Zum 6:1 der Eintracht gegen den FSV ist ja eigentlich schon alles gesagt. Naja, vielleicht fast alles. Für einen war es auf jeden Fall ein ganz besonderes Spiel; nämlich für Karl Heinz Pilz, der am vergangenen Samstag seine 1.000ste Sportgroßveranstaltung besuchte und während dieser Zeit auch Augenzeuge wurde, wie der FSV die Eintracht letztmals in einem Pflichtspiel besiegen konnte. Dies war natürlich ein Grund, den Nauheimer auf die Waldtribüne zu bitten, um uns aus erster Hand erzählen zu lassen, wie es denn damals gewesen ist, an jenem 9.Oktober 1955 am Bornheimer Hang.

29.000 Zuschauer sahen einen Treffer von Strittmatter in der 59. Minute, der in der Partie der einzige bleiben sollte – und den FSV-Anhang letztmals als Derbysieger entließ. In jener Zeit rangen die Riederwälder und die Bornheimer noch um die Vorherrschaft in Frankfurt. Vier Jahre später war die Eintracht erstmals Deutscher Meister, weitere drei Jahre später der Aufenthalt des FSV in der höchsten deutschen Spielklasse beendet. Während der FSV in der Saison 61/62 durch ein 0:1 bei Bayern Hof erstmals absteigen musste, war die Eintracht – nach heutigen Maßstäben – Süddeutscher Meister. In Wirklichkeit landete die Sportgemeinde jedoch nur auf dem zweiten Tabellenplatz, obgleich sie einwandfrei die bessere Tordifferenz aufweisen konnte. Entscheidend aber war der Torquotient ( Man teilte die geschossenen Tore durch die kassierten) und da hatte der Club die Nase vorn. In der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft scheiterte die Eintracht trotz eines 8:1 gegen Pirmasens und einem 2:1 beim HSV am 1. FC Köln, der sich im Waldstadion mit 3:1 behaupten konnte – und im Finale den 1.FC Nürnberg besiegte und somit Deutscher Meister 1962 wurde.

Während der Saison hatte die Eintracht den FSV gleich zwei Mal deutlich geschlagen; einem 5:0 im Hinspiel folgte ein 4:0 im Rückspiel – das bis zur Saison 2011/12 letzte Aufeinandertreffen in einem Punktspiel. Parallelen zur jetzigen Saison sind augenscheinlich. Bitter für den FSV wog zudem die Tatsache, dass die Eintracht im vorletzten Spiel den direkten Abstiegskonkurrenten der Bornheimer, den FC Schweinfurt 05, durch ein 0:3 zurück ins Geschehen brachte. Schon im Hinspiel hatte es gegen die Schweinfurter nur zu einem 1:1 gereicht. Das allerletzte Pflichtspiel zwischen der Eintracht und dem FSV ging gleichfalls im Jahr 1962 über die Bühne, wie Eintrachtfan und Sammlerlegende Dr. Othmar Hermann zu erzählen wusste. In der zweiten Runde des Süddeutschen Pokals konnte die Eintracht den FSV am Bornheimer Hang mit 2:1 besiegen.

Zu Gast auf der Waldtribüne war auch Jürgen „Eimi“ Eimer, der heutige Fanbeauftragte des FSV, der sein Herz an die Schwarz-Blauen schon in den Siebziger Jahren verloren hatte; damals, als in der zweiten Liga Süd die Gegner noch Spvgg Bayreuth oder Bayern Hof hießen. Während die Klassenkameraden mehrheitlich der Eintracht, den Bayern oder Gladbach die Daumen drückten, hielt Eimi auch in den Niederungen der Oberliga die Treue, die weiteste Reise führte ihn nach Emden, während die Eintracht in aller Welt unterwegs war, in den letzten Jahren jedoch eher freundschaftlich, sieht man einmal von den Uefa-Cup-Ausflügen der Saison 2006/07 ab, die uns nach Kopenhagen, Vigo und Istanbul führten. Immerhin, Eimi ließ sich die Chance auf Groundhopperpunkte nicht entgehen und reiste mit der Eintracht nach Kopenhagen und Vigo.

Für den FSV und die Eintracht spielte Dietmar Roth, ein weiterer Gast auf der Waldtribüne. 1987 aus Gelsenkirchen zur Eintracht gekommen, konnte Roth gleich im ersten Jahr den DFB-Pokalsieg feiern; Detaris Freistoß, ihr wisst. Während der Folgesaison hielt die Eintracht die Ligazugehörigkeit nur mit Müh und Not, unvergessen die Relegationsspiele gegen Saarbrücken, in denen ein gewisser Herr Yeboah die Eintracht beinahe in die zweite Liga schoss.

Wie Gladbach zur Zeit wandelte sich auch die Eintracht vom Abstiegskandidaten zur Spitzenmannschaft. Mit dem Rückkehrer Falkenmayer und dem gebürtigen Hessen Uwe Bein formte Trainer Jörg Berger eine Mannschaft, die aus dem Nichts heraus den dritten Platz belegte, für Dietmar Roth eine außergewöhnliche Leistung. Es folgte der Fußball 2000, Rostock, Heynckes, Abstieg und die erste Zweitligasaison, die mit einem enttäuschenden 7. Platz endete – immerhin: Es hätte schlimmer kommen können; zeitweilig taumelte die Eintracht sogar in Richtung Tabellenkeller.

Nach zehn Jahren bei der Eintracht wechselte Roth zum FSV um nach nur einem Jahr in Bornheim (wo er neben dem Fußball seine berufliche Karriere voran trieb) nach Offenbach zu wechseln. Als ehemaliger Eintrachtler zunächst skeptisch beäugt, spielte er immerhin noch drei Jahre für die Kickers (Qualität setzt sich eben durch) und beendete sein Karriere nach beinahe 400 Einsätzen in den höchsten drei Ligen.

Nachdem Kurt E. Schmidt noch exclusiv die Mannschaftsaufstellung verkündet hatte, wussten wir Bescheid und hofften, dass die Eintracht sich auch im Derby würde behaupten können. Und dies geschah in eindrucksvoller Art und Weise. Nachdem es in der ersten Viertelstunde hin und her wogte, konnte die Eintracht im Gegensatz zum FSV ihre Chancen nutzen und führte zur Halbzeit mit 2:0. Nach einer Phase der Stabilisierung zu Beginn der zweiten Hälfte fiel der FSV dann vollends auseinander; LaOla schwappte durchs Stadion – wobei sich sogar die FSV-Fans beteiligten bevor sie die Wunden lecken mussten. An einen Erfolg des FSV hatten nur die wenigstens geglaubt, die 6:1 Klatsche aber kam wie ein Orkan daher gefegt.

Hoffen wir, dass der Eintracht also ein souveräner Aufstieg gelingt, ein zweiter Platz wie Anno 61/62 wäre schon ausreichend. Der FSV aber muss gewaltig aufpassen, dass ihn die Vergangenheit nicht einholt und er wie damals nach zwei Klatschen gegen die SGE nicht erneut absteigt. Letztlich aber haben es die Bornheimer damals wie heute in der eigenen Hand.

Die heißesten Derbies aber lieferten sich die Eintracht und der FSV in den Zwanziger Jahren; erinnert sei hier an die sogenannte Marne-Schlacht. In jenen Tagen wurde der Eintritt am alten Riederwald aus einem hölzernen Kassenhäuchen heraus kassiert – und seit ein paar Tagen steht ein Nachbau jenes Häuschens im Museum der Eintracht; sogar mit echten Ballabdrücken auf der Außenwand. Wie damals, als die Fetzen flogen.