Heute berichtet unser Hauptstadtkorrespondent Andi Kunze über seine Erfahrungen mit der Currywurst fernab der hessischen Heimat. Mit einem herzlichen Dank für die Infos sage ich: Film ab!

Der 30. Geburtstag der legendäre Wurstbude am Mehringdamm erschien mir ein angemessener Anlass zu sein, das neueste Trendprodukt des Hauses unter die Lupe zu nehmen. So reihte ich mich in eine schier endlose Schlange der hungrigen Mittagstischler ein, um zu schmecken, was sich hinter folgenden Produktinformation verbergen mag:

„Vollendete Qualität

Aus der Verbindung von optimaler Züchtung, Haltung und Fütterung resultiert beim Havellander Apfelschwein eine exquisite Biofleischqualität.

Perfekt marmoriert, in Ruhe gereift und mit wenig eingelagertem Wasser. Ebenso gesund wie wohlschmeckend und mit einem geradezu unvergleichlichem Aroma.“

Interessante Beschreibung für Currywurst, die gerne am Ende der langen Kreuzberger Nächte kredenzt wird (Öffnungszeit: 9.00 – 5.00 Uhr). Mir würde der Hinweis ja schon langen, dass das arme Tier nicht übermäßig gequält wurde. Da muss nichts zum Gourmet-Event für Gentrifizierte hochsterilisiert werden.

Wenigstens erspart das Havelberger Apfelschwein dem unbeholfenen Berlin-Tourist den Erstkontakt mit der Berliner Schnauze. „Mit Darm oder ohne?“ Fragen, die die Welt bewegen, werden hierzulande üblicherweise dahingeraunzt, dass einem fast schon wieder der Appetit vergehen könnte. Hier nun aber nicht, dann das Resultat eines optimalen Lebensumfelds fristet kategorisch ohne Darm seine letzten Minuten im Bräter.

So landete also ein kerngesundes Schwein ohne Darm und eine Pommes mit Majo auf meinem Pappschälchen. Eine Cola rundete das Mittagsmahl ab. Mit 4,70 € sind wir damit preislich auch schon fast auf Westniveau angekommen.

Der erste Bissen in die Sau, die auf meinen Wunsch hin scharf aber ohne Körner gewürzt wurde, lies mich auch aufmerken. Wahrhaft knackig-kross in der äußeren Region und saftig im Inneren. Voila, auf den Punkt genau zubereitet. Auch schmeckte man jenem ersten Bissen sofort an, dass die exquisiten Bedingungen zu einem überraschend intensiven Wurstgeschmack führten. 1:0 für die Sau ohne Darm!

Die Pommes in old-school Form waren auch perfekt frittiert und mit einer Mischung aus Salz und Paprika appetitlich gewürzt. Da sie allerdings ohne große Umwege vom heißen Fett auf mein Schälchen gelangt sind, war die reichliche Portion Majo auch nötig, um sich nicht den Mund zu verbrennen. Aber will man meckern, weil das Essen zu frisch ist?

Im weiteren Verlauf glich sich die Wurst allerdings der Leistung der Eintracht an. Trotz wohl dosierter Soße als drittes Bein verflachte ihre Bissigkeit mit zunehmender Spieldauer. Was einstmals mit knackigen Visionen begann, verwurstelte als labberiger Fakt zu einem lauwarmen Einheitsbrei. Der Außenschicht fehlte die nötige Kondition, um das Pressing länger als bis zur Halbzeit durchzuhalten.

Womit wir auch beim Kern der Berliner Currywurst angelangt wären: Sie wird von den Eingeborenen maßlos überschätzt! Auch wenn die Berlinerin Hertha Heuwer vor 61 Jahren den Speiseplan der Deutschen revolutioniert hat – verfeinert wurde das Ganze woanders. Ohne Darm hat die Currywurst  keinen Biss, die Variante mit Darm zu wenig Eigengeschmack. Man stelle sich hierbei eine gebratene Bockwurst vor, die in der Melange der Gewürze völlig unter geht.

Aber nichts desto trotz gab es einiges zu feiern heute, meine Tischnachbarn sind laut eigener Aussage im Fernsehinterview extra aus Stettin zum Wurstessen hergekommen. Und egal zu welcher Uhrzeit man bei Curry36 seinen Hunger stillen will, eine Schlange hungriger Menschen wartet schon. Ich werde dem Mythos auf der Spur bleiben, habe ich doch beim Geburtstagsgewinnspiel das Buch „Die Berliner Currywurst“ gewonnen.

Fazit: Wenn man in Berlin unterwegs ist, ist Curry36 immer eine Station wert. Aber weder aus Stettin, noch sonst woher muss man dafür extra anreisen.

Fotos: Andi Kunze