicht – die Eintracht präsentierte sich als Team, die Verantwortung lastete auf mehreren Schultern und so wurden die Gladbacher nicht nur niedergerungen, sondern phasenweise auch niedergespielt.

Natürlich ist der Klassenerhalt noch nicht in trockenen Tüchern – aber die Eintracht hat wie schon zuvor gezeigt, dass die Dreifachbelastung zwar tolle Reisen mit sich brachte, gleichfalls aber zumindest in der Liga kräftezehrend war. Nun, nach dem Ausscheiden aus den Wettbewerben, beginnt das Maschinchen zu rattern. Immerhin ist die Eintracht in der Rückrundentabelle derzeit auf Platz sechs und hat jetzt schon zwei Punkte mehr auf der Habenseite als in der Hinrunde – und es folgen noch sieben Spiele. Hab ich da jemanden leise: Eintracht Frankfurt international summen gehört? Ach und Lucien Favre würde ich auch gerne einmal bei der Eintracht sehen.