Freiburg. Das zweite Auswärtsspiel der Eintracht hintereinander und tatsächlich ein weiteres mit unserer Beteiligung. Vollständig sogar, Pia, Golf und Beve. Das Schöne an Freiburg ist nicht zuletzt die Tatsache, dass Freunde von uns nur wenige Kilometer entfernt in Emmendingen wohnen und die Verknüpfung Fußball vs Besuch ein schönes Wochenende verspricht. Also gings Freitag gegen zwölfe auf den Highway. Mit nagelneuen Scheibenwischern, Aldi, 3,99 – das ist doch was.

Eintrachtfanbusse waren um diese Zeit noch keine unterwegs, wir zogen unsere Bahn, passierten Darmstadt, die Bergstraße, winkten Hessen zum Abschied, erinnerten uns – wie jedesmal – bei Dossenheim an Charly Körbel und ließen Heidelberg hinter uns. Bei Karlsruhe gedachten wir kurz dem letzten Aufstieg, der doch erst letzten Sommer gelang und doch schon Äonen her scheint und bei Baden Baden verließen wir die A5 und rollten in Richtung Schwarzwaldhochstraße.

Mit jedem gefahrenen Kilometer schraubten wir uns in die Höhe, mit jedem Meter wuchsen die Schneemassen im Schwarzwald. Skiläufer sausten die weißen Hänge hinab, jedoch blieb der Verkehr überschaubar und der Golf zog unbeirrt seines Wegs. Leider verfuhren wir uns an einer Kreuzung und so ging es durch Serpentinen zurück ins Tal, sogar zurück nach Offenburg, bis wir erneut die A5 erreichten und über Lahr nach Emmendingen rollten.

Nach einem kurzen Hallo marschierten wir über den Marktplatz zum Bahnhof und warteten auf den Zug. Mit uns warteten die ersten Anhänger des Sportclubs am Bahnsteig, kauderwelschten mit uns über das bevor stehende Spiel als auch schon der Zug einrauschte und uns aufnahm. Über Kollmarsreuthe und Denzlingen sausten wir zum Freiburger Hauptbahnhof und wanderten einige Meter bis zur Innenstadt. Dort erwischten wir eine Straßenbahn der Linie 1, die von nun an vollgepfropft mit Fußballfans bis zum Stadion durch fuhr. Die Freiburger besangen lautstark den BVB, weshalb auch immer und wir wurden alle gemeinsam vor dem Dreisamstadion ausgespuckt. Genau genommen heißt das Dreisamstadion gar nicht mehr so, auch der Name badenova-Stadion ist schon Vergangenheit, man kommt schon recht durcheinander bei all dem Wirrwarr und es stellte sich die Frage, wie das Ding nun eigentlich heißt.

Dies war uns erstmal egal, wir durchquerten bei rechter Kälte den Zugangsweg und erreichten einen fliegenden Händler, der fest verwurzelt auf dem Boden stand und neben Devotionalien auch Getränke anbot. So ein Tannenzäpfle, das wäre doch was und so orderten wir zwei Bier, die uns auch prompt in die Hand gedrückt wurden. Derweil hörten wir von anderen Jungs, die mit dem Händler schwatzten die Reizworte alkoholfrei. Da Pia die benötigten Münzen noch nicht vollständig los geworden war, vergewisserten wir uns, dass unser Tannenzäpfle ordnungsgemäß mit Alkohol versehen war – und wurden abschlägig beschieden. Daher wehte also der Wind; der miese Händler drehte den ahnungslosen Fußballfans wissentlich bleifrei an – und weigerte sich nach Bezahlung und Erkenntnis, die Flaschen zurück zu nehmen. Bevor es zum Eklat kam, ließen wir Bier Bier sein und enterten den Biergarten nur wenige Meter entfernt.

Selbst bei klirrender Kälte lungerten etliche Fans draußen herum, aus den Lautsprecher dröhnte wenig erbauliches, dafür gab es den Schoppen 0,4 für 2,90, mit welchem wir uns in die Schankstube begaben, um dort dem 0:3 des FSV bei St. Pauli beizuwohnen. Immerhin: Hier war es warm.

Wenig später schlurften wir an Bussen und Polizisten zum Gästeeingang, noch war der Andrang überschaubar doch es drückte schon recht ordentlich. Die Einlasskontrolle war akzeptabel, und da wir relativ früh dran waren, erwischten wir noch einen Stehplatz mit Sicht auf das Spielfeld. Unten versuchte Sabine die Eintracht beim Warmmachen zu fotografieren, während später einige Jungs hartnäckig versuchten, einige kleine Banner am Zaun fest zu binden, die sich jedoch ordentlich wehrten. Wir blickten auf das vor den Gästekäfig gespannte Netz, rechter Hand stützten massive Pfeiler die Tribüne und alsbald füllten sich die Stehplätze, jedoch in einem verträglich Maß.

Die Eintracht, mit Celozzi und Matmour für Inui und Lakic in der Startelf begann ganz in weiß, druckvoll dazu und so spielte sich die erste Halbzeit vorwiegend in der Hälfte der Freiburger ab, sogar ein Tor konnten wir bestaunen, welches jedoch von Aigner erzielt nicht gegeben wurde. Freiburg ist ein hoch gesundes Pflaster, so wunderte es wenig, dass Gesundheitskassen, wie die Krankenkassen heutzutage ja meist heißen, im Stadion recht präsent waren. Dies wiederum schien den Herrn Caliguri zu beflügeln, welcher sich ordentlich durch die erste Halbzeit holzte – und erst kurz vor Ende dieser mit gelb belohnt wurde. Etwas unglücklich ging es dann mit einem 0:0 in die Pause – ob der Pfiff noch von einem Offenbacher Fahrzeugführer erlebt wurde, blieb fraglich, da dieser doch mittels Durchsage zu seinem Wagen gebeten wurde. Ein weiterer Höhepunkt abseits des Spiels bot der junge Mann, der zwecks Support eine Computer-Tastatur in die Höhe reckte. Jawoll, alles für die Eintracht. Alles für die Eintracht gab auch unsere U23. Flo schickte uns die aktuellen Spielstände – am Ende hatte das Team von Trainer Alex Schur die Eintracht aus Trier fulminant mit 6:1 besiegt. Die Aufholjagd geht also weiter.

Zur zweiten Hälfte blieb dann der blasse und vor allem gelbrot gefährdete Matmour in der Kabine, für ihn stürmte Occean. Oder besser sollte stürmen. Doch legen wir über die Leistung des von Fürth gekommenen Kanadiers gnädig den Mantel des Schweigens. Letztlich bot Halbzeit zwei ein Spiegelbild der ersten, jedoch mit vertauschten Rollen. Nun stürmten die Freiburger, scheiterten jedoch entweder an Kevin Trapp, an Celozzi oder an eigener Unfähigkeit. Trotz allem bleibt festzuhalten, dass sich die Ansicht verfestigte, dass mit zunehmender Spieldauer ein 0:0 etwas Feines wäre. Ein paarmal hieß es noch: Luftanhalten – und dann war es vollbracht. Unentschieden im Breisgau.

Damit konnten wir leben, der Spielverlauf hätte Ärgeres in unseren nicht vorhandenen Rucksack stopfen können. Mit dem Schlusspfiff staksten wir kalten Fußes zur Straßenbahn, wurden von der abziehenden Menge in einen ankommenden Wagen geschoben und am Bertoldsbrunnen wieder ausgespuckt. Per pedes wanderten wir Richtung Bahnhof, erwischten ein noch geöffnetes asiatisches Restaurant, tranken heißen Tee und freuten uns ob der Wärme. Das Essen kam ruckzuck, wir speisten, zahlten und drückten uns hinaus Richtung Bahnhof, wo unser Zug schon auf uns wartete. Im Abteil ging es recht gesittet zu, in einem anderen feierten die Freiburger mit Gesang ihren Punktgewinn und schon schlichen wir über den Emmendinger Marktplatz zurück ins Heim – wo uns ein weiterer überraschender Höhepunkt erwartete: Ein Wärmflasche im gemachten Bett. Ich glaube, die letzte Wärmflasche lag in meinem Bett als ich noch einstellige Geburtstage feierte, aber fürwahr ich sage euch: Das ist eine gute Sache, auch im Alter.

Letztlich spielte die gesamte Liga am Wochenende für die Eintracht, für die es jedoch an der Zeit ist, mal wieder das Tor zu treffen. Sieben Halbzeiten lang warten wir nun schon auf einen Treffer unserer Helden, die noch einen weiten Weg vor sich haben, sollte die Reise in der kommenden Saison tatsächlich auch außerhalb Deutschlands fortgesetzt werden. Nun denn, wir sind geduldig.

War noch was? Achja, auf der Freiburger Klamottenbörse am Sonntag schenkte mir Pia einen grünen VW Golf I von Wiking, Mitte der Achtziger mein erstes Auto. Der steht jetzt hier und erinnert mich an Zeiten, als das Stadion in Freiburg noch Dreisamstadion hieß und die Eintrachtler hier allenfalls vorbei kamen, um Urlaub zu machen. Lang ist es her. Heute heißt das ganze Mage Solar Stadion und wartet darauf, in den nächsten Jahren durch einen Neubau ersetzt zu werden. Dann vielleicht sogar mit einem vernünftigen Gästeblock.