Nachdem Pia eine ganze zeitlang krankte und es zu Beginn der Woche nicht absehbar war, ob es bis zum Wochenende reicht, sagten wir schweren Herzens die geplante Tour mit den Geiselgangstern ab, um im besten Falle kurzfristig mit dem Golf die Schauinsland-Reisen-Arena anzusteuern.

Besser natürlich: Wedau-Stadion. Glück hatten wir dabei, dass ein lieber Eintrachtler noch kurzfistig ein paar Tickets für uns übrig hatte und somit waren wir also gewappnet.

Als es dann Donnerstag, Freitag mit Pia bergauf langsam ging, stand der Fahrt nach Duisburg nichts mehr im Wege – und so holten wir Tanja an der Miquelallee ab und rollten bei frühlingsgraukalten Wetter auf die Autobahn. Natürlich im silbernen Golf, der an der ersten Tankstelle mit weinenden Augen vollgetankt wurde, immerhin war das Wischwasser kostenlos – und ich sage euch: Es wird der Tag kommen, an dem dies nicht mehr der Fall sein wird.

Regentropfen patschten an die Scheibe, als wir gegen halb neun auf die A3 rollten, der Bus der Geiselgangster fuhr schon am Rastplatz Medenbach das erste Mal raus, wir aber sausten auf der relativ leeren Autobahn im Grau dahin. Mit dabei diesmal: Bruce Springsteen, The Heartbreaks, The Phantom oder Orphan Boy – für die rechte Musik war also gesorgt.

Peu a peu überholten wir diverse Fanbusse, von Zeit zu Zeit spitzte sogar die Sonne durch, die sich aber gegen die Trübnis nicht wirklich durchsetzen konnte. Kaum eine Baustelle stahl uns die Zeit, wir passierten Köln und Düsseldorf und verließen alsbald den Highway an der Abfahrt Duisburg-Wedau.

Wenige 100 Meter hinter der Abfahrt parkten wir nahe der geschlossenen Wirtschaft Endstation und marschierten warm eingepackt vorbei an der Regattastrecke in Richtung Stadion. Um diese Zeit waren schon mehr Frankfurter auf den Beinen als Duisburger, auch Yogi, Roland und Steffen waren schon in Duisburg und gaben uns den Tipp, doch die Eintracht-Gaststätte auf zu suchen; natürlich war damit nicht Eintracht Frankfurt gemeint, sondern Eintracht Duisburg, was uns aber nicht sonderlich störte. Da Christian samt seinem Cousin noch unterwegs war, umrundeten wir die Arena und wurden spontan fündig.

Obgleich offiziell der Einlass nur für Clubmitglieder und deren Freunde bestimmt war, sprach nichts dagegen im Tennis-Vereinsheim einzukehren, immerhin kamen wir ja auch von der Eintracht und somit orderten wir eine Runde Pils und kamen sofort mit dem ein oder anderen Duisburger ins Gespräch – das Unheil nahm seinen Lauf. Denn wie in Paderborn waren die Einheimischen nicht nur davon überzeugt, dass die Eintracht aufsteigt, sondern sie waren sogar mit einem Punkt zufrieden – und was es heißt, wenn der Gastgeber nicht mit einem Sieg rechnet, durften wir hautnah in Paderborn erleben. Nichstdestotrotz stießen wir auf das Spiel an, futterten noch ein Currywürstchen und sobald Christian und Thomas eingetrudelt waren, machten wir uns auf den Weg ins Innere der Arena.

Natürlich trafen wir jede Menge bekannter Gesichter, hier war Johannes, dort der Steffen, der statt einer Stehplatzkarte ein Ticket für einen Sitzplatz in den Händen hielt – und obgleich sich der Einlass durch genaue Kontrollen etwas verzögerte, enterten wir bald das Stadion. Hinter dem Neubau versteckte sich noch der alte Aufgang und die alte Anzeigentafel, in der Arena selbst zog es aber wie Hechtsuppe. Dass es noch viel frischer werden sollte, ahnte zu dem Zeitpunkt nur derjenige, der die Vorzeichen zu deuten wusste.

Wir trafen an der oberen Kante der Stehplätze diejenigen, die immer an der oberen Kante der Stehplätze stehen; Arne, Suse und Muelli, später gesellten sich noch Basti oder Holger und Ruth zu uns und nach Verkündung der Aufstellung und leicht verzögertem Anpfiff nahm das Unheil seinen Lauf. Die Duisburger schwenkten zum Zebratwist ihre Fahnen, das Stadion war nur zu zwei Dritteln gefüllt – und immerhin erinnerten sich die Jungs vom Presswerk Rüsselsheim an die alte Freundschaft zwischen der Eintracht und dem MSV; gemeinsam mit ihren Duisburger Freunden versammelten sie sich neben der Kurve in einem eigenen Block.

Spannend wurde es zunächst auf meinem Handy, der FSV, der zeitgleich am Hang gegen St. Pauli spielte, begann wie die Feuerwehr und Daniel schickte mir die aktuellen Spielstände; binnen kurzem führte Bornheim mit 3:0 und als es in die Halbzeit ging, hatte St. Pauli auf 2:3 verkürzt und spielte nun auch noch mit einem Mann mehr. Die Eintracht aber eierte 45 Minuten in Duisburg herum, dass man nicht meinen konnte, sie wollten aus dem 1:2 der Düsseldorfer bei Hansa Rostock letzten Donnerstag Kapital schlagen. Der Meidericher SV aber, der die letzten beiden Spiele gewinnen konnte, tat, was eine Mannschaft mit dem Rücken zur Wand tun muss; sie spielten beherzt und wurden kurz vor dem Pausenpfiff mit der 1:0 Führung belohnt. Völlig unbedrängt flankte ein Duisburger in die Mitte und Sukalo traf prompt zur Führung.

Und wer gedacht hätte, die Eintracht würde in Halbzeit zwei mit mehr Schmackes spielen, der wurde arg enttäuscht. Wenig Laufbereitschaft, wenig Engagement, wenig Wille  – so lässt sich das Spiel der Adler zusammen fassen, derweil der MSV weiterhin alles in die Waagschale warf, was er an Kampfkraft zu bieten hatte. Die Wechsel Matmour für Köhler und Kittel für Hoffer sorgten nicht für die nötige Brisanz und es kam was kommen musste: Nach einem Fehler von Nikolov traf der MSV zum 2:0.

Die Eintrachtkurve sang ähnlich unsinspiriert wie die Eintracht kickte, da war kein Aufbäumen, kein Ruck, da war nur ein lahmes Hin und Her und ein im End völlig verdienter Duisburger Sieg. Wir versuchten oben im Senioreneck noch mit Eintracht, Eintracht-Rufen das Ruder herum zu reißen, doch wir waren zu wenige gegen das Dauerlala und die Schlappekicker auf dem Rasen. Alleine Pia zeigte mehr Engagement als die Eintrachtler auf dem Rasen zusammen und als Martin am Megaphon die Partie schon fünf Minuten vor dem Ende verloren gab, da war der Drops gelutscht.

Am Ende stand ein winddurchwehtes 0:2 und die verpasste Chance, sich weiterhin nach Oben abzusetzen. Wir wissen ja, wie es ist, hinten kackt die Ende und es haben schon ganz andere Mannschaften ein scheinbar sicheres Polster in den letzten Spielen vergeigt – insofern man überhaupt ein Polster vergeigen kann, aber sei’s drum. Missmutig und durchgefroren stapften wir in Richtung Golf, warteten noch ein Weilchen, bis sich der Verkehr beruhigt hatte und rollten zurück auf die A3.

Während WDR 2 die Radiokonferenz der Großen übertrug, Augsburg, Mainz, Hoffenheim, Freiburg, überholten wir die ersten Busse – und wieder waren es die Geiselgangster, die den ersten Parkplatz ansteuerten. Während ein Gruppe Eintracht-Motorradler geplant hatte, sich mit zwei Rädern auf den Weg machen, auch um dem tödlich verunglückten jjmörfelden zu gedenken und dann ob des Wetters doch mit dem PKW fuhren (korr), rollerte Sabine mit ihrer Vespa putzmunter auf der A3 in Richtung Heimat; wir winkten, nahmen die Tore der ersten Liga zur Kenntnis und verließen in Montabaur die Autobahn, um gepflegt zu essen. Die Altstadt war wie ausgestorben, Läden zu vermieten, doch wir fanden noch einen ansprechenden Platz, den wir gesättigt und halbwegs aufgewärmt wieder verließen.

Nach knapp einer Stunde wuchs die Skyline Frankfurts in den Himmel, auf der Allee verabschiedeten wir uns von Christian und Tanja und bald parkte der Golf irgendwo im Nordend, während wir warm eingepackt den Fernseher anwarfen. Der Hessische Rundfunk wiederholte eine der besten Tatortfolgen aus Frankfurt, weil sie böse sind betitelt, doch mich übermannte die Müdigkeit, so dass ich die bunten Bilder nur sporadisch verfolgte. Irgendwann flimmerte das Sportstudio über die Mattscheibe und irgendwann wachte ich auf und es war Sonntag. Na frohe Ostern.