Proppevoll war es wieder einmal im Museum der Frankfurter Eintracht, welches gemeinsam mit der Fan- und Förderabteilung zur mittlerweile achtzehnten Veranstaltung aus der Reihe Tradition zum Anfassen geladen hatte. Nachdem Hans Tilkowski kurzfristig abgesagt hatte, Egon Loy in Florida weilt und Uli Stein sowie Jürgen Pahl erst neulich im Museum zu Gast gewesen sind, konnten wir diesmal mit Dr. Peter Kunter, Joachim Jüriens, Thomas „Gustl“ Ernst und unserer aktuellen Nummer eins, Oka Nikolov gleich vier Torhüter aufbieten, zudem gesellte sich mit Moppes Petz der aktuelle Torwarttrainer der Eintracht zu der Runde.

Der fliegende Zahnarzt, wie Dr. Peter Kunter schon während seiner Karriere genannt wurde, kam 1965 über Eintracht Wetzlar und den Freiburger FC zur Eintracht. Als Nachfolger von Egon Loy avancierte er bald zum Stammtorhüter, der zunächst  jedoch nicht unumstritten war – so wurde ihm mit Hans Tilkowski ein Mann vor die Nase gesetzt, der im legendären WM-Finale in Wembley 1966 das Tor der Deutschen Nationalmannschaft gehütet hatte. Kunter nahm die Herausforderung an und lief vor allem nach Abschluss seines Studiums zu großer Form auf. Zuvor jedoch hatte die Eintracht versucht, Kunters Vertrag ebenso wie den von Wolfgang Solz aufzulösen. Während Solz den Verein tatsächlich verließ, pochte Kunter auf bestehende Verträge – und blieb der Eintracht erhalten.

Sportlicher Höhepunkt einer langen Karriere war der Pokalsieg 1974 in Düsseldorf gegen den HSV. Heute wirkt der Doc, der nach Abschluss seiner aktiven Zeit zwei Jahre als Vizepräsident aktiv war (die haben keinen Dümmeren als mich gefunden) mit der Eintracht im Reinen – und nimmt selbst fünf Gegentore wie beim legendären 5:5 gegen den VfB Stuttgart mit Humor. (Hinten habe ich einen kassiert, vorne hat Neuberger einen rein gemacht, dann habe ich wieder einen kassiert.) Allerdings hatte er nach seinem Abschied als Vize 10 Jahre lang keinen Fuß ins Waldstadion gesetzt, Einblicke ins Geschäftsgebaren auch von Beratern hatten ihm die Lust genommen. So hätte er bei einem Wechsel eines Spielers kräftig mitverdienen können – was er seinerzeit jedoch ablehnte. Heute würde er jedoch überlegen, fügte er scherzhaft hinzu. Immerhin wurden unter seiner Vizepräsidentschaft Spieler wie Cha oder Pezzey an den Main geholt – und sind wie Kunter selbst unvergessen.

Eines der denkwürdigsten Spiele erlebte die Eintracht 1976 im Europapokal der Pokalsieger. Bis ins Halbfinale hatten es die Mannen um Dr. Peter Kunter geschafft und auch das Hinspiel im Waldstadion gegen West-Ham United mit 2:1 gewonnen. Ein erfolgreiches Rückspiel hätte den Einzug ins Finale bedeutet, doch das Unternehmen Endspiel scheiterte. Vielleicht an einer zu defensiven Taktik, vielleicht aber auch an ungeschickter Vorbereitung – die Anfahrt zum Stadion verzögerte sich, der Bus stand im Stau und der Eintracht lief die Zeit davon. Die Spieler zogen sich bereits im Bus um und schon kurz nach Eintreffen der Mannschaft erfolgte der Anpfiff. Stand es zur Halbzeit noch 0:0, so zog West Ham bis zur 77. Minute auf 3:0 davon; Beverungens Anschlusstreffer war zu wenig, die Eintracht war ausgeschieden und West Ham United stand im Endspiel, unterlag aber in Brüssel dem RSC Anderlecht mit 2:4.

Ein Merkmal Kunters war seine gewaltige Sprungkraft, die er in der Sandgrube am Riederwald mit Bleiweste kräftig trainierte. Als er gegen Ende seiner Karriere dem Kollegen Günther Wienhold den Vortritt lassen wollte (ein Verweis auf sein damaliges Alter von 35 Jahren brachte ihm einen freundlichen Blick von Oka ein), saß er beim Pokalsieg 1975 immerhin noch auf der Bank. Dann musste er doch noch einmal ran: Eine schwere Verletzung Wienholds im Spiel bei Borussia Mönchengladbach erforderte den erneuten Einsatz des  fliegenden Zahnarztes in der Saison 1975/76. Nach 234 Bundeligaeinätzen beendete Kunter seine Karriere und fühlte den Kollegen fortan massivst auf den Zahn.

Joachim Jüriens kam 1980 aus Herzogenaurach zur Eintracht, aus dem Dorf also in die aufregend große Stadt zum frisch gebackenen Uefa-Pokalsieger. Jürgen Pahl und Klaus Funk hatten sich im Jahr zuvor einen heißen Kampf um die Nummer Eins geliefert, der gegen Ende der Saison zugunsten von Jürgen Pahl entschieden schien. Mit Jüriens erschien nun ein junger Konkurrent, der bis zu seinem Abschied 1984 in dreißig Bundesligaspielen das Tor der Eintracht hütete. Legendär wurde die Partie am 05. März 1983 gegen Bayern München, schon im Vorfeld berichtete die Frankfurter Rundschau: „Alle Frankfurter sollten öffentliche Verkehrsmittel benutzen“, rät der Einsatzleiter der Polizei, denn „wer falsch parkt, wird abgeschleppt und zahlt Bußgeld.“ Vor dem Spiel wird die Polizei erneut auf den Zufahrtswegen zum Waldstadion Kontrollen durchführen, und zwar bei den Fußballfans, bei „denen der Verdacht besteht, dass sie Schlagstöcke, Leuchtraketen und Waffen bei sich haben“

Vor ausverkauftem Haus ging die Eintracht in der 22. Minute durch Nickel in Führung. Das wütende Anrennen der Bayern mit den ehemaligen Eintrachtlern Kraus und Nachtweih scheiterte ein ums andere Mal am prächtig aufgelegten Jüriens, der es auf Grund seiner Leistung in die Elf des Tages des Kicker schaffen sollte. Die größte Chance zum Ausgleich für die Bayern hatte Paul Breitner in der 77. Minute auf dem Fuß – Schiedsrichter Assenmacher wertete einen Zweikampf zwischen Rummenigge und Körbel als elfmeterwürdig, was Charly Körbel nach Spielende wie folgt kommentierte: „Dieser Pfiff war eine Unverschämtheit.“ Große Sorgen aber brauchte sich Körbel nicht zu machen – denn Joachim Jüriens konnte den Elfmeter von Paul Breitner parieren.

Das größte Erlebnis Jüriens‘, zu dessen Zeit die Eintracht von einem reinen Torwarttraining absah, war aber der Auftritt im Europapokal der Pokalsieger1981/82, als die Eintracht im Viertelfinale in London auf die Tottenham Hotspurs traf. Die Weite des Waldstadions gewohnt, standen die Fans in der White Hart Lane nur wenige Schritte hinter Jüriens, der die Enge und Nähe zunächst gar nicht glauben konnte und dachte, dass etwas nicht stimme. Dennoch bestätigte er eine großartige Atmosphäre. Die Eintracht schien gleichfalls beeindruckt und unterlag vor 44.000 Zuschauern mit 0:2, eine schwere Hypothek für das Rückspiel. 41.000 Fans erlebten dann im heimischen Waldstadion eine 2:0 Halbzeitführung und hofften bis zur 81. Minute. Der Anschlusstreffer von Glen Hoddle aber machte alle Träume zunichte, die Eintracht war ausgeschieden. Diesmal allerdings mit Jürgen Pahl im Tor. Pahl wiederum blieb im kollektiven Gedächtnis nicht nur ob seines Pokalsieges von 1981 und dem Uefa-Cup-Sieg 1980 in Erinnerung, sondern auch wegen des kuriosen Eigentors im Spiel gegen Werder Bremen 1982. Den Anschiss von Trainer Zebec durfte sich überraschender Weise aber Ersatztorwart Jüriens abholen, der dann in der zweiten Halbzeit für Pahl eingewechselt wurde.

Der Abschied von Joachim Jüriens von der Eintracht nach der spannenden Saison 83/84, in der die Eintracht erst in den Relegationsspielen den Klassenerhalt schaffte lag nicht zuletzt daran, dass Spieler Jüriens und Trainer Weise nicht auf einen Nenner kamen. Die nächste Station von Jüriens war der SSV Ulm – obgleich er um ein Haar in Wien gelandet wäre. Die Vertragsverhandlungen erschienen ihm, der ohne Berater angereist war, federleicht, die Bedingungen und das Gehalt stimmten und so stand einem Wechsel nichts mehr im Wege. Bis er sich das Vertragswerk genauer ansah und feststellte, dass er in D-Mark gedacht hatte, die Österreicher aber in Schilling – somit hatte sich das Thema Wien erledigt. 14 Spiele absolvierte er für den SSV Ulm, der nach dem letzten Spieltag abgeschlagen am Tabellenende landete. Jüriens ging zurück nach Hessen, spielte bis 1998 in der Region und hütet heute das Tor der Traditionsmannschaft der Eintracht – eine Aufgabe, die er demnächst irgendwann gegen Oka Nikolov verteidigen muss.

Thomas „Gustl“ Ernst kam 1981 als C-Jugendlicher vom FV Biebrich zur Eintracht, von jenem Verein also, aus dem es auch Jürgen Grabowski hinaus in die weite Welt gezogen hatte – keine schlechte Adresse also für einen jungen Torhüter, an dem auch Mainz 05 interessiert war. Ernst erreichte mit der Eintracht, wovon wir alle träumen; er wurde mit ihr Deutscher Meister – in der A-Jugend. Und ein Deutscher Meister fährt natürlich stilecht im Museum vor: Mit Familie im Wohnmobil. Verheiratet ist Thomas Ernst übrigens mit Kerstin Pohlmann, die gemeinsam mit ihrer Schwester Deutsche Meisterin mit dem FSV Frankfurt im Frauenfußball wurde. Beide wohnten natürlich der Veranstaltung bei.

Sein erster Bundesligaeinsatz blieb ihm in durchaus zwiespältiger Erinnerung. Die Eintracht hatte am 9. Spieltag der Saison 87/88 beim FC Homburg anzutreten, der mit 5:15 Toren und vier Pünktchen das Tabellenende zierte. Sagenhafte 4.500 Zuschauer erlebten eine 1:0 Pausenführung der Eintracht durch Lajos Detari; Torhüter Hansi Gundelach aber war angeschlagen. Dennoch stand er zu Beginn der zweiten Halbzeit noch immer zwischen den Pfosten – und Homburg drehte binnen weniger Minuten das Spiel und führte seit der 52. Minute sogar mit 2:1. Zeit für Gundelach zu gehen, der topmotivierte Ernst sprang ab der 54. Minute  in die Bresche. Als erste Amtshandlung durfte er den Ball eine Minute später aus dem Netz klauben. Homburg führte nun 3:1 und erhöhte bis zur 67. Minute auf 5:1. Welch ein Desaster für einen jungen Torhüter, der bei seinem Debüt innerhalb von 15 Minuten drei Treffer kassieren musste, obgleich auch die lokale Presse später bestätigte, dass Ernst an allen Toren machtlos war. Als Ernst kurz nach dem fünften Treffer einen Ball halten konnte, konnte sich Kapitän Körbel ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wenige Wochen später präsentierte die Eintracht mit Uli Stein einen neuen Torhüter und holte am Ende der Saison zum vierten Mal den DFB-Pokal an den Main. Bis zu seinem Rauswurf kurz vor Ende der Saison 93/94 absolvierte Stein 224 Bundesligaspiele in Folge für die Eintracht – harte Zeiten für die Nummer zwei, Thomas Ernst, der erst am 31. Spieltag 93/94 zu seinem zweiten Ligaspiel für die Eintracht kam.

Ernsts Spitzname Gustl leitet sich aus einer Begebenheit aus der Kabine ab, als ein Spieler ein Blick von ihm mit dem Ausruf „Du siehst ja aus wie Gutsav Gans“ bewertete – wodurch sich sehr schnell die Kurzform Gustl durchsetzte. Gustl profitierte zunächst vom Training mit Uli Stein, wobei die Aussicht zu spielen natürlich gering war. Leise Hoffnung setzte er in das Alter von Uli Stein, und die Möglichkeit, diesen eines Tages zu beerben. Als Uli seinen Vertrag Jahr um Jahr verlängerte, schienen Ernsts Felle langsam davon zu schwimmen. Erst der Rauswurf Steins offenbarte neue Möglichkeiten. Das Schicksal von Ernst aber war plötzlich an den 1. FC Nürnberg verknüpft, in dessen Tor Nationaltorhüter Andi Köpke seinen Dienst verrichtete. Und jener Club, der am 30. Spieltag gerettet schien, schaffte es, die letzten vier Spiele zu verlieren. Dadurch zog in letzter Minute noch der SC Freiburg in der Tabelle vorbei – und der 1.FC Nürnberg war abgestiegen. Köpke, der weiterhin erstklassig spielen wollte, wechselte für einen Nationaltorhüter relativ geringe Ablösesumme von einer Million D-Mark zur Eintracht. Wäre Nürnberg drin geblieben, wäre die neue Nummer eins Thomas Ernst geworden, der aber nach der Verpflichtung von Köpke die Eintracht verließ. Noch einmal hinter einem Nationaltorhüter hoffnungslos auf der Bank zu sitzen, wollte sich Ernst, der über einhundert Spiele für die Amateure der Eintracht absolvierte, nicht antun. Und ebenso denkwürdig wie sein erstes Spiel für die Eintracht blieb auch sein letztes. Nur ein Sieg beim 1. FC Köln bei gleichzeitigem Punktverlust des KSC in Wattenscheid brachte der Eintracht den Sprung auf den Uefapokalplatz. Während die Karlsruher wunschgemäß in Wattenscheid mit 1:5 untergingen, bezwang die Eintracht den FC in Köln mit 3:2 und sicherte sich dadurch den fünften Rang – mit Ernst im Tor. Die Fans aber, die wussten, dass bei einem Abstieg der Nürnberger Köpke zur Eintracht kommen wird, wussten auch um die Ergebnisse auf den anderen Plätzen – und als sich der Abstieg des Clubs abzeichnete, skandierten sie den Namen Andy Köpkes. Bitter für Ernst, der schon seit der Jugend bei der Eintracht kickte und nun seiner Eintracht durch seine Paraden den Einzug in den Uefa-Cup sicherte. Nach dem Schlusspfiff in Köln verkrümelte sich Gustl ohne mit den Fans zu feiern in die Kabine – immerhin machte sich eine Delegation von Eintrachtfans noch nach Spielende auf, um ihn zu trösten. Letztlich verabschiedete sich Ernst in der Fan geht vor von den Fans der Eintracht und verschaffte seiner Enttäuschung schriftlichen Ausdruck. Nicht zuletzt dadurch blieb er trotz relativ weniger Einsätze vielen Eintrachtfans in guter Erinnerung.

Nach seinem Abschied aus Frankfurt wäre Ernst beinahe in Saarbrücken gelandet, die Verträge waren aufgesetzt, es fehlten allein noch die Unterschriften. Ernst, dessen Urlaub schon länger feststand, beauftragte einen Bevollmächtigten und ging in der Gewissheit, einen Verein gefunden zu haben, auf die Reise. Unterwegs erfuhr er jedoch, dass der FCS Abstand von seiner Verpflichtung genommen hatte und statt seiner ein ablösefreier Torwart vom SV Meppen verpflichtet wurde. Ernst stand ohne Vertrag da – und wechselte kurzfristig zum FSV Frankfurt, der unter Trainer Klaus Gerster in der zweiten Liga völlig versenkt wurde; auch ein Wechsel des Trainers brachte nicht viel: Am Ende stieg der FSV mit 12:56 Punkten und 39:102 Toren als Tabellenletzter sang- und klanglos ab. Im letzten Spiel, beim 1:7 in Mainz wurde Ernst sogar als Feldspieler eingewechselt. Im Mittelfeld des FSV kickte damals ein junger Mann mit dem Namen Alexander Schur.

Über Bochum und Stuttgart führte der Weg von Thomas Ernst zum 1.FC Kaiserslautern. Dort beendete er 2006 seine aktive Karriere. Anschließend ging’s zurück zum FSV Frankfurt, wo er ein Jahr als Manager arbeitete, bis es ihn als Vorstandmitglied erneut zum VfL Bochum verschlug, wo er bis Sommer 2011 verantwortlich für den sportlichen Bereich war.

Schon in der Saison 1998/99 trainierte Moppes Petz die Torhüter der Frankfurter Eintracht – und verhalf den Mannen um Kapitän Ralf Weber zum spektakulären Klassenerhalt, unvergessen das 5:1 in letzter Sekunde durch Jan Aage Fjörtoft gegen den 1.FC Kaiserslautern – im Tor natürlich Oka Nikolov.

Moppes Petz, der seinen Spitznamen von seinen Brüdern schon wenige Tage nach seiner Geburt erhielt, ist im Grunde ein Mainzer Urgestein. Von 1978 bis 1995 hütete er das Tor des FSV Mainz 05 sowohl in der Oberliga als auch in der Zweiten und ist auch noch heute ein gern gesehener Gast beim Nachbarverein, dessen größter Konkurrent zu Petz‘ Zeiten aus der eigenen Stadt kam. Während sich Fußball in Mainz damals weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielte, erfreuten sich die Ringer des ASV Mainz 88 größter Beliebtheit. Dem eher unglücklichen Abschied bei Mainz 05 erfolgte ein Engagement als Torwarttrainer beim SV Wehen, den er gegen Saisonende auch als Gesamtcoach trainierte. Dort traf er auf Bruno Hübner – und auch auf Thomas Zampach, der erst später auf die ganz große Fußballbühne zurückkehrte – als Fußballgott.

Der Trainerwechsel von Ehrmantraut über Fanz zu Jörg Berger brachte für Moppes Petz das Aus bei der Eintracht, Berger brachte mit dem ehemaligen Nationaltorhüter der DDR, René Müller einen eigenen Torwarttrainer mit. Petz, kehrt als Außendienstmitarbeiter eines Getränkeherstellers zurück und ließ sich fürderhin für weitere Projekte stets freistellen. So war er neben Oliver Reck zweiter Trainer beim MSV Duisburg, der im Sommer 2011 ins DFB-Pokalfinale einzog und so trainierte er den von Felix Magath vom Mannschaftstraining des VfL Wolfsburg suspendierten Simon Jentzsch an den Wochenenden. Immerhin bereitete er Jentzsch so auf, dass er bis heute im Tor des Bundesligisten FC Augsburg steht.

Über den Kontakt zu Bruno Hübner aber auch zu Armin Veh, der Moppes Petz schon ein viertel Jahrhundert kennt, kam Petz als Nachfolger von Andreas Menger zurück zur Frankfurter Eintracht. Diesmal allerdings beinhaltet die Arbeit einen Vollzeitjob, Petz alter Arbeitgeber muss sich also noch ein Weilchen gedulden, denn ob und wann er zurückkehrt, ist völlig ungewiss, die Eintracht braucht ihn. Kaum jemand kannte Petz hier bei der Eintracht als er im Sommer 2011 verpflichtet wurde, selbst die Arbeit in der Saison 98/99 war in Vergessenheit geraten – nach dem Auftritt im Museum allerdings wussten die Eintrachtler, wer Moppes Petz ist und werden ihn so schnell nicht wieder vergessen. Mit Humor, Sachverstand und einer lebendigen Historie hat sich der Mann aus Mainz trotz seiner zweifelhaften Herkunft in die Herzen der Eintrachtler gearbeitet.

Mit Oka Nikolov war erstmals ein Spieler des aktuellen Kaders im Rahmen der TZA im Museum zu Gast. Über Charly Körbel kam Oka 1991 von Darmstadt 98 zur Frankfurter Eintracht – und das, obgleich das Fanherz des Torhüters für den 1.FC Köln schlug. In einer Zeit, in der Uli Stein die klare Nummer Eins und Thomas Ernst die klare Nummer Zwei war, hielt der junge Nikolov für den Nachwuchs der Eintracht was zu halten war – und spürte die Hierarchie am eigenen Leib. Uli Stein flößte nicht nur ob seiner Leistung Respekt ein, sondern hatte für den Nachwuchs keinen Händedruck und keinen Blick parat. Das Schicksal Okas aber wollte, dass er nach der Entlassung von Stein im April 1994 erstmals auf der Bank der Bundesligamannschaft von Eintracht Frankfurt saß und sich  in den beiden Jahren danach hinter Andy Köpke als Nummer Zwei etablierte.

Zum ersten Bundesligaeinsatz kam es am 5. Spieltag der Saison 95/96 im Spiel gegen den 1.FC Kaiserslautern, die Eintracht bezwang die Pfälzer mit 3:1. Immerhin brachte es Nikolov auf vier Einsätze in einer Spielzeit, die völlig überraschend mit dem erstmaligen Abstieg der Eintracht aus der Bundesliga endete.

Dieser Abstieg zog nicht nur massive Veränderungen an der Vereinsspitze nach sich, sondern brachte auch den Wechsel von Andy Köpke nach Marseille und dadurch den Sprung Nikolovs zum Stammtorhüter der Eintracht. Bis heute stand Oka trotz wechselnder Konkurrenz in 351 Spielen in Liga eins und zwei im Tor der Diva, damit hat er sich den Titel des Rekordtorhüters redlich verdient; Egon Loy absolvierte 278 Spiele, Dr. Peter Kunter 234 und Uli Stein 224. Das 350. Spiel erlebte Nikolov vor heimischer Kulisse am 23.10.2011 beim 3:0 gegen den MSV Duisburg – schon während des Spiels feierte die Kurve den Bub aus dem Odenwald mit Sprechchören, was Nikolov dankend zur Kenntnis nahm. Aber ich kann ja schlecht während des Spiels aus meinem Tor raus kommen, um zu feiern.

Wenig überraschend zählen die beiden spektakulärsten Spiele der letzten Jahre auch zu den Höhepunkten in Nikolovs Karriere, das 5:1 gegen den 1.FC Kaiserslautern und das 6:3 gegen den SSV Reutlingen, während die Tiefpunkte natürlich die Abstiege waren. Und natürlich erinnert sich ein Torhüter an besonders demütigende Gegentore, so wie an das 0:1 in Freiburg, als die Eintracht nicht nur von Schiedsrichter Fröhlich verpfiffen wurde, sondern zum allem Überfluss auch noch einen vermeidbaren Treffer kassierte; Oka ließ den Ball durch die Beine gleiten.

Oka, dessen Vertrag allem Anschein nach bis 2013 verlängert wird, empfand als härtesten Konkurrent Dirk Heinen, der sich später allerdings selbst aus dem Tor der Eintracht hinaus katapultierte. Obgleich Heinen unter Magath die klare Nummer Eins gewesen war und auch unter Dohmen und Rausch gesetzt schien, wollte er die Eintracht 2001 in Richtung Mönchengladbach verlassen. Nikolov eroberte sich den Platz im Tor zurück – und als sich der Wechsel Heinens zerschlug, hatte Oka dennoch die Nase vorn. Heinen wechselte dann im Februar 2002 in die Türkei und kehrte 2003 zum VfB Stuttgart in die Bundesliga zurück.

Nikolov, dem von Torwarttrainer Moppes Petz bis heute sowohl eine außergewöhnliche Geschmeidigkeit als auch konzentriertes Arbeiten beim Training attestiert wird, bekennt sich dazu, in den letzten Jahren das Privileg eines Torwartes in den höchsten Ligen mehr denn je zu genießen, ob auf der Bank oder dem Platz, wobei natürlich die Rolle als Nummer Eins favorisiert wird.

Als Rolf Dohmen im Winter 2001 für Magath den Trainerposten übernahm, setzte er Nikolov trotz erfolgreicher Spiele nach Gesundung Heinens auf die Bank, erstmals platzte Nikolov der Kragen und er äußerte sich den Medien gegenüber hochemotional, sprach sogar von Abgang. Für mich war die Nicht-Berücksichtigung wie ein Schlag ins Gesicht. Das war es wohl für mich bei der Eintracht, ich muss weg hier“, erklärte der 26 Jahre alte mazedonische Nationalkeeper. Ein Fehler, wie er heute zugibt.

Ein Wechsel stand für Nikolov mehrmals zur Debatte, in guter Erinnerung blieb das Angebot aus Dallas im Winter 2010. Einzig Michael Skibbe ist es zu verdanken, dass Oka die Eintracht letztlich doch nicht verließ – wobei nicht ganz geklärt werden konnte, was Skibbe versprochen hatte.

Egal ob Schmitt, Heinen, Pröll, Zimmermann, Fährmann oder Keßler – am Ende hieß die Nummer Eins im Tor der Eintracht meist Oka Nikolov. Das lag nicht nur daran, dass er mit den Trainern gerne mal einen Kaffee trinken ging, wie Oka scherzhaft anfügte oder an Verletzungen der Konkurrenten, sondern vor allem daran, dass Nikolov trotz des ein oder anderen Lapsus stets an sich glaubte und im Training punktgenau arbeitete und auf seine Chance vorbereitet war. Und somit deuten alle Zeichen daraufhin, dass im Sommer 2012 der vierte Aufstieg in die Bundesliga ansteht und in der darauf folgenden Saison die Frankfurter Eintracht erneut mit dem ewigen Oka ins Rennen geht. Es wäre seine 17. Saison als Profi. Mehr dürfte nur Rekordbundesligaspieler Charly Körbel auf dem Buckel haben.

Zum Abschluss der Veranstaltung – auf den Tag genau vier Jahre nach dem legendären 0:0 der Eintracht in München, als Nikolov im Alleingang den Punkt rettete, wurde Oka noch gefragt, weshalb die Spieler nach Abpfiff relativ distanziert gegenüber den Fans auftreten würden. Oka relativierte dies zum Einen und wies daraufhin, dass die Mannschaft regelmäßigen zur Kurve kommen würde – vielleicht nicht so enthusiastisch nach vergeigten Partien, zeigte sich aber erstaunt, dass eine intensivere Nähe durchaus gewünscht wird, eine Nähe, die auch daraus besteht, dass die Mannschaft in die Kurve marschiert. Möge die Saison 2011/12 noch viele Anlässe dafür bieten.

Fotos: Pia Geiger

Artikelbild: Stefan Krieger