Nach dem 5:2 Ausswärtssieg beim 1.FC Nürnberg stellten wir uns die Frage, wann die Eintracht zuletzt fünf Tore auswärts geschossen hatte. Spontan kamen wir auf Aue – damals in der zweiten Liga – und landeten dann beim Fußball 2000, erneut in Nürnberg, das 5:2 in Uerdingen zählte ob des Wechselfehlers des Herrn Heese ja nicht.

Und damals wie heute dabei: Uwe Bein. Im August 1993 hatte er noch einen Treffer erzielt, nun im März 2014 saß er brav zwei Reihen vor uns und drückte mit seiner Tochter der Eintracht die Daumen. Natürlich erfolgreich. Und erfolgreich war er in der Tat, der Ausflug des Teams vom Eintracht-Museum: Erstmals in der Geschichte brachten wir von einer gemeinsamen Tour einen Auswärtssieg mit nach Hause – vielleicht lag es an der individuellen Anreise.

Und die begann für Pia und mich recht früh an einem Sonntag, der in Frankfurt ein wenig Sonne versprach und in Nürnberg Regen. Und so war es dann auch – sogar auf der symbolischen Ebene. Der rote Dacia kämpfte sich auf die Autobahn gen Süden, Young Galaxy, Bob Wayne oder Russkaja im musikalischen Gepäck – und wir vertrieben uns die Zeit, in dem wir uns punktgenau an die vergangenen Reisen durch Europa erinnerten. Oftmals wenn wir nach Nürnberg gefahren sind, hatten wir bei Aschaffenburg die A3 verlassen und sind gemächlich über die Dörfer gefahren, damals mit dem silbernen Golf. Nun drängte die Zeit, immerhin waren wir mit dem Rest der Crew Punkt 12 auf der Geschäftsstelle des Club verabredet – und hatten Großes vor: Auf dem Programm stand nicht nur das Spiel, sondern zuvor der Besuch des Nürnberger Museums.

Pünktlich um Zwölf rollten wir auf den Parkplatz am Hilton Hotel und trafen dort nicht nur auf Horst Hrubesch sondern auch auf die Unsrigen und schon kam unsere Begleitung anspaziert, kein Geringerer als Reporter-Legende Günther Koch, der uns mit dem Initiator des Museums, Bernd Siegler, und dem Marketingleiter des Club, Marcus Rößler, durch die Geschichte des einstigen Rekordmeisters führen sollte.

Das Museum des 1.FC Nürnberg ist von der Größe her überschaubar – auf 135 qm verdichtet wird die Historie präsentiert, der Eingang ist gleichzeitig auch der Zugang zur Geschäftsstelle und hochoffiziell an Spieltagen geschlossen. Neben dem Walk of Fame, einem kleinen Gang vorbei an vier runden Vitrinen, in denen die großen Pokale ausgestellt sind, befindet sich das Herzstück, ein achteckiger, von innen und außen begehbarer, Rundgang, der das Stadion symbolisiert. Dieser beherbergt neben Schautafeln und Vitrinen auch etliche digitale Oberflächen, die auf Fingerberührung Foto-, Film-, und Tondokumente abspielen.

Besonders stolz zeigt sich der Club ob der errungenen Titel – und das waren jede Menge. Neben den Bayern, dem HSV und Schalke ist der 1. FC Nürnberg das vierte Team, das sowohl die Viktoria (die Vorgängerin der Meisterschale), den Tschammer-Pokal (Vorläufer des DFB-Pokals), den DFB-Pokal und die Meisterschale erringen konnte. Und natürlich spielt Frankfurt eine große Rolle, wurden doch die Meisterschaften 1920 als auch 1925 am Main errungen. 1920 am Germania-Platz an den Sandhöfer Wiesen und 1925 in einem packenden Finale gegen den FSV im neuen Frankfurter Stadion. Bei den Pokalsiegen 1962 und 2007 trafen die Clubberer im Halbfinale auf die Frankfurter Eintracht, Schwamm drüber. Der Tschammer-Pokal wurde übrigens auch nach dem Krieg noch vergeben, jedoch unter der Bezeichnung DFB-Vereinspokal. Das Hakenkreuz auf dem Cup wurde allerdings notdürftig mit einer DFB-Plakette überdeckt.

Bis 1986 war der 1.FC Nürnberg Rekordmeister – ehe der FC Bayern mit seinem 10. Triumph diesen Titel abluchsen konnte. Erstaunlich ist die Tatsache, dass Torhüter-Legende Stuhlfauth bei fünf Finalsiegen ohne Gegentor blieb und ebenso erstaunlich ist es, dass bei den ersten vier Siegen stets der gleiche Schiedsrichter pfiff, Peco Bauwens, der auch der erste Nachkriegspäsident des DFB werden sollte. Letzlich fühlt sich der Club auch als Deutscher Meister 1922, als in zwei Spielen gegen des HSV jeweils ein Unentschieden heraussprang, nach 189 Spielminuten wurde die erste Partie wegen einsetzender Dunkelheit abgebrochen, die Zweite in der Halbzeit der Verlängerung – dem Club waren wegen Verletzung und Platzverweisen die Spieler ausgegangen. Nachdem zunächst der HSV als Meister gewertet wurde, verzichteten die Hamburger anschließend auf den Titel.

Vier Legenden wurden auserkoren, natürlich Stuhlfauth, dessen Mütze eines der Glanzstücke des Museums ist – und natürlich Max Morlock, Weltmeister von 1954, dessen original Endpieltrikot mit der Nummer 13 präsentiert wird. Neben diesen beiden verkörpern der Ex-Eintrachtler Dieter Eckstein und das Phantom, Marek Mintal, den Club der letzten Jahrzehnte.

Naürlich fragten wir auch nach der Saison 98/99 – doch da verfinsterten sich die Minen unserer Gastgeber. Unsere selbstverständlich nicht. Seinerzeit bedeutete das 5:1 gegen den 1.FC Kaiserslautern beim gleichzeitigen 1:2 des Club gegen Freiburg am letzten Spieltag den kaum mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt der Eintracht, während der Club die geplante Nichtabstiegsfeier abblasen musste.

Die Zeit verging wie im Flug, wir bedankten uns artig für die tolle Gastfreundlichkeit und kehrten in der naheliegenden Stuhlfauth-Stuben ein und stimmten uns mit Bratwurst und Bier auf das Spiel ein. Ein Spiel, dass hoch brisant war, immerhin standen sowohl die Eintracht als auch der 1.FCN wieder einmal mit dem Rücken an der Wand. Später marschierten wir gemeisam Richtung Grundig-Stadion, stellten uns an einer Unterführung ob eines Regenschauers kurz unter und erreichten den Vorplatz. Dass das Stadion allerdings in den Farben Blau und Weiß daher kommt, hatte ich verdrängt, dass es Max Morlock nicht als Namensgeber geschafft hatte jedoch nicht. Immerhin sind alle Blöcke nach verdienstvollen Spielern des Club benannt.

Wir verzogen uns bei einem Leichtbier unter das Dach der Haupttribüne. Rund um uns waren noch jede Menge Plätze frei, allerdings umgaben uns ausschließlich Eintrachtler, wie gesagt, Uwe Bein saß zwei Reihen unter uns. Die Gästekurve war ordentlich gefüllt, Nürberger Fahnenschwenker gaben ihr Bestes auf dem Rasen und wir stellten verwundert fest, dass Eintrachtkapitän Schwegler nicht im Kader war. Für ihn stand Lanig auf dem Platz, während Barnetta Inui ersetzte. Die Eintracht, ganz in Weiß, ging beherzt zur Sache und in der 21. Minute 1:0 in Führung, Barnetta hatte nach Vorarbeit von Aigner getroffen. Groß der Jubel, der kurz nach der Pause ekstatische Züge annham. Zunächst hatte Joselu auf 2:0 erhöht, dann Madlung gar das 3:0 erzielt. Ich ließ mich zu der Aussage hinreißen, dass der Club heute nicht mehr gewinnt. Aber die Eintracht wäre nicht die Eintracht, hätte sie nicht gezeigt, was sie derzeit nicht kann: Einen Vorsprung verwalten. Nürnberg besetzte nahezu kampflos das Mittelfeld und schaffte durch einen tollen Schuss von Drmic den Anschluss. Zuvor hatten die Nürnberger Anhänger nach kurzen Momenten des Schocks beschlossen, den Club weiter zu supporten. Jetzt waren sie vollends aufgewacht. Es spielte nur noch eine Mannschaft, der 1. FC Nürnberg und allen war klar, fällt hier der zweite Teffer, kann die Partie kippen. Und der zweite Treffer fiel, aus knapp 30 Metern hämmerte Campana die Kugel ins Netz. DAS. DARF. DOCH. NICHT. WAHR. SEIN.

Aber alles hätte, wäre, wenn war Vergangenheit, als Pinola Joselu nahe der Strafraumgrenze von den Beinen holte – und dafür vor der Zeit mit Rot vom Platz musste. Der folgende Freistoß ging zwar drüber, die Eintracht aber hatte sich berappelt, der Club war platt. Und folgerichtig fiel dann das erlösende 4:2 aus Frankfurter Sicht durch Joselu kurz vor Ende, der Drops war gelutscht, erst recht, als der eingewechselte Kadlec in der Nachspielzeit zum 5:2 Endstand traf. Erleichterung auf allen Ebenen. Zumindest fürs Erste.

Gut gelaunt schlenderten wir zum Parkplatz, verabschiedeten uns grinsend und verteilten uns auf die Autos. Durch die anbrechende Nacht ging es zurück auf die Autobahn und über Würzburg nach Frankfurt. Dort überraschte uns die Nachricht, dass Leverkusen zuhause gegen Hoffenheim verloren hatte. Damit dürfte sich die TSG aus der Abstiegszone heraus gespielt haben. Nicht aber die Eintracht und schon gar nicht der Club. Die nächsten Spiele werden weisen, wohin die Reise geht. Eines aber dürfte klar sein. Wenn die Eintracht mitspielt, sprich offensiv zu Werke geht, dann kann sie mit vielen Mannschaften mithalten, auch gegen Teams, die uns derzeit tabellarisch überlegen sind. Die Hoffnung aber, eine Führung durch einigeln zu verteidigen geht schief. Also, als druff.